Statt gemeinsam die Daumen zu drücken, warteten die Spielerinnen im Trainingslager in Bad Segeberg zu zweit in ihren Zimmern auf die Entscheidung des Weltverbandes FIFA. "Als ich die Freudenschreie der anderen gehört habe, war das schon ein gutes Gefühl", sagte Torhüterin Nadine Angerer. Doch die Ermahnung von Neid ("Mit feiern wird es noch nichts") schienen die Akteurinnen gar nicht zu brauchen - zu ernst nehmen sie die Aufgabe in den Niederlanden, auch wenn das Hinspiel 5:1 gewonnen wurde.
Ebenso gemäßigt musste die Siegesfeier nach dem ersten Heimspiel seit der erfolgreichen WM-Titelverteidigung am Sonntag vor ausverkauftem Haus in Lübeck gegen Belgien (3:0) ausfallen. "Man merkt, dass die Spielerinnen nicht mehr voll dabei und die Akkus leer sind", erklärte Neid angesichts der fehlenden Pause nach dem Titelrennen in China. "Nichtsdestotrotz wollen wir drei Punkte holen, um beruhigt in die Winterpause zu gehen."
Ihre Abschiedsvorstellung wird Linksverteidigerin Sandra Minnert nach 15 Jahren in der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) geben. Die 34-Jährige tritt nach ihrem 146. und letzten Länderspiel aus der Nationalmannschaft zurück, vier Knieoperationen haben ihre Spuren hinterlassen. "Ich habe seit einem Jahr nicht mehr schmerzfrei trainieren können", erklärte Minnert, die jedoch beim SC Bad Neuenahr eventuell bis 2009 verlängern will.
Ex-Nationalspielerin Neid, die ihren Vertrag in der vergangenen Woche bis 2013 verlängert hat, muss in Volendam erneut auf die Weltmeisterinnen Renate Lingor vom 1. FFC Frankfurt (Muskelfaserriss), Simone Laudehr vom FCR 2001 Duisburg (Knieverletzung) und Sandra Smisek verzichten. Die 30-jährige Frankfurterin hatte aus beruflichen Gründen bereits abgesagt, als sie sich beim unglücklichen Auffangen eines Glases eine Beugesehnen-Trennung am linken Daumen zuzog.
Selbst bei einem Ausrutscher an der Nordsee wäre der direkte Endrunden-Einzug als Gruppenerster kaum in Gefahr, zu souverän führt die DFB-Auswahl die "Quali"-Gruppe 4 an. Mit der Maximalausbeute von zwölf Punkten aus vier Spielen liegt die Neid-Elf fünf Zähler vor der Schweiz, acht vor den Niederlanden. Nur der Gruppen-Erste qualifiziert sich direkt für die EM-Endrunde in zwei Jahren.