22.05.2018

Mannheims Koep

"Diese Region hätte den Aufstieg verdient"

Foto: firo

Am Donnerstag geht es ums Eingemachte: Der KFC Uerdingen empfängt im Aufstiegs-Hinspiel zur 3. Liga den SV Waldhof Mannheim. Stürmer Benedikt Koep ist zum Zuschauen verdammt.

Der 30-jährige Vize-Kapitän der Baden-Württemberger verletzte sich im letzten Saison-Heimspiel des SV Waldhof gegen Steinbach. Die Mannheimer Presse schrieb bereits, dass Koep wegen eines Knochenödems beide Aufstiegsspiele verpassen wird. Doch das ist nicht ganz richtig, wie der gebürtige Emmericher uns im nachfolgenden Interview verrät.

Koep, der seit 2016 für Mannheim spielt, erzielte in dieser Saison neun Tore und bereitete sechs weitere Treffer vor. Er wird in der neuen Spielzeit für den ambitionierten TSV Steinbach auf Torejagd gehen. Warum er unter anderem eine Rückkehr zu Rot-Weiss Essen ablehnte, verrät er uns.

Benedikt Koep, wie groß ist die Vorfreude in Mannheim auf die Aufstiegsspiele?
Das Rückspiel war ja binnen weniger Stunden ausverkauft. 25.000 Zuschauer werden im Stadion sein. Zum Hinspiel nach Duisburg werden uns 4.000 bis 5.000 Mannheimer begleiten. Ich glaube, dass diese Zahlen alles verraten. Mannheim ist eine fußballverrückte Stadt. Alle sehnen sich nach dem Profifußball.

Ist das richtig, dass Sie der Mannschaft in den Spielen gegen Uerdingen nicht helfen können?
Im Hinspiel bin ich definitiv nicht dabei. Das Rückspiel habe ich noch nicht abgeschrieben. Ich bin wieder auf dem Weg der Besserung und kämpfe dafür, um im Rückspiel dabei zu sein. Ich könnte mich jetzt natürlich auch ausruhen und mich für meinen neuen Verein schonen. Aber so ein Typ bin ich nicht. Die zwei Jahre mit der Raute auf der Brust waren für mich eine besondere Zeit.

Warum ist der SV Waldhof so besonders?
Die ganze Stadt liebt den SV Waldhof. Auch wenn unser Zuschauerschnitt nur bei gut 4000 Besuchern liegt, ist das Interesse in Mannheim um den SV Waldhof viel, viel größer. Jeder liest über uns und ist gut informiert. Nur ins Stadion wollen die Leute nicht mehr kommen. Weil sie die Regionalliga satt haben. Das ist ein bisschen mit Rot-Weiss Essen vergleichbar. Beide Vereine nehmen sich nicht viel. Nur, dass man in Mannheim meines Empfindens nach ruhiger arbeiten kann.

Stichwort Rot-Weiss Essen. Wie ist Ihr Kontakt noch nach Essen? Nach unseren Informationen soll RWE an einer Rückkehr Interesse bekundet haben?
Ich habe dreieinhalb schöne Jahre an der Hafenstraße verbracht. Manchmal mit viel Freude, manchmal mit Trauer und Wut. RWE ist eben sehr emotional. Aber mittlerweile bin ich vier Jahre weg aus Essen und der Kontakt ist auch nicht mehr so eng. Ja, ich habe lose Gespräche mit Jürgen Lucas über eine Rückkehr gehabt. Aber irgendwie hatte ich bei der Sache kein gutes Gefühl. Die Gespräche mit Steinbach waren so überragend, dass ich nicht lange überlegen musste. Die Wertschätzung gegenüber meiner Person und meinen Leistungen war bei den Steinbachern groß. Ich freue mich auf den TSV und die neue Herausforderung.

Warum verlassen Sie eigentlich Mannheim?
Zum SV Waldhof sind ein neuer Trainer und ein neuer Sportlicher Leiter gekommen. Sie haben wohl ein anderes Konzept. Ich mache kein Geheimnis daraus, dass die Gespräche über einen Verbleib in Mannheim sehr schlecht gelaufen sind. Ich hatte lange Zeit gar kein Gesprächstermin, dann bin ich auf die Verantwortlichen zugegangen. Nach dieser Unterhaltung war für mich schnell klar, dass sich unsere Wege nach der Saison trennen werden.

Perfekt wäre es doch, wenn sie Mannheim mit dem Drittliga-Aufstieg verlassen würden...
Das wäre ein Traum-Szenario und der perfekte Abschluss nach zwei schönen Jahren beim SV Waldhof. Diese Region hat den Aufstieg einfach verdient. Gegen Uerdingen werden es zwei Fifty-Fifty-Spiele. Der KFC ist in einer starken West-Staffel Meister geworden. Sie haben sehr gute Spieler in ihren Reihen. Letztendlich wird aber die Tagesform entscheiden.

Sie haben einige Mannschaftskollegen, die bereits die Aufstiegsspiele gegen Lotte und Meppen mitgemacht haben. Der SV Waldhof scheiterte jeweils. Ist diese Erfahrung ein Vor- oder doch Nachteil?
Das wird man sehen. Psychologisch gesehen kann das ein Nachteil sein. Auf der anderen Seite sind solche Erfahrungen auch oft von Vorteil. Es ist im Vorfeld schwer zu beurteilen. Wir wollen es im dritten Anlauf schaffen!

Autor: Krystian Wozniak

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