25.05.2018

Champions-League-Kommentar

Klopp kann zur Legende werden

Foto: firo

Am Samstag (20.45 Uhr) steigt in Kiew das Champions-League-Finale zwischen Real Madrid und FC Liverpool. Trainer Jürgen Klopp kann zur Legende werden. Ein Kommentar.

Jürgen Klopp hat einen passenden Begriff gewählt. Seine Mannschaft müsse im Champions-League-Finale gegen Real Madrid eine hohe "Frustrationstoleranz" haben. Bei seinem Ex-Verein Borussia Dortmund wissen sie, was er damit meint. Denn Klopp ist es gelungen, seine Spielphilosophie aus Dortmunder Zeiten auch in England umzusetzen - mit allen Vor- und Nachteilen.

Perfekt ist der Fußball Jürgen Klopps nicht. Das unterstreichen die 25 Punkte Rückstand, die Liverpool in der Meisterschaft auf Titelträger Manchester City aufwies. Ein weiteres Beispiel lieferte das Champions-League-Halbfinale gegen AS Rom. 70 Minuten lang verzauberten die "Reds" ganz Europa mit ihrem überfallartigen Angriffsfußball, mit dem Klopp in Deutschland schon den Bayern das Fürchten lehrte. In den Schlussphasen beider Spiele hätte Liverpool den zwischenzeitlichen 5:0-Vorsprung fast verspielt.

Klopp dürfte das egal sein. Auch gegen die beste Mannschaft der letzten beiden Jahre, deren wenige Schwächen eindeutig in der Defensive liegen, wird sein Team den offenen Schlagabtausch suchen. Eine Alternative gibt es nicht. Klopps Mannschaft beherrscht keinen anderen Spielstil. Dafür lieben ihn die Fans und deshalb freuen sich auch neutrale Zuschauer auf dieses Endspiel.

Auch Fußball-Deutschland kann stolz auf diesen Trainer sein. Klopps einzigartiger Offensivfußball, seine Leidenschaft und seine Ausstrahlung machen ihn zu einem großartigen Vertreter seines Heimatlandes.

Doch das wird ihm nicht reichen. Ein internationaler Titel mit einem ausländischen Verein würde den Dortmunder Meistertrainer zu einer Legende werden lassen. Einem deutschen Trainer ist das zuvor nur Jupp Heynckes im Jahr 1998 mit Real Madrid gelungen. Klopp muss in Kiew gewinnen. Eine sechste Final-Niederlage in Folge würde seinem Ansehen schaden und die Kritik an seinem Hurra-Fußball befeuern.

Autor: Martin Herms

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