11.05.2018

SF Lotte

Golombek erklärt das "Wunder von Lotte"

Foto: firo

Andreas Golombek führte die Sportfreunde Lotte zum Klassenerhalt in der 3. Liga. Obwohl der Fußballlehrer die ihm auferlegte Mission erfüllte, muss er Lotte verlassen. Ein ehrlich, echtes Interview mit dem Ex-Profi.

Am 31. Oktober 2017 übernahm der 49-jährige Golombek nach Ismail Atalan, Oscar Corrochano und Marc Fascher als vierter Trainer der laufenden Saison die Sportfreunde Lotte. Sein Auftrag: Eine am Boden liegende Mannschaft wieder in die Spur zu bekommen und die Klasse zu halten. Das Ergebnis: Fünf Spieltage vor Schluss erfüllen Golombek und die Mannschaft diesen Auftrag. Doch der Trainer muss gehen. Sein auslaufender Vertrag wird nicht verlängert.

Wir haben mit dem Ex-Profi über sein halbes Jahr in Lotte gesprochen. Er verrät, dass es in Lotte für einen Trainer sehr schwer zu arbeiten ist. Neben der suboptimalen Infrastruktur [url=http://www.reviersport.de/371646---innerhalb-nur-12-monaten-fuenfter-lotte-trainer-anflug.html]wird der fünfte Lotte-Trainer in nur zwölf Monaten[/url] allen voran mit dem Fußball-Obmann des Vereins klar kommen müssen - Manfred Wilke. Mit diesem hat Golombek seine Erfahrungen gemacht...

Andreas Golombek, wie würden sie ihr halbes Jahr Lotte bilanzieren?
Ich bin der Meinung, dass meine Bilanz außergewöhnlich gut ausfällt. Bei meiner Vertragsunterschrift habe ich eine Mission vorgegeben bekommen - den Klassenerhalt. Diese Mission haben wir mit dem Trainerteam und der Mannschaft fünf Spieltage vor Ende der Saison erfüllt. Und die Begleitumstände in Lotte sind mit Sicherheit keine einfachen gewesen. Ich bin hier als vierter Trainer in der laufenden Saison gekommen. Wir haben unser Ziel Klassenerhalt trotz widriger Verhältnisse realisiert. Die Trainingsmöglichkeiten waren zum Teil eine Katastrophe. Es kam vor, dass uns kein Platz zur Verfügung stand und wir in Soccerhallen ausweichen mussten. Im Winter hat der Verein auf ein Trainingslager, das er ursprünglich zugesagt hatte, doch noch verzichtet. Zwischenzeitlich sind uns mit Nico Neidhart, Marcus Piossek, Matthias Rahn, Jaroslaw Lindner, Michael Schulze, Adam Straith, Kevin Pires-Rodrigues und Alexander Langlitz acht wichtige Spieler ausgefallen. Zudem haben wir im Winter unseren Torjäger Hamadi Al Ghaddioui verloren, ohne einen adäquaten Ersatzmann zu verpflichten. Deshalb betone ich noch einmal: Das, was wir als Mannschaft erreicht haben, ist außergewöhnlich gut.

Sie haben die Mission Klassenerhalt erfüllt, müssen aber trotzdem gehen. Sind sie darüber enttäuscht?
Ja, natürlich ist man enttäuscht, dass die Leistung nicht belohnt wird. Ich glaube, dass es jeder Trainer verdient hätte, belohnt zu werden. wenn er eine Mannschaft, die am Boden liegt, aufrichtet und zum Klassenerhalt führt. Andere Vereine machen es vor und beweisen, dass Leistung noch belohnt wird. In Meppen und Osnabrück haben meine Trainerkollegen nach dem Klassenerhalt verdientermaßen neue Verträge erhalten.

Glauben Sie, dass das Pokalaus gegen Erndtebrück letztendlich für ihr Aus in Lotte ausschlaggebend war?
Als Außenstehender könnte man das meinen. Aber ich glaube, dass man hier nur einen passenden Grund dafür sucht, dass mein Vertrag nicht verlängert wurde. Im Pokal sind mit Osnabrück, Wehen Wiesbaden, Aalen, Großaspach oder Meppen einige Drittligisten ausgeschieden.

Nach dem Pokal-Aus wurden sie in der Presse von Lottes Vereinschef Manfred Wilke attackiert, hat sie das persönlich getroffen?
Ja, natürlich hat es mich getroffen, dass ein Verein, der eigentlich hinter dem Trainer stehen muss, mich öffentlich dermaßen attackiert. Zumal Lotte ein Jahr vorher auch im Westfalenpokal ausgeschieden ist. Ich glaube, dass solche verbalen Angriffe durch die Presse einfach nicht gehen. Ich bin ruhig geblieben und habe nicht gekontert, weil dieses Verhalten unter meinem Niveau ist.

Ist es richtig, dass Herr Wilke im Vorfeld der Erndtebrück-Partie Spieler angerufen und unter Druck gesetzt haben soll? Getreu nach dem Motto: Ihr müsst das Spiel gewinnen, sonst werden einige gehen müssen!
Das weiß ich nicht. Aber es ist schon merkwürdig, dass wir zwei Spiele vorher gegen Chemnitz und Bremen funktionieren und gegen Erndtebrück auf einmal so viele Totalausfälle haben. Manche Spieler waren wie gelähmt. Da muss im Vorfeld irgendetwas passiert sein.

Manfred Wilke gilt als nicht einfach. Wie war oder ist ihr Verhältnis zu dem Macher der Sportfreunde Lotte?
Manfred Wilke ist wie er ist. Er hat Lotte dahin gebracht, wo sie jetzt sind. Aber hier und da würde ich dem Verein mehr Professionalität wünschen. Ich habe mit Manfred Wilke nur über Fußball gesprochen, meine Arbeit gemacht und das war es dann auch.

Würden Sie mit dem heutigen Wissen noch mal ein Angebot der Sportfreunde Lotte annehmen?
Na klar, würde ich es wieder machen. Es war eine große Chance, in der 3. Liga zu trainieren und dafür danke ich auch den Sportfreunden Lotte. Der Verein hat mir die Plattform 3. Liga gegeben und ich habe gezeigt, dass ich in dieser Klasse erfolgreich trainieren kann. Lotte hat den Klassenerhalt geschafft und ich konnte mich durch diesen Erfolg für andere Vereine interessant machen.

Was haben Sie in Zukunft vor?
Ich würde sehr gerne weiter in der 3. Liga oder 2. Liga arbeiten. Denn durch diese schwere Aufgabe in Lotte bin ich auf alles vorbereitet. Mich kann wirklich nichts mehr umhauen (lacht). Ich freue mich auf eine neue Aufgabe.

Autor: Krystian Wozniak

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