Vor fünf Jahren arbeitete Simanowski als Kinderkrankenpflegerin und war auch sportlich aktiv und erfolgreich. Leichtathletik war ihre große Leidenschaft: Mit 22 Jahren errang sie unter anderem zwei Vize-Landesmeistertitel. Aber dann kam ein Tag, der alles änderte. Am 20. Juni 2003 wurde die Sportlerin in München auf offener Straße von einem psychisch Kranken angegriffen, der sie mit einem Messer schwer verletzte. Die Folgen: Das Rückenmark wurde verletzt, Simanowski war fortan „inkomplett querschnittgelähmt“ und zwischenzeitlich drohte ihr, für immer an den Rollstuhl gefesselt zu sein. Auf ihrer Homepage (www.nataliesimanowski.de) berichtet sie freimütig darüber, geht offen mit ihrer Behinderung um.
Simanowski ließ sich von dem Rückschlag nicht umwerfen und wollte weiterhin sportlich aktiv sein. Sie machte weiter: Zunächst mit dem Laufsport, der sie allerdings körperlich immer mehr belastete, sodass sie zum Radsport überging. Das macht sie jetzt so erfolgreich, dass eine paralympische Medaille keine Utopie ist. Simanowski selbst lässt bei dem Thema gar keine Zweifel aufkommen: „Ich gehe stark davon aus, dass ich eine Medaille gewinnen werde, denn das ist und bleibt ja mein Ziel. Solange ich es auf das Podium schaffe, bin ich zufrieden mit meiner Leistung.“ Dem olympischen Motto „Dabei sein ist alles“ steht für sie der persönliche Ehrgeiz vor: „Ich erwarte viel Spaß in Peking, aber der Erfolg steht bei solch einer Teilnahme natürlich im Vordergrund.“
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In der Kategorie „T44“, die „Unterschenkelamputierte und ihnen Gleichgestellte“ umfasst, wird die 30-Jährige im Behindertensport geführt. Beim Rollstuhlbasketball, den sie zum Ausgleich besonders in den Wintermonaten betreibt, gilt sie dennoch als „Fußgänger“, da sie den Rollstuhl nur gelegentlich im Alltagsleben benötigt. Anders als die Schienen an den Unterschenkeln, ohne die sie keine Stabilität hätte, da sie kein Gefühl in den Beinen mehr hat. „Manche sagen, wenn sie mich sehen 'Hey das ist ja unfair, die fährt doch gegen Beinamputierte und hat selber zwei gesunde Beine!', dabei haben die Bein- oder Teilamputierten wenigstens noch einen zum Teil funktionierenden Bewegungsapparat, was ich aufgrund der Lähmung nicht habe. Die Klasse, in der ich fahre, ist deshalb die richtige für mich“, schildert Simanowski ihre Meinung zur Einstufung.
Ihre Leidenschaft und Energie will Simanowski neben den eigenen sportlichen Zielen auch dazu nutzen, anderen Behinderten Mut zu machen und sie zu motivieren, selbst aktiv zu werden. In ihrem Internetauftritt gibt sie daher den Lesern ihr Motto auf den Weg: „Auf jede Niederlage kann ein Sieg folgen, aber auf jeden Sieg auch eine Niederlage“.