Noch vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart II war kaum ein Laut der Kritik am Münsteraner Trainer zu vernehmen. Als jedoch die Niederlage gegen den VfB per Schlusspfiff bereits besiegelt war, steckten SCP-Präsident Marco de Angelis, Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Bäumer und Sportvorstand Carsten Gockel stundenlang die Köpfe zusammen und entließen Dotchev.
Ein Schritt ohne Alternative Auffällig ist dabei das Bedauern über die Trennung, das in dieser Form selten eine Trainerentlassung begleitet. Der Trainer glaubte bis zuletzt an sein Team, verkündete selbst nach der schweren Enttäuschung daheim gegen Kiel: „Ich bin mir sicher, dass diese Mannschaft noch die Kurve kriegt.“ Und wenn Gockel zur Begründung der Entlassung schon anführen muss, man sei nunmal ein Profiverein – wie gegenüber den Westfälischen Nachrichten geschehen – lässt sich leicht erahnen, dass die bekannten Abschiedsformulierungen und Beileidsbekundungen in diesem Fall nicht bar jedes Inhalts sind.
Zum Verhängnis wurde Dotchev jedoch neben der aktuellen Erfolgslosigkeit der sich abzeichnende Trend mit negativer Tendenz – der unter Hinzunahme der vergangenen Saison, als in den entscheidenden letzten Wochen leichtfertig der Aufstieg verspielt wurde, unübersehbar ist. Schließlich heimsten die Preußen in den vergangenen elf Saisonspielen im Schnitt gerade einmal einen Punkt pro Spiel ein. Der Entscheidung des Vorstands um Boss de Angelis ist dabei nicht zwingend in der Frage begründet, ob das Verschulden der Krise beim Trainer lag, sondern es musste schlicht und ergreifend etwas geschehen.
Doch diesem Ereignis muss früher oder später ein weiteres folgen, fraglich ist bislang nur, welcher Name mit ihm in Verbindung stehen wird. Klar ist vorerst lediglich, dass kein unerfahrener Mann auf der Preußen-Bank Platz nehmen wird, das betonen Gockel und de Angelis unisono. Norbert Meier, der beim Spiel gegen die Schwaben im Stadion war, gab gegenüber der bild-Zeitung zu Protokoll „überhaupt keine Ambitionen“ auf einen Trainerposten beim SCP zu haben.
Das Warten kann noch eine ganze Weile so weitergehen, sollten die starken Männer der Preußen ihre Ankündigung wahr machen und sich bewusst viel Zeit lassen. Offenbar setzen sie nicht den für diese Spielzeit erhofften Erfolg auf einen unerreichbaren Thron, sondern beschäftigen sich auch mit der Möglichkeit, dass im Falle eines Verbleibs in der 3. Liga der Druck auf den Trainer noch weiter zunehmen würde und legen deshalb großen Wert auf die Nachhaltigkeit ihrer zu treffenden Entscheidung.
Doch wer auch immer kommt, einen Co-Trainer braucht er nicht mitzubringen. Denn, da ist sich Gockel bereits sicher, Babacar N‘Diyae, der bisher Dotchev assistierte, soll bleiben.