„Das passt nicht, das passt nicht“, schimpfte ESV-Torwart Christopher Ditterle nach rund einer halben Stunde. Seine Vorderleute brachten wenig zu Stande und lagen nach Jochen Höflers Abstaubertor, zuvor traf Daniel Schaffer den Pfosten, zurück (26.).
Als nach einer knappen Stunde der starke Rotschopf selbst auf 2:0 erhöhte, schien das Spiel, das anfangs gar nicht nach dem Aufeinandertreffen zweier zuletzt formstarker Mannschaften ausgesehen hatte, entschieden. „Da habe ich ehrlich gesagt innerlich schon damit gerechnet, dass wir das Spiel abgeben“, bekannte Magnus Niemöller. Selbst der Trainer der Stimberger konnte nicht ahnen, was danach noch alles passieren sollte.
Niemöllers Dreifach-Wechsel geht voll auf
Die Hammer Defensive gönnte sich eine Tiefschlafphase, in der Stefan Oerterer und Christopher Weißfloh eiskalt zuschlugen (62./64.). Erkenschwick war wieder da! Niemöller hatte schon vor dem Doppelschlag einen Dreifachwechsel vorbereitet und zog ihn trotz des Ausgleichs durch. Es sollte sich lohnen, denn vor allem Deniz Batman kreierte noch zahlreiche gefährliche Situationen, zwei davon führten auch zu Toren. „Das ist super, wenn du Qualität einwechseln kann“, freute sich Niemöller, dass sein Schachzug aufgegangen war, denn der Dreier-Wechsel war für den Linienchef der Gäste „der Schlüssel zum Erfolg“.
Sein Gegenüber hatte einen anderen Knackpunkt ausgemacht: Die Verletzung von Sefa Arslan, der nach 17 Minuten mit einem Muskelfaserriss liegen geblieben war und wenig später ausgetauscht werden musste. „Danach ging irgendwie alles schief. Wir haben unsere Ordnung verloren, alles ist irgendwie auf der Strecke geblieben“, monierte Goran Barjaktarevic.
Sobald die Ansprüche steigen, geht das eigene Ego vor
Seine „Rothosen“ sind nach zwei Siegen mit dem Hintern auf dem harten Boden der Realität gelandet. „Bei unseren Zuschauern steigen nach ein oder zwei gewonnen Spielen schon wieder die Ansprüche“, bemerkte der HSV-Coach und erkannte dabei auch eine Wirkung auf seine Spieler: „Damit steigt dann auch die Lust der Spieler, das eigene Ego nach vorne zu stellen und nicht den Erfolg der Mannschaft. Jeder will sich als der Spieler zeigen, der das Spiel entscheidet.“
Da das taktische Verhalten seiner Elf „wieder problematisch“ war, kommt Hamm einfach auf keinen grünen Zweig. Barjaktarevics Fazit, dass die Partie „zwei total verschiedene Gesichter hatte“, lässt sich auch auf die bisherige Saison beziehen.
Bei der Bilanzierung der verrückten 90 Minuten ging es Niemöller indes ähnlich. „Es war ein ganz komisches Spiel. Wir haben fast 60 Minuten lang ein katastrophales Passspiel gezeigt, aber trotzdem die besseren Chancen gehabt. Dann haben wir zurückgelegen und schließlich einen Sieg gefeiert, der uns natürlich sehr zufrieden macht. Vor allem über das Zustandekommen sind wir überglücklich.“