21.01.2018

Kommentar

Schalke-Chef Tönnies befeuert Stimmung der Fans

Foto: firo

Der Aufsichtsrats-Chef der Königsblauen droht Leon Goretzka mit einem Tribünenplatz. Seine Worte wiegen schwer. Ein Kommentar

Als Leon Goretzka am Samstag zum Abschlusstraining auf den Rasen neben der Schalker Geschäftsstelle stiefelte, wurde er zur Begrüßung von ein paar Fans beleidigt. Da konnte er schon mal ahnen, was ihm möglicherweise an diesem Sonntag blühen wird, wenn nicht unwesentlich mehr Königsblaue beim Heimspiel gegen Hannover 96 die Arena füllen. Die Stimmung gegen den im Sommer zum FC Bayern wechselnden Star ist – gelinde ausgedrückt – gereizt.

Das hat gute Gründe. Der Nationalspieler und sein Berater hatten sich zuerst mit dem FC Schalke auf eine Vertragsverlängerung geeinigt, ihn dann nach dem Confed-Cup hingehalten und am Ende an der Nase herumgeführt. Dass er vor einer endgültigen Entscheidung zuerst die Entwicklung auf Schalke abwarten wollte, hat Goretzka den Verantwortlichen erzählt. Dass die tief enttäuscht sind, wenn er sich dann doch für den FC Bayern entscheidet, muss man verstehen.

Besonders erbost ist offensichtlich Clemens Tönnies. Der redete, wie es seine Art ist, am Sonntagmorgen beim Wontorra-Talk bei Sky Klartext. Er verriet, dass seine erste Reaktion gewesen sei, dass Goretzka nie wieder das Schalke-Trikot tragen sollte. Er verriet auch, dass Schalke nicht abgeneigt sei, mit den Bayern zu sprechen, falls die an einem (dann ablösepflichtigen) Transfer noch in diesem Winter interessiert seien. Und er kündigte Goretzka drohend an, dass er auf die Tribüne gesetzt werde, falls Schalkes Fans negativ reagieren sollten.

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Solche deutlichen Worte aus dem Mund des Klub-Chefs haben natürlich Auswirkungen. Vielleicht verspricht er sich ja von seinen Ansagen, dass Goretzka sich jetzt noch mehr für die Königsblauen zerreißt, um zu beweisen, dass er ein Vollprofi ist. Andererseits setzt er den Jungen jetzt noch mehr unter Druck, und er befeuert die Wut derjenigen Fans, die Goretzka den Wechsel und die damit verbundenen Umstände persönlich übel nehmen.

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Aber sind solche Reaktionen nicht Überreaktionen? Hat auch mal jemand an Trainer Domenico Tedesco und die Mannschaft gedacht? Müsste nicht der Trainer zuerst sagen, ob ein Spieler auf die Tribüne gehört oder nicht? Und beeinflusst es nicht das gesamte Team, wenn wegen des besten Spielers schlechte Stimmung herrscht?
Clemens Tönnies hat für alles, was er gesagt hat, nachvollziehbare Gründe. Ob er sich und seinem Verein einen Gefallen damit getan hat, seinen eigenen Unmut in dieser Deutlichkeit kundzutun, ist zumindest diskussionswürdig.

Autor: Peter Müller

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