"Wir haben gesehen, wie Abstiegskampf geht, aber leider nicht von uns. Es hat heute nichts gestimmt. Das war ein herber Rückschlag, der Druck wird größer", sagte der Sportchef nach einer indiskutablen Leistung seines Hamburger SV beim 1:3 (0:2) im Kellerduell beim FC Ingolstadt mit finsterer Miene.
Entsprechend gedrückt war die Stimmung beim sonntäglichen Training. Auslaufen für die Stammkräfte, Torschussübungen für die Reservisten standen auf dem Programm. Die Übungseinheit begann mit einer Verspätung von einer halben Stunde, Trainer Markus Gisdol hatte sich seine Profis zuvor länger als geplant zur Brust genommen.
Dabei sollte 2017 in Hamburg alles besser werden - mal wieder. Vorstandschef Heribert Bruchhagen hatte noch vor dem Start ins neue Jahr von zwei "Königsspielen" gegen den VfL Wolfsburg (0:1) und in Ingolstadt gesprochen. Doch nach zwei Pleiten stehen die Hamburger nicht nur auf einem direkten Abstiegsplatz, sondern stecken wieder mitten in einer veritablen Krise.
Aus dem Dilemma soll den HSV nun ein Brasilianer führen. Die Norddeutschen wollen mit den Millionen des Investors Klaus-Michael Kühne den Olympiasieger Walace verpflichten. Der 21-Jährige soll die erheblichen Probleme im defensiven Mittelfeld lösen. Noch sei alles offen, meinte Todt nach Gesprächen in Brasilien mit dem Nationalspieler und dessen Verein Gremio Porto Alegre, aber er sei "vorsichtig optimistisch". Verrückte Dinge werde der HSV aber nicht machen, "wir sind nicht verzweifelt".
Verzweifelt vielleicht (noch) nicht, aber doch reichlich ernüchtert. Gisdol kündigte vor den schweren Spielen gegen Leverkusen und in Leipzig "klare Worte" an. "Die erste Halbzeit ist so nicht zu tolerieren. Der eine oder andere hat die Erfolgsphase im Dezember wohl falsch gedeutet und gedacht, dass in der Rückrunde alles von alleine läuft. Das ist nicht der Fall. Da werde ich konsequent einhaken", betonte er, zumal der HSV "mit dem Rücken zur Wand" stehe.
Am Sonntag versuchte der Coach, das Beste aus der fatalen Tabellensituation zu machen. "Vielleicht tut es uns ja gut, dass wir jetzt wieder richtig, richtig tief drin sind", erklärte der 47-Jährige. Er könne nur hoffen, dass die Leistung in Ingolstadt "ein einmaliger Ausrutscher" bleibe.
Doch nicht alle seine Spielern sehen die Lage offensichtlich so drastisch. Mit Kampf, Willen und einfachen spielerischen Mitteln behielt der FC Ingolstadt die Oberhand. "So dürfen wir nicht weiterspielen. Jeder für jeden muss wieder das Wichtigste sein, sonst wird es eng", sagte Dennis Diekmeier. Kritik an der Einstellung übte auch Winterzugang Mergim Mavraj. Man müsse von den Jungs "erwarten, dass jeder Verantwortung übernimmt. Es wird schwer, wenn das nur einige tun."
Die Schanzer hatten so leichtes Spiel. Pascal Groß (14.) gelang mit einem sehenswerten Schuss die Führung, Markus Suttner (22.) legte mit einem abgefälschten Freistoß nach, ehe Almog Cohen per Foulelfmeter (47.) für die Vorentscheidung sorgte. Das Tor war bezeichnend für den miserablen HSV-Auftritt. Der kurz zuvor eingewechselte Diekmeier sollte eigentlich die Wende einleiten, sorgte mit einem dummen Foul an Groß aber für das Gegenteil. Er habe seinen Gegner "null gesehen". Dass Gotuko Sakai noch das 1:3 gelang (63.) - geschenkt. "Da müssen wir auch nichts schönreden", moserte Todt.
Ingolstadts Trainer Maik Walpurgis freute sich indes über einen "wichtigen Sieg in einem Platzierungsspiel". Die Schanzer rutschten für den HSV auf den Relegationsplatz und liegen nur noch einen Zähler hinter Bremen.