Vereinspräsident Halil Ünal weiß das. Seit der Unternehmer im Vorstand ist, geht es mit dem noch heute beliebtesten Verein der mittleren Türkei wieder bergauf. „Wir haben seit acht Jahren hart für den Aufstieg gearbeitet. Zunächst mussten wir Rahmenbedingungen ändern und Altlasten entsorgen“, erzählt Ünal. Zwischenzeitlich war der Club sogar in die dritte Liga abgerutscht. „Jetzt machen wir weiter. In diesem Jahr geht es nur um den Klassenerhalt Aber mittelfristig wollen wir an die nationale Spitze“, soll laut Ünal trotz eines Mini-Etats von 20 Millionen Euro eine neue Blütezeit der anatolischen Sterne folgen.
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Dafür hat der Autohändler ein Konzept entwickelt, dass es in der Türkei in dieser Form noch nicht gibt. „Wir errichten in Eskisehir eine eigene Schule. Junge Menschen aus Anatolien sollen sich hier nicht nur sportlich, sondern auch intellektuell entwickeln. Wenn nötig, werden die Familien auch finanziell unterstützt“, sagt Ünal. So soll sich der Nachwuchs künftig aus den eigenen Reihen entwickeln. „Wir wollen die Kinder nicht nur zu guten Fußballspielern reifen lassen, sondern auch zu kompetenten Mitgliedern der Gesellschaft“, will sich Ünal gesamtgesellschaftlich engagieren. 50.000 Jugendliche zwischen acht und 18 Jahren sollen sich bereits beworben haben. Ein riesiges Potenzial. „Ausgesucht wird rein nach fußballerischen Kriterien“, betont der Club-Chef.
Bis dahin soll am Stadtrand ein neues Stadion für 30.000 Fans stehen. „Vergessen Sie Fenerbahce und Galatasaray. Die leidenschaftlichsten und heißblütigen Fans der Türkei haben wir“, sind die Fans laut dem Dorfjungen Ünal, der es in Eskisehir zum Wohlstand gebracht hat und seine Wurzeln dennoch nicht vergisst, das größte Potenzial des Vereins. Die Grenze zwischen Begeisterung und Fanatismus ist eng. So werden Schiedsrichter und gegnerische Mannschaft auch schon mal im Steinhagel nach Hause geschickt. So geschehen, als im Winter Mitaufsteiger Antalyaspor durch einen umstrittenen Elfmeter in der letzten Minute zum Ausgleich kam. „Das geht natürlich zu weit. Aber kein Gegner kommt gerne zu uns“, gehört die besondere Emotionalität der Anhänger zum Mythos Eskisehirspor. „Damit unsere Fans merken, dass wir wieder zu den besten Vereinen in der Türkei gehören“, lässt Ünal das Atatürkstadion, obwohl bald nicht mehr gebraucht, gerade generalüberholen.
An allen Ecken und Kanten werden herausgerissene Sitze ersetzt. Die VIP-Bereiche wurden erneuert und in den fast schon kultigen, nicht mehr genutzten Stehbereichen hinter den Toren, sollen bis zum Saisonstart gegen Hacettepe portative neue Tribünen das Fassungsvermögen von derzeit knapp 19.000 Zuschauern auf 22.000 erhöhen. „Wir haben den schlafenden Riesen geweckt. Jetzt wird er gefüttert“, kündigt Ünal an. Nach dem Willen des Visionärs soll möglichst bald schon ganz Europa von Eskisehirspor Notiz nehmen.