Er ist am Sonntag beim Schicksalsspiel gegen Arminia Bielefeld zum Siegen verdammt. Nur Funkel selbst macht sich trotz des sportlichen Absturzes keine Sorgen um seine Zukunft. "Mich muss man nicht schützen. Ich nehme keinen Schaden, da braucht niemand aufzupassen", sagte er. Ansonsten gibt es vom 54-Jährigen Durchhalteparolen zu hören: "Das Spiel im Pokal gegen Rostock war scheiße. Aber wenn wir am Sonntag gegen Bielefeld gewinnen, sind wir wieder gut im Rennen."
Dennoch: Seit dem 1:2 nach Verlängerung gegen Hansa ist es für Funkel in Frankfurt äußerst ungemütlich geworden. "Wir sind in einem Zustand zwischen Sorge und Scham", beschrieb Präsident Peter Fischer die Lage der Eintracht in der Frankfurter Rundschau: "Ich will, dass die Spieler sich eine Ohrfeige geben und aufwachen."
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Steht unter Druck: Friedhelm Funkel. (Foto: firo)
Den schwachen Saisonstart mit nur zwei Punkten aus vier Spielen entschuldigte Funkel noch mit der Tatsache, dass Frankfurt bislang drei Auswärtsspiele hatte und das Heimspiel gegen den Karlsruher SC dem Rasen-vernichtenden Madonna-Konzert zum Opfer gefallen war. Das Aus im DFB-Pokal brachte das Fass jedoch zum Überlaufen: Erstmals in dieser Spielzeit hallten "Funkel-Raus-Rufe" durch die Arena. Der deutsche Meister von 1959 holte saisonübergreifend aus den vergangenen zwölf Ligaspielen nur sechs von 36 möglichen Punkten - eine blamable Bilanz. Das weiß auch Heribert Bruchhagen. "Ich habe Respekt vor dem Portfolio der Entscheidungen von Friedhelm Funkel. Aber irgendwann muss man abwägen, was man tut, um Schaden vom Verein und vom Trainer abzuwenden", sagte der Vorstandsboss.
Eine Treuebekenntnis klingt anders, auch wenn Bruchhagen kein Freund von vorschnellen Trainer-Entlassungen ist. Seit 2004 geht Bruchhagen mit Funkel durch dick und dünn, doch der Druck von Fans und Aufsichtsrat könnte den Vorstandschef bei einer weiteren Pleite gegen Bielefeld zum Handeln zwingen. Dabei haben die Hessen im vergangenen halben Jahr so viel investiert wie noch nie seit dem ersten Bundesligaabstieg 1996: 13 Millionen Euro gab der Klub für neue Spieler aus.
Im vergangenen Winter kamen der Brasilianer Caio und der tschechische EM-Teilnehmer Martin Fenin, im Sommer Habib Bellaid, Ümit Korkmaz, Markus Steinhöfer und Zlatan Bajramovic. Vor allem Caio, der mit 3,8 Millionen Euro teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte, spaltet Fans und Trainer. "Ich mache Caio nicht mehr zum Thema", sagte Funkel, nachdem der Mittelfeldspieler gegen Rostock in der 90. Minute einen Elfmeter verschoss und sich damit selbst ein Bein stellte: Gegen Bielefeld wird Caio wohl erneut nur auf der Bank sitzen.
Sollte die Eintracht nicht frühzeitig in Führung gehen, werden die Fans den Brasilianer wohl wie in fast jedem Spiel wieder vehement fordern und die Mannschaft dadurch zusätzlich verunsichern. Dass der gesperrte Mittelfeld-Stratege Chris und möglicherweise auch Patrick Ochs (Beckenkamm-Prellung) nicht zur Verfügung stehen, lässt bei den Anhängern die Hoffnung auf den ersten Dreier der Saison zunehmend schwinden. Schwere Zeiten für Funkel.