In den nächsten Tagen werde er "nur mit dem Physiotherapeuten und meinem Doktor arbeiten". Das Finale gegen Roger Federer in Wimbledon sei sehr emotional gewesen: "Es ist toll, gegen ihn und in Wimbledon gewonnen zu haben. Was es letztendlich bedeutet, werde ich wohl erst wissen, wenn ich meine Karriere beendet habe." Von einer Kampfansage an Federer konnte keine Rede sein: "Mein Ziel ist es immer, ein noch besserer Spieler zu werden. Vielleicht kann es in Zukunft ein Ziel für mich sein, die neue Nummer eins zu werden."
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Pokale hat Nadal zum Anbeißen gern
Nadal bleibt eben Nadal, nichts an ihm wirkt gekünstelt oder gestellt, große Sprüche sind nicht seine Sache. Als die spanischen Fußballer das EM-Finale gegen Deutschland gewonnen hatten, sah man Fotos von Rafael Nadal. Er tanzte mit nacktem Oberkörper in den Armen seiner Freunde und Familie und schwenkte dabei ein rot-gelbes Trikot. Es war der "Middle Sunday" in Wimbledon, und Rafael war einfach nur Rafael, der irgendwie immer noch kleine Junge von der Ferieninsel Mallorca. Ein bisschen Fußball gucken, Spaß haben mit den Freunden und natürlich ein bisschen feiern.
Eine Woche später war der Tennisspieler Nadal dann "König von Wimbledon". Aber Rafael war immer noch Rafael. Noch komplett verschwitzt, mit der spanischen Fahne und dem goldenen Challenge Cup unter dem Arm ging er aus den Katakomben des berühmtesten Centre Courts der Welt in die Londoner Kälte. Dort warteten Tausende Fans, kreischten immer wieder seinen Namen - und Rafael gab schnell noch ein paar Autogramme.
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Auf dem Platz ein Kämpfer, daneben ein Gentleman
Für seine Fans tut er fast alles, und wenn es sein muss, hilft er sogar mal mit der Technik aus, wenn es mit dem Fotohandy beim gemeinsamen Bild nicht so passt. Er sagt immer "Danke" und "Bitte", er kann auch "Sorry", und wie kaum ein anderer Spanier auf der Tour bemüht er sich um gutes Englisch, damit die anderen ihn verstehen. Den "Piraten" und "Krieger" im ärmellosen Muskelshirt gibt er höchstens auf dem Platz. Auch an den Verlierer dachte Nadal in Wimbledon. Als er die Glückwünsche am Netz entgegennahm, sah es aus, als würde er Federer am liebsten tröstend in den Arm nehmen. "Ich bewundere ihn sehr", sagt Nadal, auch wenn sie aufgrund der Rivalität natürlich keine engen Freunde seien: "Aber wir haben eine sehr gute Beziehung."
Die hat er auch zu seinen spanischen Mitspielern auf der Tour. Viel hängt er mit Feliciano Lopez und Co. in den Turnierpausen rum, beim Davis Cup reiht er sich ganz selbstverständlich ins Team ein. Seine Familie hat er immer dabei, Onkel Toni ist der Trainer. Sein anderer Onkel, Miguel Angel Nadal, spielte einst für die spanische Fußball-Nationalmannschaft und den FC Barcelona. Auf ihn ist Fußball-Fan "Rafa" unglaublich stolz.