Eins vorab: Klar, das 2:1 gegen den BVB II war nur ein Sieg, ein erster Schritt in eine spannende Saison, eine Partie von 36. ABER: Es kann auch so viel mehr gewesen sein.
Denn in den letzten Jahren lief auf dem Platz viel schief bei Rot-Weiss Essen. Es gab schon Auftaktsiege, seit dem Aufstieg in die Regionalliga 2011 drei an der Zahl. Doch keiner war wie der Dreier am Freitag gegen die U23 der Dortmunder.
In den letzten Jahren startete RWE gefühlt jedes Mal auf einem Pulverfass. Jedem war klar, geht der Start schief, wird es explosiv rund um die Hafenstraße. Die Fans hofften mehrmals auf einen erfolgreichen Umbruch. Meistens war im September, spätestens im Oktober klar. Nach oben geht nicht mehr viel.
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Dieser Start in die Saison erinnerte an die letzte Aufstiegssaison. 2010/11 feierte RWE ein großes Comeback. Nach Insolvenz und Zwangsabstieg meldete sich der Klub zurück – die Mannschaft vom damaligen Trainer Waldemar Wrobel stieg sofort in die Regionalliga auf. Mit einem emotionalen Sieg zum Start, der in vielen Bereich an den Freitag erinnerte, als knapp 15.000 Zuschauer nach Essen kamen.
Auch am 14. August 2010 kamen für Oberliga-Verhältnisse überragende 6250 Zuschauer zum ersten Spiel gegen den VfB Homberg. Wie gegen den BVB II gab es beim 1:0-Erfolg die späte Erlösung. Wie gegen Dortmund traf ein Abwehrspieler zur Entscheidung – Alexander Thamm wuchtete den Ball in der 89. Minute zum Siegtor ins Netz. Damals entwickelte sich eine Eigendynamik, die RWE am Ende den Aufstieg bescherte.
Knapp neun Jahre später hat RWE wieder diese Chance, sich an diesem Auftakt hochzuziehen. In der Saison, in der es den großen Umbruch gab. Wo auch die Fans neuen Kredit vergeben haben, wo die Stimmung so war wie im alten Georg-Melches-Stadion. Wo die Mannschaft sich den emotionalen Kick holen konnte, den es manchmal braucht, um große Ziele zu erreichen.
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Wie gesagt: Es muss nicht so kommen, aber die Essener haben am Freitag eine Tür aufgestoßen. Ob sie durchgehen, das sieht man später. Denn – und das ist für Essens Trainer Christian Titz sicher sehr angenehm. Es lief sportlich noch längst nicht alles rund. Der BVB war lange Zeit dominant, führte verdient, verpasste aber die Entscheidung. So kann Titz - bei allen Emotionen - den Finger in die Wunde legen und bei einem ausführlichen Videostudium aufzeigen, dass es sportlich nach dem Umbruch an vielen Stellen noch haperte.
Doch das ist der Unterschied zu den letzten Jahren: Jetzt geht man diese Baustellen in Essen gemeinsam an – vielleicht mit dem identischen Ausgang wie 2011. Möglich scheint in dieser Saison viel zu sein…
Die Essener Eröffnungsspiele seit dem Aufstieg in die Regionalliga
2019: 2:1 gegen den BVB II 2018: 1:2 in Rödinghausen 2017: 2:2 beim BVB II 2016: 2:0 in Wiedenbrück 2015: 0:3 gegen Wiedenbrück 2014: 1:1 gegen Lotte 2013: 1:2 gegen Viktoria Köln 2012: 4:2 bei RWO 2011: 2:1 gegen Mainz II