21.04.2018

Schalke

Gehrke adelt Fährmann und Tedesco

Foto: firo

Wenn Schalke am Sonntag in Köln antritt, schaut Holger Gehrke, der ehemalige Co- und Torwarttrainer genau hin. Es ist das Duell seiner Ex-Klubs.

Es war vor Saisonbeginn, im August, als Holger Gehrkes Lieblings-Gastronom ihm eine Wette anbot. Der Kölner Restaurant-Besitzer war sich sicher: Der 1. FC Köln wird am Saisonende vor Schalke stehen. Holger Gehrke, der ehemalige Torwart sowie Co- und Torwarttrainer der Königsblauen, hielt dagegen und hätte es sich eigentlich schon vor Weihnachten schmecken lassen können.

Der Rückstand der Kölner auf Schalke betrug zur Winterpause 24 Punkte. Bereits vor vier Monaten war also klar, dass Gehrke die Wette gewinnen und die Rechnung somit aufs Haus gehen würde. Dabei war der Ausgang dieser Wette vor Saisonbeginn gar nicht so eindeutig abzusehen. Die Schalker hatten die vergangene Spielzeit auf Rang zehn beendet, die Kölner wurden Fünfter und qualifizierten sich nach 25 Jahren wieder für einen internationalen Wettbewerb.

Aufgrund seiner konstant guten Leistungen muss Ralle mit zur WM fahren.
Holger Gehrke

Am Sonntag kommt es zum Duell beider Klubs. Um 18 Uhr sind die Schalker im Rheinenergie-Stadion zu Gast. Nach 30 Spieltagen trennen Schalke und den 1. FC Köln 34 Punkte. Gewinnen die Schalker, können sie wohl für die Champions League planen und die Kölner könnten Gewissheit haben, dass sie ab August in der 2. Bundesliga spielen würden. Unterschiedlicher könnten die Voraussetzungen also kaum sein.

Holger Gehrke, der zwischen 1999 und 2002 sowie zwischen 2012 und 2014 zum Trainerstab auf Schalke gehörte, geht aber dennoch davon aus, dass das Duell seiner beiden Ex-Klubs ein enges werden wird. „Mit ihren Fans im Rücken sind die Kölner in der Lage, Schalke zu schlagen. Dass Schalke verwundbar ist, hat das Spiel in Hamburg gezeigt“, sagt der 57-Jährige, der seit 2015 Torwarttrainer der ungarischen Fußball-Nationalmannschaft ist.

Das, was die Schalker in dieser Saison zeigen, gefällt ihm dennoch richtig gut. „Domenico Tedesco leistet großartige Arbeit. Es war eine sehr mutige Entscheidung, einen so jungen und noch unerfahrenen Trainer zu verpflichten“, sagt er. Dass Tedesco, Benedikt Höwedes, den langjährigen Kapitän, vor der Saison entmachtete, nötigt Gehrke großen Respekt ab. „Das war eine Entscheidung, mit der der neue Trainer sofort gezeigt hat, dass er einen Plan hat, diesen auch verfolgt und keine Angst vor Schritten hat, mit denen er sich nicht überall Freunde macht.“

Unweit des Kölner Doms, sagt Gehrke, hätten die Alarmglocken schon vor der Saison schrillen müssen. „Der FC hat es verpasst, seine Kaderstruktur zu verändern“, sagt er und ergänzt: „Die Kölner sind ja nicht die erste Mannschaft, der es so ergangenen ist, als sie nach langer Zeit mal wieder international spielen durfte.“ Leistungen und Ergebnisse seien in der Rückrunde zwar besser, Gehrke hatte die Hoffnung im Winter aber bereits aufgegeben, dass der Verein, bei dem er zwischen 2004 und 2006 arbeitete, den Klassenerhalt noch schaffen kann: „Die Hinrunde liegt wie ein Damoklesschwert über dem Klub“.

Gehrke ist Fan von Ralf Fährmann

Sorgen, dass Schalke wegen der Rückkehr ins internationale Geschäft in der nächsten Saison stolpern könnte, macht sich Gehrke nicht. „Für Schalke ist es ja eher die Ausnahme, nicht international dabei zu sein“, sagt er. Als Gehrke seine Torhüter im September 2014 auf Schalke zum letzten Mal auf ein Champions-League-Spiel vorbereitete, es war das 1:1 im Heimspiel gegen NK Maribor, waren aus dem aktuellen Kader nur Max Meyer und Torwart Ralf Fährmann dabei.

Zu Ralf Fährmann hat Holger Gehrke eine besondere Beziehung. „Wenn einer Ralle eine Einladung zur Nationalmannschaft gönnt, dann bin ich es. Ich weiß, wie viele Rückschläge er erlitten hat und wie er sich immer wieder mit harter Arbeit zurück ins Tor gekämpft hat“, sagt er. Behauptungen, Fährmann sei mit dem Ball am Fuß schwächer als die Keeper, die in der Nationalmannschaft die besseren Karten haben, stören ihn immens. „Ralle hat sich enorm verbessert und steht den anderen Torhütern da in nichts nach“, sagt er. Für Holger Gehrke steht fest: „Aufgrund seiner konstant guten Leistungen muss Ralle mit zur Weltmeisterschaft fahren.“ Darauf wetten würde er allerdings nicht.

Wer noch nicht in Berlin dabei war, kann nicht nachvollziehen, wie geil das ist.
Holger Gehrke

Das Aus der Schalker im Halbfinale des DFB-Pokals am Mittwochabend verfolgte Holger Gehrke vor dem Fernseher. „Das war bitter“, sagt der ehemalige Torwarttrainer. Gehrke weiß, wie es ist, mit dem FC Schalke 04 zum Endspiel in die Hauptstadt Berlin, in seine Geburtsstadt zu reisen. „Das war der absolute Wahnsinn. Tage vorher ist die Stadt schon in Schalker Hand gewesen. Auf dem Ku’damm haben die Fans eine Party nach der anderen gefeiert.“ Als der FC Schalke 04 2001 und 2002 den Pokal zweimal hintereinander an den Schalker Markt holte, war Holger Gehrke Co-Trainer unter „Chef“ Huub Stevens.

Holger Gehrke ist sicher: „Spieler wie Naldo oder Daniel Caligiuri, die schon im Endspiel in Berlin standen, werden besonders enttäuscht sein. Wer noch nicht in Berlin dabei war, kann nicht nachvollziehen, wie geil das ist“.

Autor: Christoph Winkel

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