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Bischof Genn: "Der Ball sollte sich nicht zu weit von der Erde entfernen"
Fußball als Gemeinschaftsbildung und Kommunikation

Bischof Genn: "Der Ball sollte sich nicht zu weit von der Erde entfernen"
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Dr. Felix Genn ist römisch-katholischer Priester und der dritte Bischof von Essen. In dieser Funktion ist er nicht zwangsläufig Fußballfan, auch wenn im Revier sicherlich das bundesdeutsche Herz des Fußballs schlägt. Das Ruhrbistum zelebriert in diesem 2008 sein 50-jähriges Bestehen.

Ein Anlass, zu dem das Unternehmen Evonik Industries, als Global Player auch im Herzen des Potts beheimatet, dem Bistum die Austragung des „Halleluja-Cups“ schenkte. Den gewann der NRW-Ligist Wattenscheid 09, verwies Regionalligist Rot-Weiss Essen, das Bundesligateam von Borussia Dortmund und den Zweitligisten MSV Duisburg auf die weiteren Plätze. Natürlich war Bischof Genn vor Ort im Lohrheidestadion und er ließ sich auch ein wenig elektrisieren. Der Erlös der Veranstaltung wird dem neuen sozialen Projekt „Gemeinsam gegen Kinderarmut“ des Bistums Essen zur Verfügung gestellt.

Papst Johannes Paul II. ernannte den gebürtigen Burgdorfer am 4. April 2003 zum Bischof von Essen, am 6. Juli 2003 kam es zur feierlichen Amtseinführung auf dem Burgplatz. Zum Priester wurde der promovierte Theologe (patrologische Untersuchung über Augustinus - Titel: "Trinität und Amt bei Augustinus") am 11. Juli 1976 in Trier geweiht, danach war er bis 1978 Kaplan in Bad Kreuznach. Genn war von 1994 bis 1997 auch Lehrbeauftragter für Christliche Spiritualität an der Theologischen Fakultät Trier. Sein Wahlspruch lautet „Annuntiamus vobis vitam“ - „Wir verkünden euch das Leben“ und ist dem ersten Brief des Johannes entnommen.

Bischof Genn, wie steht es mit Ihren Kenntnissen des Regelwerks des Fußballs? Wenn Sie sich einmal eine absolute Niete anschauen wollen, dann schauen Sie mich einmal genau an. Seitdem ich ihm Ruhrgebiet bin, versuche ich mich dafür zu interessieren, finde es auch interessant, weil die Leute es interessant finden. Für die Leute im Revier war und ist es ja immer schon ein wichtiges Mittel der Kommunikation und der Gemeinschaftsbildung gewesen.

Beim Halleluja-Cup am letzten Wochenende war die Kirche ganz nahe an den Menschen, oder? Das war sie immer in dieser Weise. Als Schalke 04 den 100. Geburtstag feierte, gab es einen ökumenischen Gottesdienst in Buer. Der Begriff Fußballgott fällt immer wieder. Was halten Sie davon? Das finde ich auf Deutsch gesagt Quatsch. Sonst haben sie keinen, dann einen Fußballgott? Man soll gut trainieren und fair spielen, dann hat man seinen Gott. Ist Fußball nicht schon eine Religion? Was heißt Religion? Wenn man den Transzendenzbezug nimmt, ist es doch so, dass man sich im Fußball völlig auf der Erde aufhält. Der Ball soll durch die Luft fliegen, um ins Tor zu kommen, aber er sollte sich nicht zu weit von der Erde entfernen. Deshalb ist das nichts Religiöses.

Wie geht man denn mit einem geflügelten Wort wie "den Papst in der Tasche zu haben" um? Das habe ich noch nie gehört. Dann weiß man, was einem noch alles blühen kann. Vielleicht tun sie dann auch einmal den Bischof in die Tasche. Fanutensilien werden fast wie Devotionalien behandelt. Das ist schon eigenartig. Aber ernsthaft: Der Mensch benötigt etwas, was über diese Welt hinaus reicht, weil er merkt, man hat seine Sachen doch nicht im Griff.

Es gibt Stadien, die tatsächlich als Tempel bezeichnet werden. Oder als Kathedrale. Die Schalker Arena als Kathedrale des Ruhrgebiets, das muss man sich einmal vorstellen. Das besagt ja, Religion ist etwas, was den Menschen zugehörig ist. Man sagt auch, der Mensch ist unheilbar religiös. Das ist gut.

Der Sport bewegt die Massen, besonders der Fußball. Ist die Kirche involviert in die Planung von großen Turnieren wie der EM oder WM? Ich weiß nur, das Seelsorger in Gestalt von Laientheologen und auch Priester zur Verfügung stehen, die Leute bei diesen Ereignissen zu begleiten. Da ist auch bei den anstehenden Olympischen Spielen in China der Fall.

Insbesondere brasilianische Spieler sind dafür sehr bekannt, vor, während und nach dem Spiel Gott auf vielfältige Weise zu bemühen. Bringt man Gott damit nicht in Probleme, wenn in beiden Teams Brasilianer sind? Das machen zum Beispiel die Polen auch. Ich glaube Gott denkt, die Kinder sollen einfach Spaß haben.

Es geht ja immer darum, die Leute zu erreichen. Warum tritt die Kirche nicht als Sponsor eines Clubs auf? Im Moment wären wir dazu gar nicht in der Lage, weil wir selber Sponsoren für unsere Aktivitäten benötigen.

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