Mit ähnlicher Verspätung wie jener, mit der das Team von Trainer Jürgen Klopp gestern in den Flieger stieg, der die Delegation über die Alpen brachte, soll der BVB heute auch im Uefa-Cup ankommen. Und immerhin pünktlich zum Rückspiel gegen den derzeitigen Tabellendritten der Serie A das abrufen, was man zuletzt gegen den VfB zeigte: Taktisches Verständnis, defensive Ordnung und offensiven Wirbel.
Die Protagonisten, die am vergangenen Samstag den ersten Liga-Heimsieg der Saison einfuhren, sollen – dem Motto „Never change a winning Team“ folgend – nun auch gegen Udine die Kohlen aus dem Feuer holen.
Eine Ausnahme von der Regel gibt es aber voraussichtlich doch, denn Alex Frei, auch nach seiner Verletzungspause ein Muster an Effizienz, dürfte wieder von Beginn an dabei sein. Für Nelson Valdez, der gegen Stuttgart zwar wieder aufopferungsvoll rackerte, aber ohne Torerfolg blieb, hieße das zum ersten Mal in dieser Spielzeit, dass er mit einem Bankplatz vorlieb nehmen müsste.
Denn Klopp wird auch gegen die Norditaliener wieder Jakub „Kuba“ Blaszczykowski als hängende Spitze einsetzen und auf dessen Schnelligkeit bauen, dafür jedoch einen zweiten „echten“ Stürmer opfern.
Das Rezept, mit dem das Team von Trainer Pasquale Marino in die Knie gezwungen werden soll, ist klar. „Wir müssen ein frühes Tor erzielen, dann wäre das Spiel tatsächlich komplett offen“, fasst es Regisseur Tamas Hajnal kurz und bündig zusammen.
Doch mindestens genauso wichtig ist es, den Italienern aus einer gesicherten Defensive heraus zu begegnen, und ihnen nicht wieder solche Freiräume zu lassen wie noch vor zwei Wochen.
Damals erwischte die komplette Viererkette, angeführt von den völlig neben der Spur stehenden Young-Pyo Lee und Felipe Santana einen rabenschwarzen Tag. Ähnliches gilt heute als nahezu ausgeschlossen. Denn beide konnten ihre Leistung zuletzt deutlich stabilisieren. Während Lee, der eigentlich als Linksverteidiger-Ersatz für Dede verpflichtet wurde, mittlerweile Antonio Rukavina auf der rechten Seite verdrängt hat, bestätigt Santana von Spiel zu Spiel mehr die Einschätzung von BVB-Sportdirektor Michael Zorc, in Zukunft eine Verstärkung zu sein.
Doch was zählt, ist die Gegenwart – und in der müsste wohl jeder einzelne Borusse über sich hinauswachsen, um ein Ausscheiden abzuwenden und die „außergewöhnliche Sensation“ (BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke), also den Einzug in die lukrative Gruppenphase des Cup-Wettbewerbs, zu schaffen.
In Anbetracht des aufzuholenden 0:2-Rückstands scheint sogar der Griff in die große Kiste des Aberglaubens hilfreich: Statt der gewohnten Farben trägt die Klopp-Truppe heute Abend einen aggressiven und hoffentlich einschüchternd wirkenden Rot-Ton. Wenn es denn hilft...