Kurz vor dem Ablauf der Transferfrist hat Rot-Weiß Oberhausen nochmals zugeschlagen. Die Kleeblätter sahen Handlungsbedarf im zentralen Mittelfeld und nahmen den 29-jährigen Philipp Kreuels vom Drittliga-Absteiger 1. FC Saarbrücken unter Vertrag. Der gebürtige Düsseldorfer will es nach einem für ihn schicksalsträchtigen Jahr noch einmal wissen.
Kreuels wechselte vor der Saison 2013/2014 zum 1. FC Saarbrücken, um die Blau-Schwarzen als Spielmacher nach oben zu führen. Doch für die Saarländer und vor allem für Kreuels kam es in der letzten Spielzeit knüppeldick. Nach einem starken Beginn warf ihn eine schwere Krankheit aus der Bahn, die ihm um ein Haar das Leben gekostet hätte. Hashimoto-Thyreoiditis lautete die erschütternde Diagnose. Dabei handelte es sich um eine chronische Entzündung der Schilddrüse, die bei etwa zwei Prozent der Bevölkerung vorkommt. Kreuels überstand diese schwere Phase und ist nun wieder vollständig gesund. In Oberhausen will er nun einen Neuanfang wagen. Mit RS sprach er über seine Leidenszeit, das Training bei Felix Magath und seine neue Rolle bei RWO.
Philipp Kreuels, wann haben Sie im letzten Jahr erstmals gemerkt, dass Sie schwer erkrankt sind? Das kam irgendwann im letzten Oktober. Die ersten Spiele in Saarbrücken liefen einigermaßen gut für mich. Aber danach habe ich mich dauerhaft schlapp gefühlt, mir fehlte jeder Antrieb. Die Ärzte wussten anfangs auch nicht, was mir fehlt. Als die Ergebnisse letztlich da waren und mein Arzt mich kontaktierte, bekam ich den Schock meines Lebens. Ich hätte tot sein müssen, sagte er zu mir. Meine Schilddrüsenwerte waren katastrophal und ein normaler Mensch, der keinen Hochleistungssport betreibt, wäre sicher daran gestorben. Ich hatte einfach nur Glück. Mit Medikamenten haben wir das in den Griff bekommen. Die muss ich jetzt bis an mein Lebensende nehmen. Ohne die Unterstützung meiner Familie hätte ich das aber wohl nicht überstanden.
Fühlen Sie sich nach diesem Schock wieder bereit für Leistungsfußball? Ich habe keine körperlichen Beschwerden mehr und auch mental konnte ich diese Geschichte verarbeiten. Vor der letzten Saison standen mir alle Türen offen. Ich hatte ein konkretes Angebot von Darmstadt 98. Dirk Schuster wollte mich unbedingt holen, aber ich habe mich für Saarbrücken entschieden. Darmstadt ist aufgestiegen, Saarbrücken ist abgestiegen. So kann es im Fußball manchmal laufen. Am wichtigsten ist mir aber im Moment, dass ich wieder gesund bin.
Meine Kontrahenten hießen Diego, Marcelinho und Misimovic
Sie haben früher beim VfL Wolfsburg unter Felix Magath trainiert. Warum hat es für den ganz großen Wurf nicht gereicht? Ich hatte leider das Pech, dass die Konkurrenz auf meiner Position in Wolfsburg stärker war. Damals habe ich auf der Zehn gespielt und meine Kontrahenten hießen Diego, Marcelinho und Misimovic. Die Jungs waren einfach besser, das muss man zugeben. Dennoch war es eine tolle Erfahrung in Wolfsburg, vor allem das Training unter Magath. Das war phasenweise richtig brutal und auch seine Ansprachen hatten es in sich.
Nun beginnt für Sie in Oberhausen ein neues Kapitel. Warum haben Sie sich für RWO entschieden? Ich möchte nach meiner Krankheit einen Neuanfang wagen und die Aufgabe in Oberhausen ist für mich sehr reizvoll. Ich bin gebürtiger Düsseldorfer und mein Arbeitsplatz liegt nun in der Nähe meiner Heimat. Wir haben eine junge und sehr hungrige Mannschaft, mit der wir innerhalb der nächsten zwei Jahre aufsteigen wollen. Das war für mich ausschlaggebend. Ich bin nicht hier hergekommen, um zwischen Platz zehn und 15 zu spielen. Das kann nicht der Anspruch dieses Vereins sein.
Sie haben das Team zuletzt in Wattenscheid gesehen. Was gilt es zu verbessern und wie können Sie der Mannschaft helfen? Es war auffällig, dass wir Wattenscheid sehr viele Räume gelassen haben. Der Gegner hatte einfach zu viele Torchancen. Auf Dauer geht so etwas nicht gut. Es kann nur über Kommunikation gehen. Ich habe mir vorgenommen, den Takt vorzugeben und viel zu sprechen. Mit meiner Erfahrung kann ich der Mannschaft sicherlich helfen. Ich bin bereit, Verantwortung zu übernehmen.