Am nächsten Tag hatten sie in Paderborn immer noch keine Erklärung dafür, was da am Abend in der Benteler-Arena passiert war. „Kneif uns mal einer...“, schrieb der Klub SC Paderborn auf seiner Homepage im Internet und fragte vorsichtig: „Ist das gestern wirklich passiert?“ 1:0 (0:0) im DFB-Pokal gegen den Bundesliga-Absteiger FC Ingolstadt. Der dritte Zweitligist, den sie nach dem FC St. Pauli und dem VfL Bochum aus dem Pokal geworfen haben. Das Siegtor von Ben Zolinski (56. Spielminute) brachte den Einzug ins Viertelfinale – zum ersten Mal seit Gründung des Vorgängervereins 1907.
Mit bangem Blick schaut jetzt Trainer Steffen Baumgart, welcher Klub ihm am 7. Januar zugelost wird. „Wir freuen uns darauf“, sagt Baumgart. „Jeder, der noch im Topf ist, wird sich uns als Gegner wünschen.“ Die Situation erinnert an die Sportfreunde Lotte vorige Saison. Jeder wollte gegen den Drittligisten ran. Und dann schieden die Profi-Gegner reihenweise am Autobahnkreuz an der A1 aus: Werder Bremen, Bayer Leverkusen und 1860 München.
Eintracht Frankfurt fände ich gut. Die haben super Fans, die Stimmung machen, und wir hätten wieder ein ausverkauftes Heimspiel.
Massih Wassey über das Viertelfinal-Wunschlos
„Das ist der Wahnsinn. Es läuft einfach überragend. Wir sind Zweiter in der 3. Liga und stehen im DFB-Pokal-Viertelfinale. Ich kann das immer noch nicht fassen“, sagte Spielmacher Massih Wassey noch am Tag nach dem Sieg vor 14.500 begeisterten Fans im ausverkauften Stadion von Paderborn.
Jetzt kommt für die Paderborner der große Zahltag: Die Live-Übertragung vom Viertelfinale bringt den Spielern Rekordprämien ein. Dank des Viertelfinal-Einzugs darf sich der Klub über Einnahmen von 2,34 Millionen Euro freuen. Zum Vergleich: Der Drittliga-Etat der Paderborner für die Serie 2017/18 liegt bei rund acht Millionen Euro. Die Spieler sollen für das Erreichen der letzten acht Mannschaften im DFB-Pokal nach Informationen dieser Redaktion mit einer Prämie von bis zu 20.000 Euro pro Kopf – gestaffelt nach Einsatzzeit – entlohnt werden.
Kurios ist dabei, dass die Mannschaft von Trainer Steffen Baumgart, ehemals in der Bundesliga für Energie Cottbus und Hansa Rostock aktiv, nur aufgrund des Lizenz-Entzugs für den TSV 1860 München in der 3. Liga geblieben ist. Diese Zeitung hatte SCP-Geschäftsführer Anfang Juni Markus Krösche telefonisch davon unterrichtet, dass 1860 München keine Drittliga-Lizenz erhalten würde und die sportlich abgestiegenen Paderborner doch drittklassig blieben. Krösches Reaktion damals: „Wir sind mit zwei blauen Augen und einem Kieferbruch in der Liga geblieben. Wir haben richtig Schwein gehabt.“ Und das Glück für diese Spielzeit scheint noch lange nicht ausgeschöpft zu sein. Wassey und seine Kollegen hegen jedoch einen ganz anderen Traum als das DFB Pokalfinale in Berlin: "Unser großer Traum, unser großes Ziel ist der Aufstieg in die 2. Bundesliga. Im DFB-Pokal wollen wie jede Sekunde mitnehmen und genießen."
"Weihnachten steht jetzt bevor. Es ist eine besinnliche Zeit. Da darf man doch auch mal träumen“, sagt der 29-jährige Wassey, der vor der Saison von Borussia Dortmunds U23-Mannschaft nach Paderborn gewechselt war. Auf dem Weg zum großen Traum stehen aber noch mindestens zwei Gegner im Weg.
Für das Viertelfinale hat Wassey einen Wunsch: „Eintracht Frankfurt fände ich gut. Die haben super Fans, die Stimmung machen, und wir hätten wieder ein ausverkauftes Heimspiel. Wir wären natürlich trotzdem krasser Außenseiter.“
Warum der in Münster geborene Deutsch-Kanadier, der zwischen Juli 2009 und Januar 2011 bei der Reserve des FC Schalke 04 unter Vertrag stand, sich weder S04 noch den BVB wünscht, verrät er mit einem Augenzwinkern: „Das wären geile Final-Gegner.“