Außergewöhnlich ist das Match vor allem durch die Live-Übertragung des Pay-TV-Senders Premiere, der das Spiel mit neun Kameras einfangen wird. In den letzten Wochen Monaten lag eine Menge Arbeit vor den Verantwortlichen des ASV.
Rüdiger Schwarz, Team-Manager der Bergedorfer. „Wir mussten unser halbes Dorf verlegen, damit der riesige Übertragungswagen des TV-Senders bei uns parken kann. Zudem braucht das Fernsehen ein Stromaggregat, was uns allein 4.000 Euro kostet. Das ist schon fast ein kleines Atomkraftwerk“, erklärt der Funktionär überwältigt. Trotzdem kennt die Vorfreude auf den Bundesligisten keine Grenzen. „Wir sehnen dem Anpfiff gegen einen alten deutschen Traditionsverein und Gründungsmitglied der Bundesliga mehr als entgegen“, scharrt Trainer Frank Stolina schon mit den Hufen.
Aber Bergedorf wird keinesfalls vor Ehrfurcht erstarren, denn große Gegner im Stadion „Sander Tannen“ sind für die fast 120.000 Einwohner des Stadtteils keine Seltenheit. Mit den „Zebras“ ist bereits zum vierten Mal ein Hochkaräter zu Gast. Der VfL Wolfsburg (6:1) und auch Bayer Leverkusen (3:1) behaupteten sich schon in der ersten Runde gegen die „Elstern“.
Absoluter Höhepunkt war jedoch 1982 der Auftritt des großen FC Bayern München. „Wenn das Spiel nur zehn Sekunden eher zu Ende gewesen wäre, hätten wir 1:0 gewonnen“, erinnert sich Schwarz. Stattdessen machte „Kopfballungeheuer“ Dieter Hoeneß seinem Namen alle Ehre und nickte zum 1:1-Ausgleich ein. In der Verlängerung unterlag der ASV dann deutlich mit 1:5. Der MSV sollte also gewarnt sein. „Wir sind keine Thekentruppe.
Trotzdem muss man das Ganze realistisch sehen. Die Rollen sind klar verteilt. Ein bisschen Hoffnung ist immer da. Der Pokal hat gezeigt, dass auch kleinere Mannschaften Chancen haben. Das ist ein Spiel, da kann alles passieren. Wir werden alles geben, um eine Runde weiter zu kommen“, hofft Stolina auf die Sensation.
MSV-Chefcoach Rudi Bommer sieht das natürlich ganz anders. „Ein Sieg in Bergedorf ist Pflichtprogramm. Wir wollen und werden eine Runde weiter kommen“, lässt der Linienchef keine Ausreden gelten. „Wir nehmen den ASV aber keinesfalls auf die leichte Schulter. Wir haben nicht geschludert, sie sogar zwei Mal beobachten lassen.“
Seine Erkenntnis: „Die Jungs stehen tief gestaffelt und fahren schnelle Konter. Da müssen wir aufpassen. Unser Ziel muss es sein, sofort mit Anpfiff Druck auszuüben und ein frühes Tor zu erzielen – dann ist Ruhe im Karton.“
Ansonsten ließ der Familienvater nicht tiefer blicken. Vor allem nicht, wer denn in der Startelf stehen wird. „Tom Starke ist sicher. Über alle anderen mache ich mir meine Gedanken.“ Das erste offizielle Pflichtmatch im DFB-Pokal ist aber auch ein Fingerzeig für Bommer. „Es ist die erste ‘DU-MUSST-Situation’ für die Jungs. Da wird sich zeigen, ob sie diesem Druck standhalten.“ Um etwa 16.15 Uhr wissen wir mehr...