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Positiver Dopingtest bei Etappensieger Ricco
Saunier-Duval-Team steigt aus

Tour de France: Positiver Dopingtest bei Etappensieger Ricco
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Mit dem dritten Dopingfall in sechs Tagen ist die 95. Frankreich-Rundfahrt endgültig zur Skandal-Tour verkommen und droht die letztjährige Schleife sogar noch weit in den Schatten zu stellen.

Nachdem in Riccardo Ricco (Italien) am Donnerstag der erste Mit-Favorit dieser Tour mit einem positiven Epo-Test aufflog und sein Saunier-Duval-Team daraufhin aus dem Rennen ausstieg, zittert das Peloton vor einer regelrechten Welle von Dopingfällen. Grund ist ein verbesserter Epo-Test, der die bislang unentdeckten Doping-Praktiken von Fahrern gleich reihenweise aufdecken könnte.

"Jetzt könnte es dramatisch werden. Ich gehe davon aus, dass Ricco nicht der letzte Dopingfall bleiben wird", erklärte Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer. Unter den sportlichen Leitern der verbleibenden 19 Tour-Teams habe man bereits die Vermutung geäußert, dass "eine große Anzahl von Fahrern betroffen sein könnte - und das nicht nur aus Spanien und Italien", so der 54-Jährige. Der zweimalige Etappensieger Ricco war bei einer Urin-Kontrolle nach dem Zeitfahren der vierten Etappe positiv auf das Epo-Mittel "Cera" getestet worden.

Sein spanischer Rennstall zog sofort die Konsequenzen aus dem Vorfall um seinen Kapitän, schickte die komplette Mannschaft erst gar nicht mehr an den Start der zwölften Etappe in Lavelanet und stellte bis zur Klärung des Falls den Rennbetrieb ein. Bei dem Befund soll es sich um ein Epo-Produkt der dritten Generation handeln, dessen Halbwertszeit bezüglich des Protein-Zerfalls deutlich länger als bei den bisher bekannten ist. Damit ist der Stoff entsprechend länger nachweisbar. Zudem ist das bei der diesjährigen Tour angewandte Testverfahren so verfeinert, dass auch kleinste Mengen des Produkts nachweisbar ist.

"Das habe ich bislang auch nicht gewusst. Aber als ich meinen Fahrern am Morgen davon erzählt habe, brach lauter Jubel aus", berichtete Holczer, für den der "Fall Ricco" nicht überraschend kam: "Man darf es ja kaum laut sagen, aber bei ihm haben einige etwas vermutet." Rolf Aldag, sportlicher Leiter bei T-Mobile-Nachfolger Columbia, sprach von einem Riesenschlag gegen die Tour und gegen den Radsport und zeigte sich enttäuscht, dass nun mit Ricco ein "neues Gesicht des Radsports" offenbar überführt wurde.

Ricco hatte die beiden Bergetappen in Super-Besse und Bagneres-de-Bigorre gewonnen. Der Gesamt-Zweite des diesjährigen Giro war nach der elften Etappe Neunter des Tour-Klassements und hatte das Trikot des Bergkönigs inne. Zudem hatte sein Teamkollege und Landsmann Leonardo Piepoli am Montag die erste schwere Bergankunft der Rundfahrt in Hautacam gewonnen. Saunier-Duvals sportlicher Leiter Matteo Algeri sprach von einer "Katastrophe" für das Team: "Nach all dem, was schon war, ist mir das völlig unverständlich. Ich bin absolut konsterniert", sagte der Italiener am Mittag.

Vor Ricco waren bereits der Spanier Manuel Beltran (Liquigas) und erst am Mittwoch auch dessen Landsmann Moises Duenas Nevado (Barloworld) positiv auf das gleiche Epo-Preparat getestet worden. Im Gepäck von Duenas wurden zudem bei einer Razzia in seinem Hotelzimmer zahlreiche medizinische Utensilien sowie verdächtige Substanzen sichergestellt. Dabei fanden die Fahnder auch das in Frankreich verbotene Produkt ADP. Duenas wurde von seinem Rennstall entlassen, gegen ihn wird ein Verfahren eingeleitet.

Dem Spanier drohen nun fünf Jahre Gefängnis. Im vergangenen Jahr waren der Spitzenfahrer Alexander Winokurow (Kasachstan) sowie der Italiener Cristian Moreni als Dopingsünder entlarvt worden. Zudem wurde während der Tour der Fall Patrik Sinkewitz bekannt, der vor der Rundfahrt positiv auf Testosteron getestet worden war. Im Anschluss an die Rundfahrt war auch noch der Spanier Iban Mayo und der Kasache Andrej Kaschetschkin des Dopings überführt worden.

Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Kopfschütteln aus, zeigte sich nach dem neuerlichen Dopingfall entsetzt. "Die jüngsten Dopingfälle bei der Tour de France zeigen in erschreckender Manier, dass ein Umdenken noch nicht bei allen Beteiligten stattgefunden hat. Im Gegenteil: Es wird mit Dreistigkeit weitergedopt", sagte der frühere Weltklassesfechter der Tageszeitung Die Welt, schloss Konsequenzen für das Olympische Straßenprogramm aber aus:

"Der Ausschluss der Straßenrennen aus dem olympischen Programm halte ich im Moment dennoch für keine Lösung. Das olympische Antidoping-System ist engmaschiger als je zuvor."

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