FIA und FOTA hatten sich am Mittwoch gerade einmal sechs Tage nach dem überraschenden Ausstieg von Honda auf einen gemeinsamen Sparkurs geeinigt, der den Teams und Herstellern das langfristige Überleben in der Königsklasse ermöglichen soll. Die Gefahr weiterer Rückzüge dürfte damit vorerst gebannt sein.
"Es herrschte allenthalben die Einsicht, dass die Kosten gesenkt werden müssen - ein Ziel, das wir seit vielen Jahren mit Nachdruck verfolgen. Diese Einigkeit ist positiv", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug dem Sport-Informations-Dienst (sid). "Ich denke nicht, dass die Formel 1 in unruhigem Fahrwasser war - klar sind zunächst alle geschockt und traurig, wenn sich ein Wettbewerber zurückzieht. Es sieht in diesem Fall allerdings auch so aus, dass hier spezielle Gründe eine Rolle gespielt haben", meinte Haug.

Mercedes-Sportchef Norbert Haug zeigt sich nachdenklich (Foto: firo).
FIA und FOTA hatten am Mittwochabend in einer Pressemitteilung vom "erfolgreichsten Meeting über die Belange der Formel 1, an das sich alle Beteiligten erinnern konnten", berichtet. "Es wurde Einigkeit über Maßnahmen erzielt, alle ursprünglich von der FIA gesetzten Ziele für 2010 und danach zu erreichen. Darüberhinaus hatte die FOTA weitere Vorschläge für signifikante Kostensenkungen für 2009 gemacht, trotz derer die Formel 1 ihre Position als Spitze des Motorsports behält", hieß es in der Mitteilung. Mosley zeigte sich "sehr erfreut" über den Ausgang des Treffens.
Für Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo als Chef der FOTA war "die Einigkeit der Teams die Grundlage, die Ziele für eine neue Formel 1, aber mit der gleichen DNA zu erreichen - wie von der FIA gefordert." Montezemolo zeigte sich am Donnerstag zuversichtlich, dass die geplanten Änderungen "uns in die Lage versetzen, von der kommenden Saison an drastisch Kosten zu sparen und bis zum Jahr 2012 eine komplett neue Formel 1 zu bekommen."
Erst nach der Verabschiedung der geplanten Sparmaßnahmen durch das World Council will die FIA Details veröffentlichen. Wichtigste Bestandteile der Vorschläge von Teams und Automobilherstellern dürften allerdings eine weitere Verlängerung der Laufzeit der aktuellen Motoren von den ursprünglich für 2009 vereinbarten drei auf vier GP-Wochenenden und ein komplettes Testverbot während der laufenden Saison sein. Durch die längeren Einsatzzeiten der Motoren würden die Teams statt der nach den ersten Plänen noch vorgesehenen 25 nur noch 17 Triebwerke pro Saison benötigen. 2008 waren es noch 60, in der Zeit davor ohne Beschränkungen bis zu 200 pro Team.
In der Frage der von Mosley favorisierten Einheitsmotoren ab 2010, die Cosworth inklusive eines Xtrac-Getriebes für 6,42 Millionen Euro liefern könnte, war die FIA den Herstellern zuletzt bereits insofern entgegengekommen, dass sie entweder den Cosworth-Motor selbst montieren oder auch weiterhin ihre eigenen Triebwerke verwenden dürften, wenn sie an die Leistung des Einheitsmotors angepasst würden.
Haug zeigte sich zufrieden mit den weiteren Sparmaßnahmen, betonte aber auch, dass bei McLaren-Mercedes schon in früheren Zeiten solide gewirtschaftet wurde. "Was unser Team betrifft und ganz besonders uns als Hersteller, so geben wir heute weniger Geld für die Formel 1 aus als noch vor fünf Jahren", sagte er: "Wir haben dabei größeren Erfolg und in den letzten zwei Jahren die höchste TV-Präsenz aller Formel-1-Teams weltweit." Obwohl die Königsklasse für Mercedes hochattraktiv sei, wolle man aber dennoch "die Kosten in den nächsten zwei Jahren halbieren und mehr Geld einnehmen als heute."