Daniel Farke - ganz banal gefragt: Ist die Stimmung nach dem ersehnten Erfolgserlebnis in Lippstadt aktuell so gut wie das Wetter? Oder haben Sie nach dem 2:1-Sieg gegen Velbert gleich wieder auf die Bremse getreten und um Konzentration auf den nächsten Gegner gebeten? Ach, mit den Standardsprüchen haben wir es gar nicht so. Es war schon so, dass wir dieses Erfolgserlebnis auch mal ein Stück weit genießen durften. Es gibt einfach Selbstvertrauen und es hat eine befreiende Wirkung, wenn man sieht, dass wir gute Leistungen immer noch in Ergebnisse ummünzen können.
Kommt Wattenscheid jetzt wie gerufen? Die 09er können nicht ganz so ruhig arbeiten wie sie. Zudem ist die Lippstädter Bilanz mit sieben Punkten aus drei Spielen gegen Wattenscheid ja richtig klasse. Das stimmt, aber Wattenscheid hat immer noch eine wesentlich bessere Ausgangslage im Abstiegskampf als wir. Das ist wieder eine spannende Aufgabe für uns, weil ich ein Duell auf Augenhöhe erwarte. Wattenscheid hat gute Charaktere in der Truppe und mit André Pawlak einen Trainerkollegen, den ich für seine Art und seine Arbeit bei der SGW sehr schätze.
Sie rechnen immer sehr vorsichtig, wenn es um die Chancen geht, die Regionalliga doch noch zu halten. Ist das Understatement? Nun, im letzten Jahr waren 47 Punkte zum Nichtabstieg nötig, ich rechne damit, dass es auch dieses Mal mindestens 40 sein werden. Ich bin der Überzeugung, dass wir noch neun von den verbleibenden zwölf Spielen gewinnen müssten. Das ist natürlich nicht besonders realistisch, wenn man auf unsere bisherige Ausbeute schaut.
Sie planen also zweigleisig, für die Regional- und die Oberliga? Das machen wir schon das ganze Jahr. Vor der Saison haben wir gesagt, dass es eine kleine Sensation wäre, wenn wir die Klasse halten würden. Jetzt muss man sagen, dass es ein kleines Wunder wäre. Eigentlich haben wir zur Zeit aber nicht das Recht, um vom Klassenerhalt zu sprechen.
Der Weg in die Oberliga ist wahrscheinlicher. Einer, der den vielleicht nicht mitgehen würde, ist Stürmer Viktor Maier, der sich in der Regionalliga ohne Probleme durchsetzen konnte und eine tolle Bilanz hingelegt hat. Wohin führt sein Weg?
Wir würden uns riesig freuen, wenn er bei uns bleiben würde. Vielleicht gelingt uns das mit dem Paket aus beruflicher und sportlicher Perspektive. Sonst kommt es wohl darauf an, wer bei ihm anfragt. Ich glaube nicht, dass er zu einem Verein wechselt, der nicht viel anders strukturiert ist als der SV Lippstadt. Wenn der FC Barcelona kommt, ist das etwas anderes (lacht). Also, wenn er mit seinen 24 Jahren noch mal den Sprung in den Profibereich wagen kann, dann werden wir ihm diese Möglichkeit nicht verbauen.
Sie haben zuletzt auf eine Dreierkette umgestellt, wie kam es zu dieser überraschenden Änderung? Wir haben gegen Velbert ein 3-5-2-System gespielt, wobei die Übergänge ja immer fließend sind. Und im Endeffekt gewinnt ein System auch kein Spiel. Aber diese Ausrichtung hat gegen Velbert gut funktioniert und uns Stabilität verliehen, vielleicht auch, weil es für den Gegner sehr ungewohnt ist. Ich gehe schon länger mit diesem Gedanken schwanger. In Deutschland wird das ja kaum praktiziert, in anderen Ländern aber sehr wohl. Ich denke, dass es in Zukunft in diese Richtung geht.