Zeitgleich wurde deutlich, dass es wohl keine ganz gewöhnliche Saison für die Schwarz-Gelben wird, die da vor der Tür steht. „Jürgen Klopp, Jürgen Klopp“ hallte es bereits durch die große Premierenbühne Signal Iduna Park, als Dortmunds neuer Chefcoach noch nicht einmal zur ersten Übung gebeten hatte. Ein deutlicher Vertrauensvorschuss, den in dieser Form wohl keiner der letzten Trainer des BVB bekommen hatte.
„Ich hoffe, dass sich das auch am ersten Spieltag bemerkbar macht. Denn ich spüre, dass sich meine Verantwortung von Minute zu Minute steigert“, zeigte sich der gefeierte Ex-Mainzer überwältigt von der großen Resonanz, und gab der Masse im nächsten Atemzug Zucker: „Wir werden alles raus hauen, was wir haben und den Fans leidenschaftlichen Fußball zeigen.“
Wohl wissend, dass das auch schon sein Vorgänger Thomas Doll versprochen hatte, erstickte er etwaige Phrasenschwein-Vorwürfe sicherheitshalber im Keim: „Viele werden jetzt denken, dass das der letzte Trainer auch schon gesagt hat. Aber das verringert nicht die Chance, dass wir diese Versprechen auch umsetzen.“
Gemeinsam mit Klopp stellten Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc auch jene Herrschaften vor, die verantwortlich dafür sein werden, dass aus Worten messbare Taten werden. Insgesamt acht Neuverpflichtungen, darunter mit Nuri Sahin und Marcel Schmelzer zwei alte Bekannte sowie mit Lukas Kruse und Bajram Sadrijaj zwei „Neue“ für die Zweitvertretung, verfolgten die Äußerungen ihres Trainers aufgereiht wie die Schuljungen, bevor es zum gemeinsamen Showtraining ging.
Besonders im Blickpunkt standen dabei Neven Subotic, Patrick Owomoyela und Felipe Santana, also jene Akteure, die den größten Schwachpunkt der letzten Saison ausmerzen sollen: die wackelige Abwehr. „Wir werden künftig alle sieben Innenverteidiger im Kader gleichzeitig auf den Platz bringen“, kündigte Klopp mit einem breitem Grinsen im Gesicht eine echte Revolution an, um dann aber doch zum Ernst zurückzufinden: „Wenn ständig die Abwehr in den Mittelpunkt rückt, ist das ein klares Zeichen dafür, dass davor etwas gewaltig schief gelaufen ist. Wir werden daran arbeiten, dass die Zuschauer nicht bei jedem Ball, der zurückgespielt wird, direkt anfangen zu zittern.“
Mit Tamas Hajnal, der nach einer sehr guten Saison beim KSC mit entsprechenden Erwartungen zum BVB kommt, präsentierte sich nur eine Verstärkung fürs Mittelfeld. Ein Missstand, der laut Klopp demnächst ausgeräumt werden soll: „Der Kader wird sich noch verändern. Wir suchen noch einen flexibel einsetzbaren Mann. Sollten wir an anderer Stelle noch eine Notwendigkeit erkennen, werden wir auch daran arbeiten.“
Ein Kandidat, der in den letzten Tagen gehandelt wurde, kommt unterdessen für die vakante Stelle nicht mehr in Frage: Kevin-Prince Boateng. Der 21-Jährige Allrounder von den Tottenham Hotspurs verhandelt mit dem VfB Stuttgart intensiv über einen Transfer und hat dem BVB abgesagt, wie sein Berater inzwischen bestätigte.