Allerdings könnte sich die Mission für Federer ausdehnen, denn dem Turnier in Flushing Meadows droht eine Verlängerung bis Montag. Wegen der schlechten Wettervorhersage für Samstag mit starken Regenfällen und Sturmböen hat der Veranstalter einen Notfall-Plan ausgearbeitet, der die Austragung des Männer-Finals für Montag vorsieht.
Zuletzt waren die US Open 1987 mit einem Tag Verspätung beendet worden. Unbeeindruckt von dem Wetterchaos baute Federer vor dem Halbfinal-Duell mit Novak Djokovic (Serbien) seinen Rekord auf nunmehr 18 Grand-Slam-Halbfinals in Folge aus. "Darauf bin ich schon sehr stolz. Es ist Zeichen einer unglaublichen Konstanz", meinte der Weltranglisten-Zweite, der nur durch seinen fünften Erfolg in New York eine bislang enttäuschende Saison noch retten könnte. Sein bis dato letztes Grand-Slam-Turnier gewann Federer genau vor einem Jahr an gleicher Stelle.
Den zweiten Finalisten ermitteln Wimbledon- und Olympiasieger Rafael Nadal (Spanien) und der Brite Andy Murray. In einer Neuauflage des letztjährigen Endspiels am Samstag gegen Djokovic kann sich Federer der Unterstützung der 23.700 Zuschauer im ausverkauften Arthur-Ashe-Stadium gewiss sein, und das spätestens seit Donnerstagabend um 23.10 Uhr. Da verabschiedeten die Fans den Weltranglisten-Dritten Djokovic nach seinem 6:2, 6:3, 3:6, 7:6 (7:5) gegen Lokalmatador Andy Roddick (USA) mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Katakomben.
Der Serbe hatte sich zuvor via Stadionmikrofon gegen die Vorwürfe Roddicks gewehrt, er sei ein Simulant und würde sich während der Spiele ständig behandeln lassen. "Andy hat gesagt, ich hätte 16 Verletzungen. Das ist nicht so, ich täusche nichts vor. Das sollt auch ihr wissen", rief der aufgebrachte Djokovic ins weite Rund und schob trotzig hinterher: "Der Sieg gegen Andy, in seiner Stadt, vor seinem Publikum, das war ein großer Erfolg für mich."
Obwohl Djokovic das Halbfinale der Australian Open im Januar gegen Federer in drei Sätzen gewann, schiebt er der entthronten Nummer eins die Favoritenrolle zu. "Absolut, Roger ist ein großer Spieler. Für ihn ist es eine enorme Herausforderung, denn er will so schnell wie möglich wieder zurück an die Spitze der Weltrangliste", erklärte der 21-Jährige, vor dem Federer ungeachtet seiner positiven Bilanz im direkten Vergleich (6:2 Siege) enormen Respekt hat: "Novak ist vielleicht der beste Spieler der diesjährigen Hartplatzsaison. Es wird ein ganz hartes Match."
Am Sonntag im Endspiel könnte dann auf Federer wieder einmal Erzrivale Nadal warten, der bislang alle fünf Duelle gegen seinen Halbfinalgegner Murray gewonnen hat. Nach dem verlorenen Finale in Wimbledon will Federer jetzt die Revanche in seiner "Festung" New York. "Es ist immer ein Vorteil, wenn man die US Open schon einmal gewonnen hat. Diese Erfahrung habe ich Rafa voraus, und das macht vielleicht den Unterschied", meinte Federer, der vor dem Halbfinale einen Tag weniger Vorbereitungszeit als der Spanier hatte.
Dafür musste Nadal bei seinem Viertelfinalsieg gegen Mardy Fish (USA) eine Nachtschicht einlegen und bis 2.10 Uhr morgens spielen. "Das war schon eine Belastung. Aber meine Motivation ist so hoch, dass ich das verdränge", sagte der Weltranglistenerste. Sein Halbfinalgegner Murray richtete bereits eine Kampfansage an Nadal. "Ich will nicht in der Runde der letzten Vier ausscheiden. Ich will versuchen, das Turnier zu gewinnen", sagte der Schotte, den ein besonderes Verhältnis zu Nadal auszeichnet.
Ausgerechnet der Olympiasieger hatte den damals 15-jährigen Murray vor sechs Jahren überredet, nach Barcelona zu ziehen, um sich dort in einem Trainingszentrum für die Profitour zu rüsten. Die Veranstalter indes haben wegen des schlechten Wetters einen Plan B entwickelt. Dieser sieht vor, dass im Falle einer kompletten Streichung des "Super Saturday" am Sonntagmittag zunächst die beiden Männer-Halbfinals und danach in der Primetime das Frauen-Finale ausgespielt werden.