Als Gerald Asamoah bei einer kleinen Ansprache des neuen Schalker Cheftrainers lässig die Händen in den Hosentaschen ruhen ließ, stupste ihn der Holländer nur kurz an. "Asa" hatte verstanden, fortan ließ sich Schalkes dienstältester Profi nicht mehr zu Spielerein an unerlaubter Stelle hinreißen. Einen Tag später, am Mittwoch, erhielt Asamoah von Rutten einen Tritt in den Allerwertesten, weil der Stürmer beim fünf gegen zwei den Coach in die Mitte schicken wollte.
Wer daraus folgert, Rutten sei ein harter Hund und Disziplinfanatiker, der sieht bei der Beurteilung des 45-jährigen Fußballlehrers aus Enschede aber zu kurz. Bei seinem ersten Gespräch mit der Presse nach dem Trainingsauftakt am Dienstag gab sich Rutten zwar äußerst sachlich, zeigte aber auch seinen Sinn für Humor.
Fred Rutten, wir fühlen Sie sich nach den ersten drei Einheiten mit der Mannschaft auf Schalke? Sehr gut. Ich bin wirklich stolz, dass ich auf Schalke arbeiten darf. Schalke ist einer der größten Vereine in einer der besten Ligen Europas. Alles ist hier größer als in Enschede, wo zum Beispiel zum ersten Training im Sommer vielleicht 400 Leute kamen. Hier waren es 4.000.
Ihrem Vorgänger Mirko Slomka wurde zwar vorgeworfen, dass die Truppe unter ihm vor allem in der vergangenen Saison keinen schönen Fußball spielte, aber immerhin war sein Wirken mit Platz drei in der Bundesliga und dem Erreichen des Viertelfinals in der Champions League recht erfolgreich. Wie groß lastet der Druck auf Sie, sich an diesen Ergebnissen messen lassen zu müssen? Davon werde ich mir nicht den Kopf verdrehen lassen, weil man hier schnell gute Ergebnisse erwartet. Im Fußball bekommt man nie die Zeit, die man vielleicht mit einer Mannschaft braucht, die Leistung muss immer da sein. Schalke hat in den vergangenen Jahren eine sehr positive Entwicklung hinter sich, diese wollen wir weiter fortsetzen. Letzte Saison war der Abstand zu Platz eins aber sehr groß. Meister Bayern hat seinen Kader nicht gerade geschwächt, sondern will noch weiter aufrüsten. Glauben Sie dennoch, dass Schalke den Vorsprung der Münchner verkürzen kann? Darüber kann ich mir nach den ersten beiden Tagen hier in Gelsenkirchen natürlich noch kein Urteil erlauben. Schalke hat in den letzten Jahren immer oben mitgespielt, das wollen wir auch in der nächsten Saison erreichen. Favorit auf die Meisterschaft ist aber immer Bayern München. Dahinter gibt es vier, fünf Mannschaften, die auch dazu in der Lage sind, oben mitzumischen. Dazu wollen wir natürlich gehören.
Wie beurteilen Sie auf dem Weg dorthin den Spielplan mit unter anderem dem Top-Hit in Bremen und zwei Revierderbys gleich zu Beginn der Saison? Wir haben zunächst ein Heimspiel, das ist schon mal gut. Aber es sind am Anfang natürlich keine leichten Gegner, die wir da vor uns haben. Ein guter Start wäre sehr wichtig, das würde Selbstvertrauen für den weiteren Saisonverlauf geben.
Mit Jefferson Farfan wurde erst ein externer Neuzugang verpflichtet. Genügt das denn, um den eigenen hohen Ansprüchen gerecht werden zu können? Dabei soll es ja nicht bleiben. Jeder weiß, dass wir mit Orlando Engelaar im Gespräch sind. Er hat gesagt, dass er gerne zu Schalke wechseln möchte, daher hoffe ich, dass der Transfer in den nächsten Tagen klappen wird. Wo soll Engelaar überhaupt spielen, das defensive Mittelfeld ist doch mit Fabian Ernst und Jermaine Jones gut besetzt? Orlando kann im Mittelfeld auf vielen Positionen auflaufen. Bevor er nach Enschede kam, hat er aber zum Beispiel bei NAC Breda sogar Stürmer und auf der Zehn gespielt und bei REC Genk Linksaußen. Er ist also sehr variabel und dazu in der Lage Tore zu machen. In den vergangenen Jahren waren es im Schnitt sechs, sieben pro Saison. Jones hat vor einiger Zeit Abwanderungsgedanken geäußert, Sören Larsen hatte sogar nicht damit gerechnet, zum Vorbereitungsstart wirklich noch auf Schalke sein zu müssen. Planen Sie mit diesen Leuten oder sollte man sich von diesen Leuten lieber trennen? Von mir aus muss kein Spieler abgegeben werden. Für mich ist wichtig, dass wir einen großen Kader haben. Wenn wir etwas erreichen wollen, dann muss der Konkurrenzkampf da sein. Ich habe bisher nur mitbekommen, dass da etwas mit Larsen läuft, alles andere ist nur Spekulation.
In der Niederlande wird traditionell im 4-3-3 gespielt, das ist die Formation, die auch Sie bisher bevorzugt haben. Wird das System auch auf Schalke der Schlüssel zum Erfolg sein? Ach, wissen Sie, es gibt so viele Systeme im Fußball. Mir ist eigentlich egal, wie wir die Punkte holen. Wenn wir gut spielen, ist das System egal, das kann auch mit nur zwei Stürmern oder einem so sein. Die Mischung aus gutem Fußball und Leistung muss stimmen. Das hat zuletzt in Enschede gut geklappt. Slomka hat zu Beginn seiner Tätigkeit mit einem Mentalcoach zusammen gearbeitet, der fehlt momentan in Ihrem Trainerstab. Denken Sie noch daran jemanden zu engagieren, der die Profis psychologisch betreut?
Ich lehne das nicht ab und mache mir immer Gedanken, wie sich eine Mannschaft verbessern kann. Innovationen tun dem Fußball eben gut. Dazu gehört auch die mentale oder psychologische Unterstützung der Spieler. Ich denke, dass wir momentan mit dem vorhandenen Personal auskommen, aber ich stehe einer Erweiterung nicht im Weg.
Was ist mit René Eijkelkamp, mit dem Sie schon in Eindhoven zusammen gearbeitet haben und der sich den Trainingsauftakt auf Schalke nicht entgehen ließ? Ich kann mir gut vorstellen, dass René ein-, zweimal in der Woche individuell mit den Stürmern arbeitet. Das ist aber noch nicht entschieden.
In der ersten Woche stehen nahezu täglich zwei Einheiten auf dem Programm. Wie ist der genaue Ablauf? Ich bin es von Enschede aus gewohnt, dass die Spieler zwischen den beiden Einheiten mittags auf dem Gelände bleiben. Sie sollen gemeinsam essen und sich ausruhen. Dafür bräuchten wir noch geeignete Räume in der Nähe unsere Kabinentrakts im Medic.os.