Das zahlte sich am Freitagabend erstmals aus. Der neue Goalie, den der VfL für über eine Million Euro verpflichtet hatte, spielte mit seinen Paraden während der 90 Minuten und besonders im Elfmeterschießen einen Teil seiner Ablösesumme sofort wieder ein. Fernandes bescheiden: "Meine Leistung ist nicht ausschlaggebend. Wichtig ist, dass wir mit der Mannschaft Erfolg haben."
Sein Geheimnis beim Elfmeterschießen wollte der Portugiese nicht lüften: "Das möchte ich nicht verraten, aber wenn ich in der Bundesliga mal einen Penalty halte und wir gewinnen, werde ich meinen Trick gerne preisgeben. Aber auch nur dann." Welche Wertschätzung der neue Keeper erfährt, beweist die Tatsache, dass der 24-Jährige vom neuen portugiesischen Trainer Carlos Queiroz für das Freundschaftsspiel am 20. August in Aveiro gegen die Faröer Inseln eingeladen wurde.
Neben Yahia, Ono und Fernandes gab es weitere Länderspieleinladungen für Stanislav Sestak, der mit der Slowakei auf Griechenland trifft, Daniel Imhof, der in Toronto mit Kanada gegen Jamaica spielt, und für Christian Fuchs, der in Nizza mit Österreich auf den amtierenden Weltmeister Italien trifft.
Dass Marcel Koller weiß, wie Pokalspiele laufen können, verriet Mimoun Azaouagh am Tag nach dem Münster-Spiel: "Der Coach meinte, es ist egal, ob wir nach 90 Minuten, nach Verlängerung oder im Elfmeterschießen die nächste Runde erreichen. Nur die Zielsetzung war unmissverständlich: Wir müssen weiterkommen." Azaouagh gestand später ein, dass es keine Galavorstellung seines Teams war und fügte hinzu: "Ich bin auch noch nicht bei 100 Prozent. Wir brauchen alle noch zwei, drei Spiele, bis es richtig rund läuft."
Marc Pfertzel hatte es gestern eilig, nahm nicht am Kennenlern-Mittagessen teil und düste stattdessen zum Kölner Flughafen: "Ich fliege über Paris nach Hause, bin zum Montagtraining aber pünktlich wieder da." Für den Franzosen war es übrigens das fünfte Mal, dass er im Pokal ein Elfmeterschießen erlebte: "Dreimal habe ich das in Italien mitgemacht, einmal in Frankreich. Ich habe eine gute Bilanz, meine Mannschaft ist immer weitergekommen und ich habe immer einen verwandelt." So stand es außer Frage, dass Pfertzel Kollers Frage, ob er schießen wolle, spontan bejahte.
Philipp Bönig, der sich gut ins Team einfügte, stellte nüchtern fest: "Münster hat einen tollen Fight geliefert. Und wir haben ihren Keeper so richtig warm geschossen." Auffallend, dass der Bochumer Linksfuß bei Münsters Keeper zu den ersten Gratulanten gehörte. Bönig: "Ich habe in seiner Zeit in Bochum mit ihm öfter geredet. Ein feiner Kerl, der seinen Weg machen wird."
Neben Dennis Grote gehörten auf der Tribüne zwei weitere Bochumer und Ex-Münsteraner zu den Besuchern der Partie. Uwe Leifeld und Ralf Zumdick fieberten aber wohl mehr mit den Blau-Weißen aus Bochum.
Christoph Dabrowski (gesperrt) und Paul Freier (Aufbautraining) fieberten auf der Tribüne mit ihren Kollegen auf dem Rasen. Für Christoph Dabrowski, einst mit Bremen Pokalsieger, war das Elfmeterschießen ein bisschen zu spannend. Fluchtartig verließ er vor dem ersten Schuss die Haupttribüne, um sich dann auf dem Parkplatz die Entscheidung im Radio anzuhören. Dabrowski: "Das war noch schlimmer, als wenn ich im Stadion geblieben wäre."