15.05.2018

S04

So sieht sich Christian Heidel selbst auf Schalke

Foto: firo

Er ist der starke Mann auf Schalke: Christian Heidel. Nach schwerem Start, scheint der Manager endgültig angekommen zu sein. Einfach machen will er es sich nicht.

Montagmorgen, kurz vor elf Uhr. Christian Heidel sitzt in seinem Büro auf der Schalker Geschäftsstelle. Die Mannschaft hat sich nach dem gemeinsamen Brunch am Vortag in den gemeinsamen Barcelona-Urlaub verabschiedet. Auf seinem Schreibtisch liegt ein Stapel mit Sportzeitschriften – ganz oben liegt der kicker, gefolgt vom RevierSport. Christian Heidel liest so gut wie alles über den FC Schalke 04 – und auch über seine Person.

Im Interview mit Radio Emscher Lippe verrät er: „Ich gehöre zu den Leuten, die die Zeitungen lesen.“ Vor allem nach seinem schwierigen ersten Jahr auf Schalke erfuhr er darin mächtigen Gegenwind. Einige Fans forderten seine Entlassung. Heidel: „Wenn das sportliche Endergebnis Platz zehn ist, dann ist das berechtigt. Aber natürlich war das nicht angenehm für mich.“ Er habe erst die Mannschaft, den Trainer und den Verein kennenlernen müssen. Dann der Entschluss: Domenico Tedesco wird neuer Schalke-Trainer. Der gebürtige Italiener führt Schalke in seiner ersten Saison auf Platz zwei in der Bundesliga und in das Halbfinale des DFB-Pokals: „Domenico hat die Gabe, Spieler besser zu machen. Schon nach den ersten Wochen war das Feedback aus der Mannschaft ungewöhnlich positiv.“

Zwischen Bauhelm und Distanz

Im Umgang mit Tedesco beherzigt Heidel seinen eigenen Kodex: „Ich rede ihm nicht rein und bin auch nicht rund um die Uhr bei der Mannschaft. Wenn ich denke, dass ich es besser könnte als der Trainer, dann läuft etwas falsch.“ Seine Aufgabe auf Schalke sieht er vielmehr in der Gestaltung der Zukunft des Vereins: „Ich könnte es mir doch einfach machen und die ganzen Millionen in Beine investieren, wir spielen jedes Jahr Champions-League und irgendwann gehe ich zu Real Madrid. Das ist nicht mein Ansatz, ich bin nicht der klassische Sportdirektor. Ich bin eher der Stratege.“ Genau das will er auch auf die Transfers für die kommende Saison übertragen.

Denn neben der langfristigen Zukunft muss sich Heidel auch um die Wettbewerbsfähigkeit für die neue Saison mit Dreifachbelastung kümmern – ein schwieriger Spagat, denn die finanzielle Situation des FC Schalke lässt wenig Spielraum. Mit Mark Uth und Salif Sane hat Schalke schon zwei neue Spieler für kleines Geld verpflichtet. Suat Serdar vom FSV Mainz 05 steht ebenfalls kurz vor einer Unterschrift. Heidel: „Wir werden noch ein oder zwei Dinge machen. Dabei kommt es auf den Mix an erfahrenen Spielern und Jungs, denen wir noch Erfahrung geben müssen an.“

Der Transfer-Sommer auf Schalke wird also eher ruhig verlaufen. Direkt danach wird sich Heidel sowieso wieder um neue Trainingsplätze und bessere Bedingungen auf Schalke für die Spieler kümmern: „Ich will den Menschen hier die bestmöglichen Arbeitsbedingungen geben. Ich renne hier mit einem Bauhelm um das Gelände herum und wenn morgens die Bagger nicht rollen, dann werde ich nervös.“

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