Der große Traum von der ersten Goldmedaille ist geplatzt, die deutschen Weltmeisterinnen sind beim olympischen Fußball-Turnier zum dritten Mal in Folge im Halbfinale gescheitert. Die Mannschaft von DFB-Trainerin Silvia Neid kassierte gegen den WM-Zweiten Brasilien in Shanghai eine 1:4 (1:1)-Klatsche und trifft nun am Donnerstag im Kampf um Bronze in Peking auf den Verlierer der Begegnung zwischen den USA und Japan.
Kapitän Birgit Prinz hatte Deutschland unter den Augen von DFB-Präsident Theo Zwanziger nach zehn Minuten mit ihrem zehnten Olympia-Treffer in Führung gebracht. Formiga glich kurz vor der Pause aus (43.), ehe der Doppelschlag durch Cristiane (49.) und Weltfußballerin Marta (53.) das Spiel entschied. Erneut Cristiane buchte in der 76. Minute endgültig das Final-Ticket für Brasilien.
Erste Schlappe im achten Duell
Für Deutschland war es die höchste Niederlage bei Olympischen Spielen und die erste Schlappe im achten Duell mit den Brasilianerinnen. Letztmals so hoch hatten Deutschlands Frauen am 19. Juli 2000 gegen Norwegen (1:4) verloren. Noch höher unterlagen sie am 14. März 1996 (0:6 gegen die USA). Vor 20.000 Zuschauern im Shanghai-Stadion war Deutschland zu Beginn das bessere Team. Prinz und Co. überzeugten in der Offensive mit gefälligen Kombinationen, hinten stand die Abwehr um Torfrau Nadine Angerer lange gewohnt sicher. Die sonst filigrane "Selecao Feminina" hielt mit ungewohnter Härte dagegen und leistete sich das ein oder andere bösartige Foul.
Vorentscheidung leichtfertig verpasst
In der Neuauflage des WM-Endspiels von 2007 und dem zweiten Duell mit Brasilien bei den Spielen nach dem 0:0 in der Vorrunde hatte Annike Krahn die erste Chance. Doch die Duisburgerin setzte ihren Kopfball knapp neben das Tor. Prinz machte es wenig später besser: Brasiliens Abwehrspielerin Erika verstolperte den Ball, Prinz setzte nach, umkurvte lässig Torfrau Barbara und schloss eiskalt ab - 1:0 für Deutschland. Der Gold-Traum lebte noch.
Melanie Behringer und Anja Mittag, die abermals für Sandra Smisek stürmen durfte, hatten anschließend das 2:0 auf dem Fuß - beide vergaben leichtfertig. Nun wachten die Brasilianerinnen so langsam auf, das gefährliche Angriffs-Trio Marta, Cristiane und Daniela vergab aber beste Gelegenheiten. Die Mittelfeldspielerin Formiga sprang dafür ein und schloss den bis dahin besten Angriff nach einer Hereingabe von Cristiane aus 13 Metern zum 1:1 ab.
Erstes Gegentor für Angerer bei Endrunde Für Angerer war es das erste Gegentor bei einer Endrunde. Sie war auf dem Weg zum WM-Triumph 2007 ebenso unbezwungen geblieben wie nun bei Olympia in China. Nach insgesamt 972 Minuten ging ihre Superserie aber zu Ende. Brasilien war jetzt drin im Spiel - und die deutsche Elf bekam das bald zu spüren. Wie beim Ausgleich war Angerer auch beim 1:2 machtlos. Nach einer Ecke konterte Brasilien die deutsche Hintermannschaft, die nicht rechtzeitig zurückeilte, klassisch aus. Drei "Gelbe" hatten gegen nur zwei "Weiße" leichtes Spiel, Cristiane schoss nach der Vorarbeit von Marta ein. Beim 1:3 ließen sich Kerstin Stegemann und Ariane Hingst von Marta austanzen, die mit einem Außenristschlenzer in die lange Ecke vollstreckte.
Neid reagierte und brachte mit Celia Okoyino da Mbabi und Fatmire Bajramaj zwei frische Kräfte. Stürmerin Conny Pohlers musste jedoch wie im gesamten Turnierverlauf weiter von der Bank aus zusehen, wie der deutschen Mannschaft die Goldmedaille immer weiter entglitt - und sie Cristiane mit dem 4:1 nach einem Solo auch noch demütigte.