Dritter wurde überraschend der Brasilianer Rubens Barrichello im Honda. Hamilton führt zur Halbzeit die WM-Wertung wieder an, weil die roten Rivalen von Ferrari baden gingen. "Wir sind wieder zurück im Titelkampf", sagte Hamilton, der von seinen Gefühlen überwältig war. Der Sieg sei die beste Erfahrung in seiner Karriere gewesen. In der letzten Runde habe er gesehen, wie die Fans aufgesprungen seien und ihm zugejubelt haben. "Da habe ich nur noch gebetet und zu meinem Auto gesagt: bitte, bleib auf der Strecke, bitte, bitte", verriet der 23-Jährige. Sein Chef Norbert Haug jubelte: "Das war wahnsinnig. Über eine Sekunde schneller zu fahren als der Zweitplatzierte, ist eine außergewöhnliche Leistung."
Heidfeld, der zuletzt viel Kritik einstecken musste, fühlte sich ebenfalls wie ein Gewinner. "Ich bin sehr zufrieden. Ich habe das Auto auf der Strecke gehalten, das war heute das Wichtigste", sagte der Mönchengladbacher. Als er merkte, dass Hamilton zu weit vor ihm lag, habe er den Schongang eingelegt, meinte "Quick Nick", der bereits zum dritten Mal in dieser Saison nach Melbourne und Montreal als Zweiter auf dem Podium stand: "Ich habe zum Schluss nichts mehr riskiert, wollte den zweiten Platz sicher nach Hause fahren." Hamilton liegt nach seinem Husarenritt nach dem 9. von 18. WM-Läufen punktgleich mit Felipe Massa (Brasilien) mit jeweils 48 Zählern und identischen Resultaten in der WM-Wertung vorn. Beide haben bislang drei Siege verbucht. Ferrari-Pilot Massa, der erstmals als WM-Spitzenreiter bei einem Formel-1-Rennen startete, erlebte im englischen Schmuddelwetter ein Desaster: Nach vielen anfängerhaften Drehern landete er abgeschlagen auf dem 13. und letzten Platz. Etwas besser erging es Massas Teamkollegen Kimi Räikkönen (Finnland), der Weltmeister ergatterte als Vierter fünf WM-Punkte. Der "Iceman" hat ebenfalls 48 Punkte auf dem Konto, aber nur zwei Siege eingefahren und liegt damit hinter dem Spitzenduo Hamilton und Massa zurück.
Der Pole Robert Kubica schied im BMW-Sauber aus und fiel in der Gesamtwertung auf Platz vier zurück, sein Rückstand beträgt allerdings nur zwei Punkte. Nico Rosberg (Wiesbaden), der mit neuem Getriebe am Williams aus der Boxengasse starten musste, verpasste als Neunter nur um 0,8 Sekunden die Punkteränge. "Das Auto ist wie ein Känguru gehüpft, es war im Qualifying am Samstag unfahrbar", sagte der 23-Jährige, der sich von dem neuen Getriebe Besserung erhoffte. Timo Glock (Wersau) kam im Toyota als Zwölfter ins Ziel. Für Sebastian Vettel war der Arbeitstag nach nur wenigen Metern beendet. Das deutsche Talent rutschte im Toro Rosso von der Strecke und blieb im Kiesbett stecken. Um seine Zukunft braucht sich der 21-Jährige aber keine großen Sorgen zu machen. Der Hesse ist für 2009 als Nachfolger von David Couldhard bei Red Bull im Gespräch. Pikant: Ausgerechnet mit Coulthard war Vettel kollidiert, was zum frühen Ausfall führte. "David hat mich hinten links getroffen, und das Kiesbett ist hier fast einen halben Meter tief. Da gab es keine Chance", sagte Vettel. Adrian Sutil (Gräfelfing) war ab Runde 12 nur noch Fußgänger. Der Force-India-Pilot segelte von der nassen Piste und grub sich ebenfalls ins Kiesbett ein. Für den 25-Jährigen war es schon der sechste Ausfall in diesem Jahr. Timo Glock (Wersau) verlor in Runde 44 an Position acht fahrend die Kontrolle über seinen Toyota und rutschte von der Strecke.
Beim Start boten die Silberpfeile den Zuschauern eine tolle Show. Hamilton schoss von Platz vier nach vorne und lieferte sich ein Rad-an-Rad-Duell mit Kovalainen. Der Finne gab gegen die Nummer eins im Team aber keinen Zentimeter nach und behauptete die Spitze. In Runde fünf kam es dann doch zum Führungswechsel: Der schnellere Hamilton zog problemlos unter dem Jubel seiner Landsleute an Kovalainen vorbei.
WM-Spitzenreiter Massa erlebte ein schwarzes Wochenende. Der Brasilianer, der nur auf dem neunten Startplatz stand, drehte sich in der ersten Runde und fiel dadurch ans Ende des Feldes zurück. Dieses Missgeschick erlebte auch Kovalainen, der auf Platz fünf zurückfiel. Hamilton musste sich fortan der Angriffe Räikkönens erwehren, der immer näher kam. In Runde 20 kamen die beiden zum Boxenstopp, mit Glück blieb Hamilton vorne. Dann plötzlich der Ferrari-Schock: Hamilton nahm seinem Rivalen mit jeder Runde teilweise mehr als fünf Sekunden ab. Die Erklärung: Der "Iceman" hatte sich verzockt und im Gegensatz zu Hamilton nicht die Reifen gewechselt. Als es dann wieder stärker regnete "eierte" Räikkönen ziemlich hilflos über die Strecke. Innerhalb weniger Runden wurde der Finne bis auf Platz vier durchgereicht. Neuer Zweiter war Heidfeld vor Kovalainen, der nach einem Ausrutscher allerdings den Anschluss verlor und schließlich Fünfter wurde. Vorne aber gab sich Hamilton keine Blöße und fuhr den Sieg sicher nach Hause