21.01.2018

1:1 gegen Hannover

Ein enttäuschender Abend für Schalke

Foto: Firo

Im ersten Spiel nach dem verkündeten Abgang von Leon Goretzka ist Schalke 04 am Sonntagabend nicht über ein 1:1 (1:0)-Remis gegen Hannover 96 hinausgekommen.

Großes Licht aus, viele kleine Lichter an, malochende Bergarbeiter auf dem Videowürfel - wenn vor den Spielen das Steigerlied erklingt, wird es in der Arena auf Schalke immer heimelig. Da wird die Ruhrpottseele gestreichelt, Schalker lieben das. Und viele von ihnen erwarten, dass auch die hochbezahlten Fußballer diese Atmosphäre, diese Rituale und damit diesen Verein lieben.

Leon Goretzka aber denkt anders, als Profi verspricht er sich mit seinem Wechsel Sommer zum FC Bayern Titel und Ruhm. Durch die Begleitumstände dieses Transfers fühlten sich viele Fans der Königsblauen zu deutlichen Reaktionen herausgefordert. Die Quittung für die Hinhaltetaktik des Nationalspielers waren am Sonntagabend gegen Hannover 96 Pfiffe bei jedem Ballkontakt. Leistungsfördernd war dies offensichtlich nicht: Goretzka lieferte eine mäßige Leistung ab und wurde nach 63 Minuten ausgewechselt. Einen Goretzka in Top-Form hätte Schalke gut gebrauchen können: Trotz 1:0-Führung reichte es nur zu einem 1:1. So gehören die Schalker zwar weiterhin zur Spitzengruppe, doch sie verpassten nicht nur den ersten Sieg in der Rückrunde, sondern auch den Sprung zurück auf den zweiten Tabellenplatz.

Schon vor der Partie hatten Fans Leon Goretzka etwas zu lesen mitgebracht. Beim Warmlaufen wurde dem 22-Jährigen auf großen Spruchbändern verdeutlicht, dass er “1000 Freunde im Stich gelassen” habe und dass er sich, nun ja, “verpissen” könne.

Bei der ersten Ballberührung nach dem Anstoß wusste der frühere Bochumer dann endgültig, was ihm an diesem Abend blühen würde. War er am Ball, wurde gepfiffen.

Trainer Domenico Tedesco konnte keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten des Spielers und der Fans nehmen, für ihn ist Leon Goretzka ein wertvoller Fußballer. Deshalb stellte er ihn auf. “Ich bin Angestellter des Vereins, der sportliche Erfolg ist wichtig”, erklärte Tedesco vor der Partie bei Sky. “Schalke steht über allem - über Tedesco, über Goretzka. Wichtig waren die Leistungen im Training, daher steht er in der Startelf.” Auch Sportvorstand Christian Heidel versuchte, den Kessel der Emotionen nicht weiter unter Dampf zu setzen: “Leon ist ein super Junge, ein super Fußballer. Er hat sich vorgenommen, eine überragende Rückrunde zu spielen.”

Gut für Schalke, auch gut für Goretzka, dass die schlechte Stimmung um ihn nicht die gesamte Mannschaft lähmte. Amine Harit beispielsweise ließ sich von dem ganzen Theater nicht im geringsten beeindrucken. Der junge Tempodribbler zog einfach sein Spiel durch - und so ging Schalke schon nach 16 Minuten mit 1:0 in Führung. Der marokkanische Nationalspieler zog schon an der Mittellinie an, raste zielstrebig Richtung Tor und schickte dann im richtigen Moment einen Pass in die Tiefe: Marko Pjaca, Leihgabe von Juventus Turin, nahm den Ball mit, drehte sich kurz und clever - und dann: hinein ins Vergnügen! Ein gelungenes Startelf- und Heimdebüt für den kroatischen Nationalspieler.

Aber Schalke hat in dieser Saison selten so dominant gespielt, dass Führungen beruhigend war. Auch am Sonntagabend war viel Mühe nötig - und zudem etwas Glück. Denn in der 28. Minute wäre Hannover 96 beinahe der Ausgleich gelungen. Felix Klaus traf aus rund 20 Metern nur den Pfosten, von dort prallte der Ball noch an den Rücken von Torwart Ralf Fährmann - doch die Kugel hatte so viel Drall, dass sie nicht ins Tor kullerte.

Den ersten Akzent nach der Halbzeitpause setzte wieder Amine Harit. Erneut glänzte er mit einem Sololauf, diesmal war Alessandro Schöpf der Adressat des folgenden Passes. Wie beim 1:0 Pjaca drehte sich auch der Österreicher schnell um den Mann, doch sein Schuss landete neben dem Tor.

Ein Signal für spielerische Dominanz war auch diese Chance nicht. Es ging zäh weiter. Schalke bemühte sich um Spielkontrolle, musste jedoch immer wieder auf der Hut sein, weil sich der Gegner zunehmend um den Ausgleich bemühte. Das Team des früheren Schalke-Trainers André Breitenreiter wartete in der zweiten Halbzeit nicht auf Schalker Fehler, sondern ergriff wiederholt selbst die Initiative. In der 69. Minute hielten die Fans der Königsblauen den Atem an, als Ihlas Bebou nach einer Flanke vor Naldo und Matija Nastasic an den Ball kam - mit einem starken Fußreflex verhinderte Ralf Fährmann das 1:1.

In der 86. Minute war es dann passiert: Der Hannoveraner Niclas Füllkrug belohnte den nie nachlassenden Ehrgeiz seines Teams mit dem 1:1. Ein enttäuschender Abend für Schalke - und nicht nur für Leon Goretzka.

Autor: Peter Müller

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