Lierhaus bat 2013 um ein Treffen, als Marco Guglielmi Trainer bei Blau-Weiß Mintard wurde. Der Torjäger kündigte an, dass er glaubt, über 40 Saisontore zu schießen. Guglielmi war perplex. Doch der inzwischen 30-Jährige meinte es ernst. Und lieferte.
Am Ende der Spielzeit hatte Lierhaus 57 Tore auf dem Konto. Und der Klub den Aufstieg in die Bezirksliga eingefahren. Das Treffen war der Beginn einer Symbiose. Insgesamt hat Lierhaus schier unglaubliche 249 Treffer in 205 Spielen erzielt. Die Frage, was sein Erfolgsrezept ist, liegt nahe. "Ich versuche, in die Räume reinzulaufen und die Mitspieler finden mich dann ganz oft", so Lierhaus. Fußball kann so einfach sein.
Guglielmi hat als Trainer eine andere Erklärung. "Im Sechzehner ist Mathias da, er ist der typische Strafraumstürmer und hat dafür die besten Voraussetzungen. Er hat einen guten Schuss, kann köpfen, hat einen schnellen Antritt und den Torinstinkt. Den kann man nicht trainieren", glaubt Guglielmi.
Lierhaus fühlt sich in Mintard wohl
Und klar, die Torquote ließ aufhorchen. Immer wieder flatterten Angebote von höherklassigen Teams rein. "Mehr als genug", ergänzt Lierhaus. Richtig überzeugt wurde er aber nie. Der Stürmer weiß, was er an Mintard hat - und umgekehrt. "Er ist ein geselliger Typ, der seine Freiheiten braucht", erklärt Guglielmi. Diese gewährt ihm der Trainer. "Das zahlt er mit Toren wieder", so der Coach, "und das ist das, was ihn stark macht."
Lierhaus selbst, seit fünf Jahren Kapitän der Truppe, sagt: "Ich spiele hier schon ewig. Mit den Leuten, die jetzt im Vorstand sind, habe ich mit 18 in der ersten Mannschaft gespielt." Der Wohlfühlfaktor spricht für Mintard.
Das Team unternimmt viel. Umso schwerer wiegt die derzeitige Fußball-Pause. Auch abseits des Platzes sind zahlreiche Freundschaften entstanden. Beispielsweise die zwischen Lierhaus und Marco Brings. Der Mittelfeldspieler, ebenfalls 30 Jahre alt, füttert den Torjäger mit Pässen und Flanken. "Ich weiß nicht, wie viele Vorlagen ich schon von ihm bekommen habe", so Lierhaus.
Top-Ausbeute auch in der Landesliga
In der Landesliga, dort spielt Blau-Weiß seit dieser Spielzeit, trifft Lierhaus weiter wie er will. Das Handwerk bleibt eben dasselbe. Die Ausbeute von 21 Toren in 20 Spielen spricht trotzdem Bände.
Und das, obwohl Lierhaus in dieser Saison mit Meniskusrissen sowie der Achillessehne zu kämpfen hatte und teilweise ausfiel. Das Alter. Lierhaus merkt es zunehmend. Was aber kein Grund ist, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen. "Ich denke noch nicht ans Aufhören", sagt Lierhaus. Das klingt schon fast nach einer Warnung für die Torhüter der Landesliga.