20.04.2018

RWE-Interview

Neitzel über Kaderplanung und U19

Foto: Stefan Rittershaus

Die Saison befindet sich im Endspurt, die Kaderplanung bei Rot-Weiss Essen für die neue Saison läuft auch schon auf Hochtouren.

In Teil zwei des großen Interviews mit RWE-Trainer Karsten Neitzel spricht er über die Kaderplanung, welche Rolle die U19 in den Überlegungen spielt und die Kooperation mit dem ETB Schwarz-Weiß.

Wie stark schätzen Sie die Mannschaft ein? Ist Sie wirklich besser, als es der Tabellenplatz aussagt?
Davon bin ich überzeugt. Aber wir müssen es alle zusammen hinbekommen, diese Qualität konstant auf den Platz zu bekommen.

Mit der Spielvereinigung Elversberg kennen Sie ein Spitzenteam der Regionalliga Südwest. Was fehlt RWE bis dahin?
Da würde ich keine Vergleiche ziehen. Für mich war bisher auffällig, dass in vielen Dingen nur Nuancen fehlen. Es gab Situationen, in denen wir mental kurz ausgestiegen sind, zum Beispiel mit dem Schiedsrichter diskutieren, anstatt den Gegenspieler im Blick zu behalten. Wir müssen noch härter in Defensive oder Offensive umschalten. Das kostet mehr Körner und mehr Kraft und es ist anspruchsvoller für die Spieler, Situationen richtig einzuschätzen. Der Chef auf dem Platz ist nun einmal die Spielsituation.

Was heißt das genau?
Die Spielsituation entscheidet, wie gespielt wird. Weder der Kapitän, noch der Zehner, Beckenbauer, der Libero oder der älteste Spieler entscheidet das. Wir müssen das Bewusstsein bei den Spielern schärfen, dass sie erkennen, welche Lösungsmöglichkeiten sie anwenden müssen. Da treffen wir noch zu oft die falsche Entscheidung. Das sieht man dann auch von der Tribüne aus besser. Doch das hat nichts damit zu tun, dass jemand zu faul ist oder ein Spieler nicht zu RWE passt. Man muss mental in der Lage sein, schnell umzuschalten.

Dass zu oft die falschen Entscheidungen getroffen werden, war schon unter Sven Demandt und Argirios Giannikis Thema. Woran liegt so etwas?
Das kann verschiedene Gründe haben. Es ist ein Unterschied, ob man das im Training abrufen kann oder mit mehr Druck beim Punktspiel abrufen muss. Je öfter jemand die richtigen Entscheidungen trifft, desto höher ist seine Qualität. Egal ob in der Defensive oder der Offensive. Jeder hier hat die Qualität, aber er muss sie abrufen können. Der nächste Schritt wäre, das auch zum Nebenmann zu transportieren.

Neun Verträge laufen am Saisonende aus. Wie viel wird im Sommer passieren?
Das werden wir sehen. Frisches Blut tut immer gut, das ist keine Frage. Jede Transferperiode ist dazu da, mit bestem Wissen den Kader stärker zu machen. Aber es muss natürlich auch in den wirtschaftlichen Rahmen passen.

Welche Gedanken spielen darin die Spieler aus der U19?
Bisher habe ich leider noch kein Spiel unserer U19 sehen können. Aber wir haben mit Simon Skuppin und Nicolas Hirschberger zwei Spieler regelmäßig im Training. Die Jungs sind schon bei uns im Kopf. Wenn es qualitätsmäßig Sinn macht, dass die Jungs auch ans Spielen kommen, sollte man versuchen, zwei, drei Kaderplätze an die eigene Jugend zu vergeben. Aber nochmal: entscheidend ist, dass es leistungsmäßig Sinn macht.

Und wenn das nicht auf Anhieb klappt: Ergibt dann die Kooperation mit dem ETB Sinn? 
Die Oberliga ist eine gute Spielklasse, wenn man aus der zweithöchsten Jugendliga kommt. Da muss man sich auch erst einmal durchsetzen und in diesem Alter ist es elementar zu spielen. Du kommst schließlich zum ersten Mal in die Situation gegen 32-jährige Böcke zu spielen. Da darfst du aber auch nicht überfordert sein und auch nicht unterfordert. Diese Denke würde ich mir auch von Beratern mehr wünschen. Sonst verlierst du zu viel Zeit und das ist nur schwierig wieder aufzuholen. Der Druck der Prämie, die Zuschauer - so etwas kannst du nicht durch Testspiele ersetzen. 

Ist es da auch kein Problem, dass die Oberliga eine reine Amateurliga ist, während RWE unter Profibedingungen arbeitet?
Da gibt es ja auch Abmachungen, dass wenn ein Jugendspieler zum ETB geht, er trotzdem bei uns trainieren kann. Das würde ich nicht so tragisch sehen. Wichtig ist, dass die Jungs spielen, dann entwickeln sie sich weiter, unabhängig von dem, was der Trainer erzählt.

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