"Unsere Geduld hat Grenzen. Wir stehen an der Seite der FIFA. Sollte die Verbandsspitze bis Montag nicht wieder eingesetzt sein, werden wir ernste Gespräche über die Zukunft der EURO 2012 haben. Wir warten nicht länger", sagte William Gaillard als Berater von UEFA-Präsident Michel Platini: "Wir haben die EM an den nationalen Verband und nicht an die Regierung vergeben. Sollte der Verband nicht mehr im Amt sein, ist Polen nicht mehr in der Position, die EM auszurichten."
Erst in der Vorwoche waren Polen und die Ukraine trotz zahlreicher Probleme als EM-Gastgeber bestätigt worden. Die von der FIFA gesetzte Frist zur Wiedereinsetzung der entlassenen Spitze des polnischen Fußball-Verbandes PZPN hatte offenbar aber nur wenig Wirkung gezeigt. Die polnische Regierung will ihre Maßnahmen trotz der befürchteten Sanktionen durch die FIFA nicht rückgängig machen.
"Der polnische Fußball muss gesäubert werden", sagte Ministerpräsident Donald Tusk. Die FIFA hatte der Regierung jüngst eine Deadline bis zum 6. Oktober gesetzt und ansonsten mit drastischen Sanktionen gedroht. Sollten bis Montag die alten Verhältnisse nicht wieder hergestellt werden, droht die FIFA mit der Absage der WM-Qualifikationsspiele Polens gegen Tschechien (11. Oktober) und der Slowakei (15. Oktober). Beide Spiele würden dann mit 0:3 Toren gewertet. Polens Sportminister Miroslaw Drzewiecki hatte am Montag ein Schiedsgericht des Nationalen Olympischen Komitees angerufen, das die PZPN-Führung um Präsident Michal Listkiewicz nach zahlreichen Skandalen suspendiert und durch den unabhängigen Verwalter Robert Zawlocki ersetzt hatte.
FIFA und UEFA kündigten an, mit Zawlocki nicht zu kommunizieren und das Internationale Olympische Kommitee (IOC) über die Vorgänge in Polen zu informieren. Erst im vergangenen Jahr war Polen einem Ausschluss vom Weltverband knapp entgangen. Damals hatte die Regierung die Geschäftsführung des nationalen Fußball-Verbandes ebenfalls entlassen, dann aber fristgerecht wieder eingesetzt.