"Ich war seit Olympia in Peking nur zweimal im Wasser. Ich fühle mich aber nicht unwohl - eher umgekehrt", erklärte Poleska als Zuschauerin am Rande der deutschen Kurzbahn-Meisterschaften in Essen. Wenn man die hübsche Blondine entspannt und lachend auf der Tribüne statt im Wasser sieht, kann man ihr das glauben.

Anne Poleska in Aktion. (Foto: firo)
Poleska genießt nach eigenen Aussagen die gewonnene Freizeit. Und sie hat auch schon neue Pläne. "Laufen macht mir zurzeit viel Spaß. Ich habe mir vorgenommen, im nächsten Jahr Ende Mai in Stockholm einen Marathon zu laufen", erläutert sie ihre nächsten Schritte außerhalb des Schwimmbeckens.
Der endgültige Rücktritt von Poleska kommt nicht überraschend. Zwar hatte sie sich nach Platz zehn in Peking über 200m Brust noch ein Hintertürchen offengelassen ("Ich bin durch und durch Fisch, vielleicht komme ich ja doch nochmal zurück"), doch letztlich hat die ehemalige Aktivensprecherin des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) nicht mehr daran geglaubt, noch einmal den Anschluss an die absolute Weltspitze zu schaffen.
"Ich habe vor Olympia unglaublich hart trainiert und diszipliniert gelebt, und trotzdem hat es nicht gereicht", hatte Poleska bereits unmittelbar nach Peking die Situation realistisch eingeschätzt und den Rücktritt angedeutet: "Ich habe nicht mehr den Drang, mich zu beweisen." Ein weiterer Grund für ihr Karriereende ist die schwere Erkrankung ihres Trainers Michael Lohberg, bei dem kurz vor den Spielen eine lebensbedrohliche Blutkrankheit diagnostiziert worden war. Poleska hätte sich eine andere Trainingsgruppe suchen müssen. "Ich weiß nicht, ob ich dann noch Spaß hätte. Und Quälen ohne Spaß geht bei mir nicht", meinte Poleska, die in Florida trainiert hat.
Nach zwölf Jahren in der internationalen Spitze ist der fünfmaligen Kurzbahn-Europameisterin und 14-maligen nationalen Titelträgerin vor dem Schritt ins "normale" Leben aber nicht bange. "Ich plane jetzt auch meine berufliche Zukunft", meinte Poleska: "Es geht weiter, und ich bin frohen Mutes."