15.09.2017

Schalke

Zwischen Genie und Wahnsinn

Foto: firo

Christian Heidel wehrt sich gegen die Kritik an Nabil Bentaleb. Der Manager verweist auf das Alter des Algeriers und fordert, ihm zu helfen.

Gegen Stuttgart musste Nabil Bentaleb in der Halbzeit vom Feld, es stand 1:1. Verletzt war Schalkes defensiver Mittelfeldspieler nicht. Bentaleb hatte mit einem verwandelten Foulelfmeter nach vier Minuten für die Führung gesorgt, aber nicht gut gespielt. „Er hat keinen Zugriff bekommen“, kritisierte Manager Christian Heidel. In der zweiten Halbzeit drehten die Königsblauen auf und gewannen das Spiel mit 3:1 – ohne Nabil Bentaleb.

Dennoch spricht vieles dafür, dass der algerische Nationalspieler am Samstag, wenn Schalke um bei Werder Bremen antritt, wieder in der Startelf stehen wird. „Von einem Spiel aufs andere zu schließen, wäre nicht korrekt“, sagt Trainer Domenico Tedesco und stellt klar: „Gerade zu Beginn einer Saison brauchst du eine gewisse Achse“. Zu dieser Achse zählt wohl auch Bentaleb, der neben Leon Goretzuka die Fäden ziehen soll.

Bei kaum einem anderen Spieler auf Schalke wechseln Licht und Schatten derart häufig wie bei Nabil Bentaleb. Beim Heimsieg gegen Leipzig war er noch der gefeierte Mann, gegen Stuttgart, beim nächsten Auftritt in der Arena, ging’s eben nach 45 Minuten raus. „Bei ihm kommen Genie und Wahnsinn zusammen“, sagt Christian Heidel über den Mann, für den er 19 Millionen Euro an Tottenham Hotspurs überwiesen hat. Heidel: „Die Kontanz muss er noch reinbekommen. Dass er aber fußballerische Fähigkeiten hat, die nicht so viele haben, sieht man.“

Bentaleb hinterfragt sich ständig
Schalkes Ex-Trainer Markus Weinzierl verzweifelte in der vergangenen Saison, weil Bentaleb nicht nur einmal Fehlpässe spielte, die zu Gegentoren führten. Schalkes neuer Trainer Domenico Tedesco habe dem Algerier eindringlich erklärt, dass er sein riskantes Spiel abstellen und sich früher vom Ball trennen muss. „Das hat er auch verstanden“, sagt Christian Heidel, der sich aber entschieden gegen den Vorwurf wehrt, dass Nabil Bentaleb kein Teamplayer sei. „Das kann man überhaupt nicht sagen. Nabil ist ein Typ, der sich von morgens bis abends selbst hinterfragt.“

Dass Bentaleb nach dem Spiel gegen Stuttgart nicht gerade Freudenausbrüche hatte, sieht der Manager ihm nach. „Nabil war nicht sauer, weil er ausgewechselt wurde, sondern weil er in der ersten Halbzeit nicht zum Zuge kam.“

Als Schalke im vergangenen Jahr, auch wegen eines groben Schnitzers von Bentaleb, in Hoffenheim mit 1:2 verloren hat, soll der Mittelfeldspieler auch eine Stunde nach Abpfiff noch in Gedanken versunken vor seinem Spind in der Kabine gesessen haben. „Alles, was mit Misserfolg und Unzufriedenheit zu tun hat, beschäftigt ihn. Da müssen wir ihm mehr helfen“, sagt Heidel und ergänzt: „Man darf nicht vergessen, dass er ein extrem junger Spieler ist. Er sieht halt nur ein bisschen älter aus.“ Am 24. November wird Bentaleb 23 Jahre alt.

Autor: Christoph Winkel

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