Wenn im Schatten der Olympischen Spiele am Freitagabend mit dem Nord-Süd-Klassiker Bayern München gegen den Hamburger SV (20.30 Uhr/live in der ARD und auf Premiere) die 46. Saison der Bundesliga eröffnet wird, werden ganz symbolisch die prominentesten Neuzugänge auf der Bank sitzen. In Bayern-Coach Jürgen Klinsmann und Hamburgs Martin Jol werden zwei neue Trainer aufeinandertreffen, die Stars Franck Ribery, Luca Toni (beide Bayern, beide verletzt) und Rafael van der Vaart (vom HSV zu Real Madrid gewechselt) werden dagegen fehlen. Obwohl sich der Rekordmeister im DFB-Pokal am Sonntag bei Drittligist Rot-Weiß Erfurt (4:3) verwundbar zeigte, ist der Double-Gewinner auch vor dieser Spielzeit der Top-Favorit auf den Titel: 16 der 18 Fußball-Lehrer legten sich auf die Bayern fest. Vizemeister Werder Bremen und Schalke 04 werden als schärfste Verfolger gehandelt. "Transferkönig" VfL Wolfsburg kommt diesmal die Rolle des Geheimfavoriten zu.
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Spielt mit dem VfL Wolfsburg die Rolle des Geheimfavoriten: Felix Magath. (RS-Foto: firo)
Gespannt sein dürfen die Fans auch auf die Rückkehrer Borussia Mönchengladbach und 1. FC Köln mit seinem Startrainer Christoph Daum. Im Fokus steht aber besonders Neuling und Dorfklub 1899 Hoffenheim, dem dank der Unterstützung von Mäzen Dietmar Hopp nicht nur von "Kaiser" Franz Beckenbauer im Konzert der Großen eine gute Rolle zugetraut wird. Dies gilt wie seit einigen Jahren auch für Schalke, das 50 Jahre nach seinem letzten Titelgewinn in Fred Rutten nicht nur einen neuen Coach, sondern in Jefferson Farfan und Orlando Engelaar auch zwei Hochkaräter für das Team verpflichtet hat. Rutten gehört wie Ex-Nationalcoach Klinsmann, Bruno Labbadia (Bayer Leverkusen) und Jol (Hamburger SV) zu den neuen Gesichtern auf den Trainerbänken. Nicht minder wird "TV-Bundestrainer" Jürgen Klopp beäugt, der nach sieben Jahren in Mainz bei Borussia Dortmund eine neue Herausforderung sucht. Den inoffiziellen "Supercup" hat er mit dem BVB gegen die Bayern (2:1) bereits gewonnen. Insgesamt werden von den 18 Erstligisten sechs ausländische Chefcoaches beschäftigt, was in der Bundesligahistorie seit 1963 Rekord bedeutet. Neben Jol und Rutten arbeitet in Jos Luhukay (Mönchengladbach) noch ein dritter Trainer aus dem Nachbarland Niederlande in der Bundesliga. Zudem stehen in Lucien Favre (Hertha BSC Berlin) und Marcel Koller (Vfl Bochum) noch zwei Schweizer und in Bojan Prasniker (Energie Cottbus) ein Slowene in der sportlichen Verantwortung. Besonders im Scheinwerferlicht steht aber Klinsmann, der bei der WM 2006 mit der Nationalmannschaft für das "Sommermärchen" gesorgt hat, mit seinem neuen Arbeitgeber aber nicht nur Meisterschaft und Pokal erfolgreich verteidigen, sondern auch in der Champions League zu neuen Ufern aufbrechen will. Dem Nachfolger von Ottmar Hitzfeld stehen aber bis auf Nationalspieler Tim Borowski (Werder Bremen) keine nennenswerten Neuzugänge zur Verfügung.
Dafür kann Klinsmann auf ein Heer von Mitarbeitern zählen, wie es bislang in der Bundesligageschichte einmalig ist. Dasselbe gilt auch für das imposante Trainingsgelände der Bayern, das nicht nur mit den Buddha-Figuren aufgerüstet wurde, die es schon auf nahezu jedes Titelblatt gebracht haben. Sportliche Schlagzeilen müssen die Münchner noch schreiben. Auf dem Transfermarkt hielten sich die Bayern allerdings zurück, nachdem sie im vergangenen Sommer mit geschätzten 81 Millionen Euro für Stars wie Ribery oder Toni so tief in die Tasche gegriffen hatten wie nie zuvor. Mit mehr als 25 Millionen Euro rüstete dagegen der VfL Wolfsburg auf, der Stars wie die Weltmeister Andrea Barzagli (14 Millionen Euro) und Cristian Zaccardo (7) in die Autostadt lockte. In dem Brasilianer Marcelinho nahm aber eine der schillerndsten Bundesligafiguren Abschied aus Wolfsburg. Ähnlich wie die "Wölfe" investierte auch Schalke, um den Traum vor der Meisterschaft erstmals seit 1958 wieder zu verwirklichen. Für den Peruaner Jefferson Farfan zahlten die Königsblauen zehn Millionen Euro an die PSV Eindhoven und realisierten somit den bislang teuerster Transfer der Vereinsgeschichte. Zudem hoffen die Schalker, dass der niederländische EM-Teilnehmer Orlando Engelaar die 5,5 Million Euro an Twente Enschede rechtfertigt. Immerhin rund fünf Millionen Euro entrichtete Hoffenheim für den Brasilianer Wellington Luis de Sousa. Ein deutliches Signal setzte auch der 1. FC Köln mit der Verpflichtung des portugiesischen Nationalspielers Petit.
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Ein Verlust für die Bundesliga: Rafael van der Vaart kickt nicht mehr für den HSV. (RS-Foto: firo)
Ein Verlust für die Liga ist zweifelsohne van der Vaart. Für den Niederländer kassierten die Hanseaten zwar rund 15 Millionen Euro, Ersatz ist aber noch nicht in Sicht. Aber auch ohne die Attraktion van der Vaart erwartet die Liga einen neuen Zuschauerrekord, zumal die Stadien der Aufsteiger Mönchengladbach und Köln mehr Zuschauern Platz bieten als die der Absteiger Hansa Rostock und MSV Duisburg. In der vergangenen Spielzeit sahen durchschnittlich 38.975 Zuschauer die Spiele. Eine knappe Woche vor dem Saisonstart waren rund 420.000 Dauerkarten verkauft. Erstmals seit 1991 gibt es wieder nur zwei direkte Absteiger. Der Drittletzte spielt mit dem Dritten der zweiten Liga in der Relegation.