Dass der Titelverteidiger am vergangenen Samstag erstmals nach sechs Jahren im Supercup gegen Pokalsieger und Vizemeister Bordeaux wieder verlor, wenn auch nur im Elfmeterschießen, wird von der Konkurrenz des Top-Favoriten als gutes Omen gewertet. Dennoch meinte Girondins-Trainer Laurent Blanc: "Für mich bleibt Lyon der klare Favorit." In der Sommerpause haben die Vereine mächtig investiert, um ihre Ziele zu erreichen. Die Preise auf dem Transfermarkt sind für französische Verhältnisse regelrecht explodiert. Marseille überwies 9 Millionen Euro für Bakary Kone an OGC Nizza, Lyon 14 Millionen für Jean II Makoun an OSC Lille und weitere 7,5 Millionen für Miralem Prjaric, der bislang erst 32 Spiele in der 1. Liga absolviert hat, an den FC Metz. Lyons Präsident Jean Michel Aulas, der insgesamt knapp 43 Millionen Euro für Transfers bewilligte, wehrte sich angesichts solcher Investitionen dagegen, als Preistreiber beschimpft zu werden. Er wies darauf hin, dass es schließlich sein Verein sei, der den anderen Klubs die Kassen fülle.
In der Transferperiode bedienten sich die Franzosen bislang aber weitgehend im eigenen Land. Bis auf Nationaltorhüter Gregory Coupet, der von Lyon für angeblich nur 1,5 Millionen Euro zu Atletico Madrid wechselte, blieben die bisherigen Stars in der Grande Nation. Einer wie Claude Makelele kam aus London von Chelsea nach Paris zurück. Für Lyon zählt aber nicht nur die Meisterschaft, sondern vor allem auch der Europacup, was Klubchef Aulas verdeutlichte: "Wir wollen in der Champions League diesmal sehr weit kommen." Mit diesem Druck muss vor allem der neue Coach und ehemalige Sportdirektor Claude Puel, der Alain Perrin ersetzt, leben. "Das war eine strategische Entscheidung", begründete Aulas den Trainerwechsel, der dazu führen soll, dass Lyon endlich mal über das Viertelfinale in der Königsklasse hinauskommt.
Bordeaux vertraut dem Stamm der vergangenen Spielzeit und hat nur den U21-Stürmer Yoan Gouffran aus Caen, den 22 Jahre alten Spielmacher Yoann Gourcuff vom AC Mailand und den früheren Leverkusener Diego Placente von San Lorenzo geholt. "Wir können mithalten", meinte Coach Blanc, "aber es wird schwer, sich zu verbessern." Unverhohlener zum Angriff bläst Marseilles Sportdirektor Jose Anigo: "Die Jagd ist eröffnet. Jeder möchte doch Lyon straucheln sehen." Und Marseille, seit dem Gewinn der Champions League 1993 ohne Titel, glaubt sich für dieses Abenteuer gut gerüstet. Der Verlust von Samir Nasri (FC Arsenal) soll nach der Vorstellung von Trainer Eric Gerets durch Hatem Ben Arfa (aus Lyon) und Bakary Kone ausgeglichen werden.
Marseille kämpft in der Qualifikation noch gegen SK Brann Bergen um den Einzug in die Champions League. Für den UEFA-Cup sind AS Nancy, AS St. Etienne und Paris St. Germain als Ligacup-Gewinner qualifiziert. Der Hauptstadtklub dümpelt seit zwei Jahren in unteren Tabellenregionen, schwebte manchmal sogar in Abstiegsgefahr und will jetzt erst einmal wieder in ruhiges Fahrwasser kommen. Internationale Ambitionen gibt es derzeit nicht.
Für die Aufsteiger Grenoble Foot 38, AC Le Havre und FC Nantes, der immerhin den kroatischen Nationalspieler Ivan Klasnic von Werder Bremen verpflichten konnte, geht es wie überall auf der Welt zunächst um den Klassenerhalt.