22.01.2018

Schalke

Max Meyer kann jetzt bestens pokern

Foto: firo

Auch Max Meyers Vertrag bei Schalke 04 läuft aus. Sportchef Christian Heidel hat es dadurch schwer. Der Verein darf nach Leon Goretzka nicht noch einen wichtigen Spieler verlieren.

Am Montag gratulierte der FC Schalke 04 zwei Ehemaligen zum Geburtstag. Jörg Böhme wurde 44 Jahre alt, Lincoln 39. Die beiden Ex-Profis waren jeweils mal Vizemeister mit den Königsblauen geworden: Böhme, der deutsche Nationalspieler, im auf Schalke unvergessen grausamen Jahr 2001, der Brasilianer Lincoln 2007. Es waren die Jahre der verpassten Chancen. Erinnerungen, die man nie los wird. Auch deshalb sehnt sich das traditionell eher aufgewühlte Schalke nach Erfolgen, nach Kontinuität, nach Ruhe.

In dieser Saison mischt Schalke wieder oben mit, deshalb kam das Theater um den Wechsel von Leon Goretzka zum FC Bayern zur Unzeit. Und das 1:1 am Sonntag gegen Hannover war auch nicht dazu angetan, das Grummeln zu verscheuchen. Noch wartet Schalke auf den ersten Rückrundensieg.

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Max Meyer hat sofort begriffen, was das für die Spieler bedeutet. „Besser machen“ forderte er vehement mit Blick auf das Auswärtsspiel am Samstag in Stuttgart. Meyer, der in dieser Saison eine überraschende Wandlung vom dribbelnden Spielgestalter zum kämpfenden Strategen vollzog, ist der Mann, auf den jetzt alle Schalker schauen. Goretzka wird gehen – was wird aus Meyer?

Auch bei Meyer, wie Goretzka 22 Jahre jung und als gebürtiger Oberhausener wie der Bochumer ein Kind des Ruhrgebiets, läuft der Vertrag zum Saisonende aus. Bisher lenkte das Goretzka-Gerangel ein wenig von Meyers Lage ab, nun aber rückt er aus dem Schatten ins Scheinwerferlicht. Ein erstes Angebot zur Vertragsverlängerung hatte er im Sommer, als ihm noch nicht die Wertschätzung dieser Tage zuteil wurde, abgelehnt. Ein zweites ist ausgearbeitet, Verhandlungen stehen aus. Und in diesen Verhandlungen werden Max Meyer und sein Berater Thorsten Weck alle Trümpfe in der Hand haben.

Schließlich haben die Schalker Chefs oft genug betont, beim Werben um Leon Goretzka finanziell bis an die Grenzen des Möglichen gegangen zu sein. Für Meyer heißt das: Jetzt ist also Geld übrig. Und wenn nicht, wäre ja auch ein Abschied von Schalke denkbar.

Nach der Entscheidung von Goretzka drängt bereits die Zeit. Schalkes Sportvorstand Christian Heidel gerät im Fall Meyer unter Druck, ohne die Macht zu haben. Heidel kann den Spieler nicht zum Bleiben zwingen. Er kann ihm allenfalls eine Zukunft auf Schalke schmackhaft machen. Bei Berufsfußballern drückt sich Zuneigung bekanntlich in Zahlen aus.

Aufsichtsratschef Clemens Tönnies sagte am Sonntag bei Sky unmissverständlich: „Da ist jetzt Christian Heidel gefragt.“ Heidel aber wehrt sich dagegen, seine Arbeit danach bewerten zu lassen, ob Spieler wie Goretzka oder Meyer ihre Verträge verlängern. „Das hat doch nichts mit mir zu tun“, sagt er. „Wenn es Max ums Wirtschaftliche geht und die Aussage so steht, dann muss ich sagen: Max bleibt hundertprozentig. Dann muss nur Schalke 04 einem solchen Vertrag zustimmen.“

Zum Stand will sich Heidel nicht äußern: „Von einem neuen Angebot werden Sie von mir nichts hören.“ Max Meyer gibt sich im Wissen um seine gute Verhandlungsposition gelassen. Von einem neuen Angebot habe er noch keine Kenntnis: „Mein Berater hat mich noch nicht informiert.“ Der Mittelfeldspieler geht davon aus, dass sich bis Ende März etwas tun wird.

Ein wichtiges Kriterium, das für Schalke spricht, ist Max Meyers Zufriedenheit. Trainer Domenico Tedesco hat ihn aufgewertet, Meyer schwärmt: „Jeder fühlt sich wohl unter ihm. Ich habe volles Vertrauen in ihn. Der Trainer kann bei meiner Entscheidung einen ganz entscheidenden Anteil haben.“

Dann aber sagt Meyer noch einen Satz, der aufhorchen lässt: „Mir ist wichtig, dass die Entwicklung hier vorangeht.“ Ähnlich hatte sich Leon Goretzka geäußert, bevor er sich doch für die Bayern entschied. Die Erklärung lieferte Goretzka jetzt nach: „Ich möchte hier nicht die Euphorie bremsen, der Weg geht in die richtige Richtung. Aber wenn man das rationalisiert, sind wir vor dem Spiel gegen Hannover auch nur einen Sieg vom neunten Platz entfernt gewesen.“

Das klingt nicht schön für Schalker. Aber es ist die Wahrheit.

Autor: Thomas Tartemann, Peter Müller

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