13.05.2018

Köln-Kommentar

Jetzt muss Veh in der zweiten Reihe aufräumen

Foto: firo

Der 1. FC Köln steigt zum sechsten Mal aus der Bundesliga ab. Gefühlt herrscht überall gute Laune. Damit sollte jetzt auch mal Schluss sein, denn es gibt so viel zu tun. Ein Kommentar.

2012 gab es in Köln Bilder wie gestern beim HSV. Eine brennende Südkurve, alles war schwarz, die Polizei musste den Rasen sichern. 2018 steigt der FC wieder ab, doch scheinbar ist alles anders.

Die Mannschaft wird mit Applaus verabschiedet, die Vorsaison hat dem Kader unheimlich viel Kredit gebracht. Das positive Feedback von den Anhängern hat sogar mit dazu geführt, dass Leistungsträger wie Timo Horn oder Jonas Hector trotz anderer Möglichkeiten und überschaubaren Ausstiegsklauseln mit in die Zweite Liga gehen.

Das ist sehr positiv, allerdings sind das neben der unheimlichen Fanresonanz, auch in Liga zwei wird Köln wieder ohne Probleme 25.000 Dauerkarten verkaufen, die einzigen positiven Dinge.

Denn abseits dieser Personalien muss man sich die Fakten einmal klar vor Augen halten. Der 1. FC Köln hat eine absolute Chaossaison hinter sich. Vom ersten bis zum letzten Spieltag wurde gefühlt alles falsch gemacht nach einer atemberaubenden Saison, die Köln auf Platz fünf beendet hat.

Es gab nur einen Abgang, doch der schmerzte. Denn die 30 Millionen Euro, der die FC für den Verkauf von Anthony Modeste bekam, wurden derart falsch investiert, wie es kaum für möglich gehalten wurde. Dann gab es einen Riss zwischen Ex-Manager Jörg Schmadtke und Ex-Trainer Peter Stöger, der vom Vorstand viel zu spät festgestellt wurde.

Zudem gab es den fatalen Irrglauben, die Mannschaft sei wirklich so stark, wie es die Vorsaison andeutete. Doch es bleibt ein Fakt: Der 1. FC Köln war abhängig von Modeste, viele Spieler hatten schon in der Vorsaison Glück, dass sie bei den zahlreichen Modeste-Shows unter dem Radar verschwinden konnten.

In dieser Saison ging das nicht, viele Spieler rückten neu in den Fokus und enttäuschten auf der ganzen Linie. Daher wurde der FC zur Schießbude der Liga, kassierte die meisten Niederlagen und war auch am letzten Spieltag in Wolfsburg der perfekte Aufbaugegner für strauchelnde Wölfe. Selbst in dem Spiel wurde anders gehandelt als vorher erzählt. Trainer Stefan Ruthenbeck kündigte an, nur auf die Spieler zu setzen, die auch in Liga zwei dabei sein werden. Dann lief ein Claudio Pizarro auf, auch ein Milos Jojic, der zuletzt völlig raus war, mit Osako kam ein Spieler rein, der ebenfalls gehen wird. Es passte alles zum Gesamteindruck der Spielzeit.

Daher muss Armin Veh nun aufräumen. Denn trotz der Zustimmung der Fans kann dieser Kader mit all seinen Schwächen nicht der Kader sein, der in Liga zwei eine Aufbruchsstimmung erzeugen soll. Aus der zweiten Reihe muss der Geschäftsführer Sport aussortieren. Auch das Spiel in Wolfsburg bewies, der ein oder andere Spieler wird Köln nicht helfen. Allein der Defensivzweikampf von Milos Jojic vor dem 1:2 zeigt, mit dieser Art Fußball zu spielen, gewinnt man auch im Unterhaus der Bundesliga keinen Blumentopf.

Fakt ist: Einige Akteure kann man dem Publikum nach dieser Saison nur schwer wieder zumuten. Der Kader braucht eine Achse, die steht schon nach den Zusagen diverser Leistungsträger. Jetzt braucht er eine große Blutauffrischung, denn in der kommenden Saison wird der Klub nicht so viel Kredit haben wie aktuell. Zudem gibt es mit dem HSV ein weiteres Schwergewicht, das nur den Wiederaufstieg als Ziel hat.

Daher bleibt viel zu tun, vor allem, weil viele Spieler aus der zweiten Reihe langfristige Verträge haben. Und die dürften gut dotiert sein, so dass nur wenige Kicker einen großen Drang verspüren dürften, sich aus eigenen Stücken umzuorientieren.

Autor: Christian Brausch

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