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Chinesen bereiten Boll euphorischen Empfang
Tischtennis-Star wie ein Popstar gefeiert

Olympia: Chinesen bereiten Boll euphorischen Empfang
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Damit hatte Timo Boll nun wirklich nicht gerechnet. Als der Tischtennis-Europameister nach neunstündigem Flug sein Gepäck langsam durch die Ankunftshalle schob, rieb er sich verwundert die müden Augen. Dutzende Fans feierten ihn mit "Timo, Timo"-Rufen wie einen Popstar. Die Polizei beschützte den Tischtennis-Europameister nach Leibeskräften, und sogar der Sportdirektor half als Bodyguard aus.

In einer Menschentraube bahnte sich Boll schließlich den Weg aus dem Flughafen Pekings und stieg in den Bus, der ihn ins Olympische Dorf brachte.

"Hoffentlich verletzt sich keiner der Polizisten. Da wird einem schon ein wenig mulmig, wenn man sieht, was hier los ist", meinte Boll. Die Beamten schirmten die deutsche Medaillenhoffnung so gut es ging ab, während DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig mit dem Gepäckwagen voran für einigermaßen freie Fahrt sorgte.

Gefeiert wie ein Popstar: Timo Boll. (Foto: firo)

Boll blieb trotz des Reisestress gelassen, schrieb Autogramme und ließ sich mit einigen Fans fotografieren. "Ich möchte mal wie Timo werden", sagte der 13-jährige Lu Zhi Yuan und präsentierte sein Boll-Autogramm stolz wie Oskar. Student Zhu Lu Wei harrte für ein Foto mit Boll Stunden am Flughafen aus hofft sogar, "dass er Gold gewinnt".

Sein Held aus Deutschland machte Zhu schon ein wenig Hoffnung auf ein großes Turnier. "Ich bin absolut fit für Olympia. Und ich erwarte von den Fans die gleiche Euphorie, die sie hier bei der Ankunft zeigen", erklärte die Nummer sechs der Welt.

Boll wird in der Tischtennis-Nation Nummer eins als Superstar verehrt. Chinesische Spieler und Medien stufen den 27-Jährigen als größte Gefahr im Kampf um die Medaillen ein. Über 50 einheimische Journalisten wichen Boll keinen Zentimeter von der Seite, hielten ihm arglos Kameras vor die Nase und redeten auf ihn ein. Boll wird aufgrund seiner Popularität die meiste Zeit in Peking im Olympischen Dorf verbringen, ein Ausflug zur Chinesischen Mauer oder ein Wettkampfbesuch würde wohl zu ähnlich hysterischen Szenen wie im Terminal 3 des Beijing Capital International Airport führen.

Deshalb setzt das Team des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) im Dorf auf Wohlfühlatmosphäre. Männer-Bundestrainer Richard Prause hat eigens eine Espressomaschine eingepackt, und ein Beamer wurde bereits vorher per Post verschickt. "Wir sind alle Filmfreaks. Zwischen den Trainingseinheiten und Wettkämpfen wollen wir uns ja wohlfühlen", erklärte Boll. Doppel-Europameister Christian Süß bestätigte: "Timo hat jede Menge Filme im Gepäck." Schon kurz nach dem Auspacken stand für Boll und Co. die erste Trainingseinheit auf dem Programm. In den kommenden Tagen wird zweimal pro Tag trainiert, davon einmal in der Wettkampfstätte.

An touristische Ausflüge ist nicht zu denken, lediglich die Eröffnungsfeier dürfte für ein wenig Abwechslung sorgen. Boll selbst ist bei seiner dritten Olympia-Teilnahme erstmals dabei und auch mit der Wahl des Fahnenträgers rundum zufrieden: "Ich bin ja selbst Fan von Dirk Nowitzki." Doch beim Einmarsch des deutschen Teams werden die meisten chinesischen Augen sicher auf den deutlich kleineren Herrn Boll gerichtet sein.

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