18.05.2018

Dortmund

Favre mischt beim BVB schon mit

Foto: firo

Der künftige Trainer verhindert die Verpflichtung von Juventus-Verteidiger Stephan Lichtsteiner.

Noch halten die Verantwortlichen von Borussia Dortmund sich bedeckt, so gut es eben geht. Noch wollen sie nicht verraten, wer in der kommenden Saison als Trainer übernimmt, obwohl sie intern längst Klarheit haben: „Wir wissen, wen wir wollen. Wir wissen auch, wen wir bekommen – und das nicht erst seit gestern“, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke am Rande eines U19-Spiels. „Wenn wir der Meinung sind, dass es die Öffentlichkeit auch wissen soll, dann werden wir das tun. Aber soweit sind wir noch nicht.“

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Der Grund dafür ist einfach: Lucien Favre, der auserkorene Kandidat, hat anders als Borussia Dortmund noch ein wichtiges Spiel zu bestreiten: Am Samstag spielt er mit dem OGC Nizza bei Olympique Lyon um den Einzug in die Europa League. Erst danach soll bekanntgegeben werden, was längst keine Überraschung mehr ist: Favre übernimmt den BVB. Dank einer Ausstiegsklausel über drei Millionen Euro kann er Nizza trotz eines Vertrags bis 2019 vorzeitig verlassen.

Schon jetzt aber mischt der Schweizer eifrig bei der Dortmunder Personalplanung mit, wie diese Zeitung schon vor vier Wochen berichtete. Ein Ergebnis: Rechtsverteidiger Stephan Lichtsteiner kommt nicht. Der 34-Jährige wäre ablösefrei zu haben gewesen, die BVB-Bosse hätten ihn gerne als erfahrene Führungsfigur verpflichtet. Doch Favre war nicht überzeugt, die Verpflichtung platzte. „Ich gehe nicht zum BVB, wir haben uns nicht gefunden“, sagte Lichtsteiner der Schweizer Zeitung Blick. „Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“

Eine Baustelle, die schon geschlossen schien, bleibt den Dortmundern also erhalten. Denn beim anstehenden Umbruch stehen auch die Außenverteidigerpositionen im Fokus, wo seit Jahren verlässliche Alternativen zu Marcel Schmelzer und Lukasz Piszczek fehlen – insbesondere beim 32-jährigen Polen ist nach Operationen an beiden Hüftgelenken nicht mehr garantiert, dass er 40 Saisonspiele absolvieren kann.

Viele offene Positionen

Gehandelt wurde für seine Position auch Hans Hateboer, der sich mit einer starken Saison für Atalanta Bergamo in die niederländische Nationalmannschaft gespielt hat. Doch zu dem 24-Jährigen hat die Borussia nach Informationen dieser Zeitung bislang keinen Kontakt aufgenommen.

So ist weiter vieles offen beim BVB. Für die Torhüterposition soll Marwin Hitz (30) ablösefrei vom FC Augsburg kommen, eine Bestätigung steht allerdings noch aus. Im zentralen Mittelfeld steht Thomas Delaney (26) von Werder Bremen als zweikampfstarker Abräumer auf dem Zettel, für die Offensive ist Marius Wolf (22) ein Thema – weniger, weil der BVB rechts offensiv dringend Personal braucht, sondern weil er dank einer Ausstiegsklausel von fünf Millionen Euro ein Schnäppchen wäre.

Außerdem gesucht: ein spielstarker Innenverteidiger – und natürlich ein Mittelstürmer, der die Nachfolge des im Winter zum FC Arsenal abgewanderten Top-Torjägers Pierre-Emerick Aubameyang längerfristiger antreten soll, als es der vom FC Chelsea ausgeliehene Michy Batshuayi tat. Aubameyang wurde in der Rückrunde schmerzlich vermisst: „Mit ihm hätten wir mindestens drei Punkte mehr gehabt“, meint Mittelfeldspieler Nuri Sahin.

Komplizierte Stürmersuche

Doch der Markt für Torjäger wird immer komplizierter, die Kandidaten immer teurer. „Es ist nicht einfach, den richtigen Stürmer zu finden“, sagt Sportdirektor Michael Zorc dieser Zeitung. Er habe zwar nicht den ganz großen Druck, weil Maximilian Philipp diese Position ja auch spielen könne. Aber: „Natürlich sind wir darum bemüht, noch einen echten Neuner zu verpflichten.“

Namen kursieren viele, die wenigsten sind realistisch. Batshuayi wird kaum noch einmal zum BVB zurückkehren. Der Belgier überzeugte zwar mit seiner Torquote – ließ außerhalb des Strafraums aber den einen oder anderen taktischen Mangel erkennen. Beim BVB ist man daher nicht geneigt, auch nur entfernt jene rund 60 Millionen Euro auszugeben, die Chelsea angeblich vorschweben.

Autor: Sebastian Weßling

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