RevierSport hat einige Tage nach dem 0:2 gegen Rödinghausen mit RWE-Sportchef Jörn Nowak gesprochen. Der 33-Jährige betont, dass Rot-Weiss Essen trotz des Rückschlags eine starke Saison spielt - legt den Finger aber auch in die Wunde und spricht offen über die schlechte Heimbilanz. Trotzdem: Nowak macht den RWE-Fans noch Hoffnung, was den Aufstiegstraum angeht.
Jörn Nowak, haben Sie die Enttäuschung des 0:2 gegen Rödinghausen schon gänzlich verarbeiten können?
Wir sind natürlich alle enttäuscht. Wir haben gegenüber Rödinghausen ein Chancenplus gehabt. Leider zieht sich unsere schlechte Chancenverwertung wie ein roter Faden durch die Saison. Die Effizienz entscheidet meistens Spitzenspiele - so war das auch gegen Rödinghausen. Aber wir blicken jetzt nach vorne und wollen es in Zukunft besser machen. Wir werden uns jetzt nicht einigeln und in Selbstmitleid verfallen. Wir werden wieder aufstehen - jetzt erst recht!
Nochmal zurück zum Rödinghausen-Spiel: Waren Sie denn mit der Mannschaft bis auf die mangelnde Chancenverwertung zufrieden?
Ich hätte mir gewünscht, dass wir auf das 0:1 anders reagieren. Es ist uns in dieser Saison schon oft gelungen auf Rückschläge die richtigen Antworten zu finden - vor allem in den Heimspielen. Gegen Rödinghausen war das leider nicht der Fall. Nach beiden Gegentoren war für einige Minuten eine gewisse Schockstarre zu spüren. In solchen Momenten verlange ich von der Mannschaft einfach, dass sie weiter an sich und die eigenen Qualitäten glaubt. Ich hoffe, dass uns das eine Lehre war und eine absolute Ausnahme. Denn wir dürfen nie den Anschein erwecken, dass ein Spiel schon verloren ist, bevor der Schiedsrichter abpfeift.
Die Fans haben offenbar immer an das Team geglaubt - auch nach dem Spiel gab es keine Pfiffe. Das war in Essen schon einmal anders... Die Mannschaft hat den Fans in dieser Saison schon einige schöne Momente geschenkt. Da ist etwas zusammengewachsen. Trotz der zu vielen Heimniederlagen sind die Fans auch gegen Rödinghausen nach dem 0:1 vorangegangen und haben uns zurück ins Spiel getragen. Das ist schon sensationell. Auf diese Reaktion bin ich auch als Sportdirektor stolz. Trotzdem: Jetzt ist die Mannschaft in der Verantwortung, um den Fans wieder etwas zurückzugeben - allen voran in den Heimspielen in Form von Siegen.
In der [url=/fussball/regionalligawest-1920-spieltag-23.html#heim]Heimtabelle[/url] liegt RWE noch auf Platz zehn, im Auswärts-Tableau auf Rang zwei. Ist RWE heimschwach? Vier Heimniederlagen sind definitiv zu viel. Ich lasse aber nicht zu, dass wir uns eine Heimschwäche einreden. Wir haben die ersten fünf Pflichtspiele daheim gewonnen und da wurde schon von einer Festung Hafenstraße gesprochen. Alle Niederlagen, die wir zuhause kassiert haben, muss man gesondert betrachten. Die Niederlage, die uns am meisten geschmerzt hat, ist die gegen Homberg. Die tut immer noch weh und die Punkte fehlen - das ist glasklar.
Enrico Maaßen, Rödinghausens Trainer, sieht das anders. [article=469488]Er sagt, dass die Hafenstraße für RWE ein Nachteil sei[/article]... Wenn ein gegnerischer Trainer behauptet, dass die Hafenstraße für RWE ein Nachteil sei, dann kann ich darüber nur schmunzeln. Der Regionalligaspieler, der es nicht geil findet, alle 14 Tage in diesem Stadion und für diese Zuschauer zu spielen, der hat wirklich seinen Beruf als Fußballer verfehlt. Demjenigen kann ich dann auch nicht mehr helfen. Aber solche Jungs gibt es bei uns im Kader auch nicht. Alle Spieler, mit denen wir vor der Saison die Gespräche geführt haben, hatten immer ein Leuchten in den Augen, wenn sie an die Heimspiele gedacht haben.
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Ist die Mannschaft zu unerfahren, um eine Heimstärke zu entwickeln?
Die Heimspiele gehören auch zum Entwicklungsprozess. Wir haben am Samstag mit fünf U23-Spielern begonnen, später sind noch zwei U23-Akteure eingewechselt worden. Das spielt schon eine Rolle und gehört zum Erfahrungs- und Entwicklungspotential. Trotzdem: Wir müssen und werden noch mehr daran arbeiten, um unsere Heimspiele zu gewinnen. Das hat Priorität. Wir haben schon so viele schöne Momente in den Heimspielen erlebt und sind deshalb alle gefordert, daran zu arbeiten, wieder eine Heimmacht zu werden. Dementsprechend müssen wir dem Gegner auf dem Platz die Antwort geben, mit der entsprechenden Ausstrahlung und Überzeugung.
Die jüngsten Heimniederlagen müssen doppelt wehtun: [article=469496]Mittlerweile feiern die Gegner ausgelassen und teils respektlos ihre Siege in Essen[/article]. Wie gehen Sie damit um?
Das zeigt doch auch wieder, was für eine große Bedeutung Siege in Essen für die Vereine haben. Das ist dann alles überschwänglich und vielleicht ein wenig übertrieben. Aber nochmal: Wenn wir dem Gegner die Möglichkeit geben, an der Hafenstraße zu feiern, dann haben wir vorher auf dem Rasen etwas falsch gemacht.
Glauben Sie noch an den Aufstieg? Wer in der jetzigen Situation nicht den Glauben und Willen entwickelt, da oben noch einmal angreifen zu wollen, der hat auch kein Kämpfer- und Sportlerherz. Wir haben nach 20 Spielen einen Punkte-Schnitt, der über zwei Zählern pro Partie liegt. Dass da Mannschaften sind, die konstanter als wir punkten, verdient hohe Anerkennung. Trotzdem wollen wir diese Mannschaften noch einholen. Das geht aber nur, wenn wir schleunigst wieder eine Serie hinlegen wie zu Saisonbeginn - und: insbesondere unsere acht Heimspiele bis zum Saisonende gewinnen.
Trotzdem: Der Blick auf die Tabelle ist aus RWE-Sicht sicherlich nicht positiv? Wir haben jetzt noch gute zehn Tage Zeit uns auf das nächste Highlight vorzubereiten. Dann kommt Rot-Weiß Oberhausen zum Derby. Natürlich gefällt uns das aktuelle Tabellenbild nicht und Ende Februar könnte es noch ungünstiger aussehen. Denn wir haben in diesem Monat nur noch zwei Spiele. Die Konkurrenten dagegen bis zu vier Partien. Aber das wird uns nicht davon abhalten, bis zum Saisonende Vollgas zu geben, um den Rückstand noch aufzuholen. Wir alle im Verein glauben fest daran.