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Chaos in Polens Fußball ruft FIFA auf den Plan
Konsequenzen bereits angedeutet

Euro 2012: Chaos in Polens Fußball ruft FIFA auf den Plan
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Polen soll im Jahr 2012 Co-Gastgeber der Europameisterschaft sein. Dreieinhalb Jahre vor dem Event versinken die Osteuropäer aber im Chaos. Die Absetzung der Führung des polnischen Fußball-Verbandes PZPN durch ein von der Regierung angerufenes Schiedsgericht am Montag bedeutete nicht nur ein Rückschlag bei den Vorbereitungen auf die Endrunde, sondern rief am Dienstag zudem den Weltverband FIFA auf den Plan.

Möglicherweise drohen dem Land nur wenige Tage, nachdem die Europäische Fußball-Union (UEFA) Polen bei den Planungen eine Gnadenfrist gewährt hatte, drastische Strafen.

Die FIFA wollte sich nach der nach ihrer Satzung verbotenen Einmischung der Politik in die Verbandsarbeit am Dienstag zunächst nicht äußern, verwies aber auf eine Erklärung, die noch am selben Tag folgen sollte. UEFA-Mediendirektor William Gaillard deutete bereits Konsequenzen an: "Das ist alles nicht sehr glücklich in Bezug auf die Durchführung der EURO 2012. Bei solchen Einmischungen in den Sport hat der Weltverband FIFA schon häufig Sanktionen verhängt", sagte der Berater von UEFA-Präsident Michel Platini. Erst im vergangenen Jahr war Polen einem Ausschluss vom Weltverband knapp entgangen. Damals hatte die Regierung die Geschäftsführung des nationalen Fußball-Verbandes ebenfalls entlassen, dann aber fristgerecht wieder eingesetzt.

"Ich habe keine Angst vor einer Wiederholung der Situation. Mein Vorgänger hat einen neuen Geschäftsführer eingesetzt, ich habe einen Antrag an das Schiedsgericht gestellt", erklärte Polens Sportminister Miroslaw Drzewiecki. Das Gericht hatte die PZPN-Führung um Präsident Michal Listkiewicz nach zahlreichen Skandalen suspendiert und durch den unabhängigen Verwalter Robert Zawlocki ersetzt. In Polen waren mehrere Erstligisten allein in der vergangenen Saison wegen Manipulation zum Zwangsabstieg verurteilt worden. Letztlich musste sogar der Ligastart kurzfristig verschoben werden. "Der Verband wollte uns austricksen, indem er die EURO 2012 als Schutzschild benutzte", verteidigte Drzewiecki die Maßnahme. Und Zawlocki erklärte: "Es herrscht regelrechtes Chaos im Herzen des Verbandes. Es wurden permanent Gesetze übertreten." Zudem kündigte der Übergangsverwalter an, dass die für den 30. Oktober vorgesehene Jahreshauptversammlung, bei der Verbandswahlen geplant waren, abgesagt wurde.

Erst am vergangenen Freitag hatte die UEFA entschieden, den EM-Gastgebern Polen und Ukraine trotz zahlreicher Probleme bei den Vorbereitungen eine weitere Chance einzuräumen. "Wir haben UEFA-Präsident Michel Platini in einem Brief versichert, dass die Vorbereitung auf die EM 2012 darunter nicht leiden wird. Die EURO ist in vier Jahren, und wir werden alles rechtzeitig vorbereiten", meinte Drzewiecki. Der Sportminister gab auch bekannt, dass Ex-PZPN-Präsident Listkiewicz pikanterweise weiter für die Vorbereitungen der EM zuständig sei.

Derweil könnte es auch in der Ukraine zu einer ähnlichen Entwicklung kommen. Die ukrainische Regierung erklärte die EM 2012 zur Chefsache. Der stellvertretende Premierminister Iwan Wasjunik sagte, dass die Vorbereitungen bald unter die direkte Verantwortung von Präsident und Premierminister gestellt würden.

Im Zeitplan für den Bau oder Umbau der Stadien, Straßen, Hotels und Flughäfen hinken die beiden Gastgeber hinterher. Möglicherweise wird sogar die Zahl der EM-Stadien von acht auf sechs reduziert.

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