25.04.2018

RWE

Drei Gründe für den Aufschwung unter Neitzel

Foto: MaBo Sport

Sein Einstand ging mit einem 1:3 in Wuppertal in die Hose. Aus den drei Spielen danach konnte Rot-Weiss Essen unter dem neuen Trainer Karsten Neitzel sieben Punkte einfahren.

Auch wenn nicht viele Anhänger mit nach Wiedenbrück gefahren sind, die Mannschaft von Rot-Weiss Essen hat sie mit einem Lächeln im Gesicht den weiten Weg zurück nach Hause fahren lassen. Einen 2:0-Sieg beim Tabellenfünften hatten auch nach der 2:4-Hinspiel-Pleite nicht viele Fans erwarten dürfen.

Dennoch überzeugte die Elf von Trainer Karsten Neitzel mit offensivem Fußball, aggressiven Pressing und sehenswerten Angriffen im Spiel aufs gegnerische Tor. Das frühe Tor von Marcel Platzek (6.) gab den Bergeborbeckern zusätzlich Sicherheit, Kamil Bednarski machte mit seinem Kopfballtreffer nach einer Ecke von Kevin Grund den Deckel endgültig auf den zweiten Sieg in Folge. Auch wenn nicht alles Gold war, was in Ostwestfalen glänzte, ins Derby bei Rot-Weiß Oberhausen geht der Deutsche Meister von 1955 mit einer gehörigen Portion Euphorie an. Hier sind drei Gründe, warum es unter Neitzel nun besser läuft.

Grund 1: Emotionen
Neitzels Vorgänger Argirios Giannikis ist ein Vertreter der jungen, modernen Trainer. Der designierte Trainer des Drittligisten VfR Aalen setzte sich zumindest nach außen hin mit seinem Hang zu ausführlichen und tiefgreifenden fußballerischen Analyse in Szene. Sein Nachfolger ist da anders. Schon in den Statements nach den Partien will er nicht in die Tiefe gehen, wollte auch die ordentliche Leistung in Wiedenbrück nicht „zerpflücken“, wie er selbst sagte. Timo Brauer stellte schon nach drei Tagen fest: „Wir haben gesehen, dass er mit Leidenschaft dabei ist.“

Es ist jedoch eine andere Leidenschaft, als sie Taktik-Fuchs Giannikis an den Tag legte. Dieser war verliebter in die taktischen Details, bereitete sich akribischst auf jede Finesse im gegnerischen Spiel vor. Neitzel setzt da mehr auf die Komponente der Geschlossenheit und gibt seinen Spielern mehr Raum zur eigenen Entfaltung. Das scheint bei den Akteuren auf dem Rasen gut anzukommen.

Grund 2: offensivere Ausrichtung
„Wir müssen noch härter umschalten“, forderte der gebürtige Dresdner im großen RevierSport-Interview vor einer Woche. In Wiedenbrück haben die Essener das sehr gut umgesetzt. Ballgewinn, schnell nach vorne spielen und zum Abschluss kommen, war die Devise, die auf dem Feld zu erkennen war. Auch wenn sich die Rot-Weissen nach einem furiosen Beginn etwas zurückzogen und den Gegner mehr laufen ließen, die unter Giannikis geforderte Ballzirkulation wurde mit mehr Zug nach vorne nun umgesetzt. Dies sorgt auch für mehr Unterhaltungswert, als immer nur den Fokus auf Überzahlspiel in der Defensive Wert zu legen.

Grund 3: Selbstvertrauen
Nicht zuletzt durch die Erfolgserlebnisse zuletzt lebt die Mannschaft nun richtig vom Selbstvertrauen. Das führt auch dazu, dass beispielsweise Kai Pröger wieder mehr Spielfreude ausstrahlt und die Gegner immer wieder früh angerannt ist. Oder dass Timo Becker immer wieder wie Ex-Bayern-Profi Lucio in besten Zeiten den Weg im Dribbling nach vorne sucht und sich mehr in der gegnerischen Hälfte tummeln darf, als es vorher der Fall war. Auch das kann im Saisonendspurt und beim Pokalfinale im Mai ein ausschlaggebender Faktor werden.

Dennoch bleibt die Sorge vor verfrühter Euphorie. Auch nach der Amtsübernahme von Argirios Giannikis gab es einen kleinen Aufschwung, der nach der Bekanntgabe seines Wechsels - wohlgemerkt nicht durch - am Saisonende kurzzeitig in Verunsicherung umschlug. Zudem warten in den letzten Partien dieser Saison mit dem TuS Erndtebrück, Westfalia Rhynern und Düsseldorf II drei Gegner aus dem Tabellenkeller. Zwar konnte RWE alle Spiele gewinnen, allerdings wirkte der Verein in den letzten Jahren dafür prädestiniert, gegen diese Gegner zu patzen. Doch wie formulierte es Essens Vorsitzender Marcus Uhlig bei Neitzels Präsentation: „Keine Angst, mehr Mut, mehr in Chancen und in weniger in Risiken denken.“

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