Einen spannenderes Fußball-Drama hätte sich wohl auch der beste Drehbuch-Autor nicht ausdenken können: Im Vorjahr zitterte der ASC 09 Dortmund buchstäblich bis zur letzten Sekunde um den Klassenerhalt, konnte das rettende Ufer aus eigener Kraft gar nicht mehr erreichen. Doch am letzten Spieltag siegten die Dortmunder und die Konkurrenz patzte: So verhinderte am Ende das bessere Torverhältnis den Gang in die Verbandsliga.
Rund vier Monate später könnte sich kein gegensätzlicheres Bild bieten. Nach acht Partien stehen die Westfalen phänomenal an der Spitze der Oberliga. Zum Saisonauftakt kassierten die 09er eine 1:4-Pleite beim FC Brünninghausen - es blieb der einzige Auftritt ohne Punkte. Doch auch sieben Partien ohne Niederlage schafften es nicht, den Fast-Abstieg im Vorjahr aus Samir Habibovics Gedächtnis zu verdrängen. "Letztes Jahr hat jeder damit gerechnet, dass wir absteigen", so Habibovic, Sportlicher Leiter beim ASC. "Nach der Hinrunde hatten wir gerade mal 13 Punkte auf dem Konto", erinnert er sich. Zum Vergleich: In dieser Spielzeit sammelten die Dortmunder bereits 19 Punkte. Auch wenn der Blick auf die Tabelle momentan "ein Top-Gefühl" sei, habe sich am Saisonziel dennoch nichts geändert, so Habibovic: "Wir wollen nichts mit dem Abstieg zutun haben."
Ligaverbleib weiterhin das Saisonziel
Was klingt wie pure Tiefstapelei, meint der Sportchef jedoch todernst. Wie aus der Pistole geschossen weiß er, wie viel Punkte der Abstand auf die Abstiegsränge beträgt. 40 Punkte würden den Ligaverbleib wohl garantieren. Solange man diese nicht erreiche, will der ASC keine Korrekturen an seinen Zielen vornehmen.
Knüpft das Team von Trainer Adrian Alipour in den kommenden Wochen an ihre momentane Gala-Form an, sichern die Dortmunder die Klasse sogar wohlmöglich noch vor der Winterpause. Das sieht Habibovic anders. "Unsere Siegesserie ist doch nur eine Momentaufnahme", relativiert er. "Wir werden im Laufe der Saison sicherlich auch Rückschläge hinnehmen müssen." Den Grund dafür sieht der sportliche Leiter vor allem im Durchschnittsalter des Teams. Beim ASC kicke die jüngste Mannschaft der Liga, "allein drei von vier Jungs in unserer Viererkette sind unter 20 Jahre alt."
Sportchef Habibovic zufrieden mit Sommer-Transfers
Insgesamt kommen sieben der zehn Sommer-Neuzugänge aus dem Jugendbereich, sie schnuppern in dieser Saison erstmals Senioren-Luft. Die mangelnde Erfahrung sei aber kein Nachteil: "Die Jungs sind richtig geil aufs Zocken und wollen immer mehr", lobt Habibovic. Sorgen, dass seine Jungspunde bei dem aktuellen Höhenflug abheben, hat er keine. Das ganze Team sei "sehr bodenständig. Alle wissen, wie sie die Situation einzuschätzen haben."
Apropos bodenständig: Am Wochenende gastiert der ASC zum Top-Spiel beim Tabellendritten TuS Haltern (Sonntag, 15 Uhr). Bei einem Punktverlust müssten sich Dortmunder wohl von der Tabellenführung verabschieden. Sportchef Habibovic lässt sich dennoch keine Kampfansage entlocken: "Die TuS ist eins der besten Teams in der Liga. Wenn wir da einen Punkt mitnehmen, ist alles gut." Wenn die Westfalen den Auftrieb der letzten Wochen nutzen, stehen die Chancen aber auch nicht schlecht, mehr als nur einen Punkt aus Haltern zu entführen.
Und wer weiß: Wenn der ASC 09 in Zukunft so weiter siegt, gibt es am Saisonende wohlmöglich eine Fortsetzung des Drehbuchs.