Weiteres U21-Team für die Oberliga Westfalen: Ein Jahr nach der Eingruppierung des VfL Bochum drängt auch Arminia Bielefeld in die Liga. Der Fußball- und Leichtathletik-Verband (FLVW) gab dem Antrag des Drittligisten bereits statt. Bedingung: Bielefeld darf in den kommenden beiden Jahren nicht aufsteigen.
Wir haben einige Reaktionen der Konkurrenz gesammelt. Vorweg: Der SC Verl, der ebenfalls eine zweite Mannschaft in der Liga unterhält und aufgrund der räumlichen Nähe die Entwicklungen in Bielefeld genauestens verfolgen dürfte, wollte sich nicht äußern.
Antonios Kotziampassis (Sportlicher Leiter SpVgg. Erkenschwick): Es erinnert stark an die Eingruppierung des VfL Bochum im Vorjahr. Der Verband hat es genehmigt und wir akzeptieren die Entscheidung natürlich. Ob wir es gut finden, steht auf einem anderen Blatt. Ich kann die Bielefelder und Bochumer natürlich verstehen, ich würde an ihrer Stelle wohl genauso handeln. Im Endeffekt ist es aber so, dass eine weitere Mannschaft in die Liga kommt, deren finanzielle Möglichkeiten und Ambitionen eine ganz andere Dimension haben als zum Beispiel unsere.
Dennis Kocker (Sportvorstand Rot Weiss Ahlen): Wir können mit der Eingliederung leben und werden es auch akzeptieren. Insgesamt halte ich den Weg mit zweiten Mannschaften in der Oberliga und gerade auch in der Regionalliga jedoch für eine falsche Entwicklung. So langsam sollte darüber nachgedacht werden, eine eigene Spielrunde für zweite Mannschaften zu machen. Für Amateurklubs werden die oberen Ligen dadurch immer uninteressanter und auch schwieriger zu erreichen. Zweite Mannschaften bringen in der Regel nur wenige Zuschauer mit und verfügen aber im Gegenzug über deutlich bessere finanzielle Möglichkeiten und können auch im Falle eines drohenden Abstiegs oder eines gewollten Aufstiegs immer personell von oben regieren - das ist aus meiner Sicht immer eine Art von Wettbewerbsverzerrung. Wenn man zudem schaut, wie hoch inzwischen der finanzielle Aufwand in der Regionalliga ist, dann muss man sich als Amateurverein leider inzwischen die Frage stellen, welchen Sinn ein solches Projekt noch macht, wenn man dann vor leeren Nebenplätzen in Düsseldorf oder Schalke spielt. Anhand der aktuellen Insolvenzen sieht man eindeutig, dass der Verband etwas ändern muss. So hat ein erfolgreicher Amateurfußball auf Dauer jedenfalls keine Zukunft.
Dirk Brökelmann (Sportdirektor SV Lippstadt): Der Verband hat uns in der letzten Woche geschildert, wie er sich eine Eingliederung Arminias vorstellt. Da man im letzten Jahr dem VfL Bochum die Möglichkeit gegeben hat, direkt wieder in der Oberliga zu starten, ist es sicher schwer, Arminia Bielefeld eine schlüssige Begründung für eine eventuelle Absage zu liefern. Ich kann die Widerstände der Mannschaften, deren Ziel der Klassenerhalt ist, natürlich sehr gut verstehen, da Zweitvertretungen eines Proficlubs durchaus andere finanzielle Möglichkeiten besitzen. Wir hätten nach der Schilderung des Verbandes keine Einwände gegen eine Eingliederung Arminias.
Dennis Hübner (Sportlicher Leiter ASC Dortmund): Ich kann die Entscheidung von Arminia Bielefeld nachvollziehen - wir hegen keinen Groll. Und es ist lobenswert, dass sie zunächst auf einen möglichen Aufstieg verzichten. Auf der anderen Seite ist es schade, dass teils kleinere Vereine, die in den vergangenen Jahren viel Herzblut, Zeit und Geld investiert haben, einen zusätzlichen Konkurrenten dazubekommen. Zumal die Teams aus der Region jetzt auch bei der Kaderplanung einen finanzkräftigen Konkurrenten mehr haben. Mit der Eingruppierung des VfL Bochum hatte der Verband ja einen Präzedenzfall geschaffen. Ob die Regeln richtig sind, weiß ich nicht. Immerhin hat der Verband klar kommuniziert und uns Vereine von Beginn an mitgenommen.
Richard Weber (Sportlicher Leiter SG Wattenscheid): Da ich selber vier meiner zehn Jahre im Seniorenbereich in einer U23 verbracht habe, bin ich eigentlich ein Befürworter von zweiten Mannschaften. Junge Talente können über diesem Weg den nicht einfachen Übergang vom Junior zum Senior bewältigen. Was mich in der Hinsicht aber stört, ist die Tatsache, dass Profivereine, die in der Vergangenheit ihre Zweitvertretungen aus unterschiedlichen Gründen abgemeldet haben, einen relativ einfachen Einstieg zurück in die Ligenstrukturen ermöglicht bekommen. Wir haben in dieser Saison bereits zu spüren bekommen, wie anstrengend der Mehraufwand der Spieltage inklusive einer kurzen Winterpause, für einen Oberligisten ist. Da dieser Zustand in der kommenden Saison nicht besser wird, blicke ich mich gemischten Gefühlen auf die Thematik.
Alex Bruchhage (Trainer Westfalia Rhynern): Ein Bielefelder Wiedereinstieg war ja schon länger Thema, so dass uns das nicht sonderlich überrascht hat. Für das Vorgehen möchte ich dem Verband ein Kompliment aussprechen: Man hat gemerkt, dass die Verantwortlichen ihre Lehren aus dem Fall VfL Bochum gezogen haben. Sie haben die Vereine früh abgeholt, wir hatten einen guten Austausch, der harmonisch ablief. Wir freuen uns auf Arminia Bielefeld. Es ist ein interessanter Verein mit einem interessanten Stadion. Sie werden sicherlich eine starke U21 stellen.