"DerWesten" sprach mit dem 61-Jährigen über seine Funktion als "Anwalt der Fans", die DFL und den Interessenkonflikt zwischen seinen beiden Ämtern.
Herr Rauball, Sie sind im November 2004 zum dritten Mal zum BVB-Präsidenten gewählt worden. Damals hatte es noch den Anschein, Sie würden sich nach der Sanierung des BVB wieder zurückziehen. Warum sind Sie 2007 zur Wiederwahl angetreten?
Reinhard Rauball: Beim ersten Mal war ich erst 32 Jahre alt, hatte eine Familie mit zwei Kindern und war als Rechtsanwalt zugelassen. Ich musste meine berufliche Perspektive im Auge behalten. Da schien mir nach drei Jahren der richtige Zeitpunkt gekommen abzutreten. Ich hatte vorab in meinem Programm recht optimistisch angekündigt, dass der BVB bis zum Ende meiner Amtszeit wieder international spielen würde. Das haben wir punktgenau nach diesen drei Jahren geschafft. Da war meiner Meinung nach der Zeitpunkt gekommen, wo ich das Amt guten Gewissens aufgeben konnte.
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Gefunden auf derwesten.de
Die zweite Amtszeit war noch kürzer. Da hatten mich die Ereignisse völlig überraschend getroffen und es musste jemand machen, der das Geschäft schon kannte, und niemand, der von außen kam. Das Argument hatte mich letztlich auch überzeugt. Immerhin ist uns in der Zeit – von der Öffentlichkeit unbemerkt – die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit seitens des DFB abgesprochen worden. Man wollte uns die Lizenz nicht erteilen. Das war eine hochdramatische Situation. Diese Problematik haben wir gelöst. Nachdem dann 1986 durch die Relegation auch der Klassenerhalt gesichert war, sah ich meine Aufgabe als erfüllt an.
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Sportdirektor Michael Zorc arbeitet mit Rauball zusammenaktion
Jetzt ist es etwas Anderes. Inzwischen bin ich 61 Jahre alt und vieles sieht anders aus. Ich wollte auch nicht, dass wieder eine Situation eintritt, in der die Arbeit, die ich drei Jahre gemacht hatte, gefährdet wird. Meine Aufgabenstellung war ja auch eine andere als bei den vorherigen Amtszeiten. Damals war ich als Präsident ja sowohl oberster Repräsentant des Vereins als auch Hauptverantwortlicher des operativen Bereichs. Ich habe die Funktionen von Herrn Watzke (Vorsitzender der BVB-Geschäftsführung, Anm. d. Red), Herrn Zorc (Sportlicher Leiter des BVB, Anm. d. Red.) und die Repräsentation des Vereins wahrgenommen. Heute bin ich nach dem allgemeinen Verständnis bei einem börsennotierten Unternehmen so eine Art Aufsichtsratsvorsitzender. Da ist die Arbeitsintensität nicht so groß und der operative Bereich ist völlig ausgeschaltet.