13.09.2017

Regionalliga-Reform

Das ist Grindels Plan

Foto: Lars Heidrich

DFB-Präsident Reinhard Grindel will vier von fünf Meistern aufsteigen lassen - und so endlich Frieden in der vierten Liga. Ein exklusives Gipfeltreffen mit den Chefs von RWE und Wiedenbrück in der Verbandszentrale.

Als der DFB im Sommer bekannt gab, dass Chinas Olympia-Mannschaft zukünftig in der Regionalliga Südwest Freundschaftsspiele bestreiten werde, brach im Amateurlager ein Sturm der Empörung aus. Von purem Kapitalismus war die Rede. RW Oberhausens Präsident Hajo Sommers sprach von einer „Kirmesliga“ und frotzelte, dass zukünftig der Aufstieg per „Glückskeks“ entschieden werde. Der DFB stand am Pranger.
Deutlich wurde: Es brodelt in der vierthöchsten deutschen Liga.
Die Regionalliga ist ein Konstrukt zwischen Provinz und Profitum: Klubs wie der SC Wiedenbrück, eine Stadt im Kreis Gütersloh mit 47 000 Einwohnern und einem Stadion für 3000 Anhänger, treffen in der Regionalliga West auf einen Traditionsklub und gefühlten Zweitligisten wie Rot-Weiss Essen mit einer Arena, die über 20 000 Zuschauer fasst. Da prallen Fußballwelten aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Das sorgt für Ungleichheit.

Größter Streitfall: Von den fünf Meistern steigen bisher nur drei in die Dritte Liga auf. Zuvor müssen alle Meister in die Relegation. In zwei Spielen kann aus einem Aufstiegstraum ein Aufstiegstrauma werden.
Das sei, so die Kritiker, die größte Ungerechtigkeit und würde dem Meister die Belohnung nehmen. Es besteht dringender Redebedarf. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wurde dafür angeblafft.

Die scharfe Kritik am Verband machte Eindruck bei DFB-Präsident Reinhard Grindel. Er lud den Vorsitzenden von Rot-Weiss Essen, Michael Welling, und SC Wiedenbrücks Geschäftsführer Bernhard Hartmann zu einem Gipfeltreffen in die Verbandszentrale in Frankfurt/Main ein. Diese Zeitung moderierte das Gespräch in der Bibliothek. Dann überraschte Grindel die Runde mit Vorschlägen zur Regionalliga-Reform. Doch der Reihe nach.

Herr Grindel, der größte Streitfall ist die derzeitige Aufstiegsregelung. Die fünf Regionalligameister müssen in die Relegation. Am Ende steigen nur drei auf. Damit können doch auch Sie nicht glücklich sein. Oder täuschen wir uns?
Grindel: Wir reden im DFB intensiv über die Aufstiegsfrage. Wer sich mit dem Thema seriös beschäftigt, wird schnell erkennen: einen guten Konsens zu finden, ist schwierig. Grundsätzlich halte ich es für richtig, bei einer fünfgleisigen Regionalliga zu bleiben. Die regionale Struktur macht ihre Attraktivität für Zuschauer, Sponsoren und das Fernsehen aus. Wir wollen mit den Klubs im Rahmen von Regionalkonferenzen Optionen diskutieren. Dazu gehört auch ein Modell, das besser ist als die jetzige Regelung und fast alle Wünsche berücksichtigen würde.

Wir sind sehr gespannt...
Grindel: Von fünf Staffelsiegern steigen vier auf. Ich nenne das mal: Vier von fünf.

[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/080/273-81341_preview.jpeg Treffen in der Verbandszentrale: Ralf Wilhelm (WAZ Lokalsport Essen), Bernhard Hartmann (Geschäftsführer SC Wiedenbrück), Reinhard Grindel (DFB-Präsident), Michael Welling (Präsident bei Rot-Weiss Essen), Thomas Gassmann (Chefreporter Funke Sport) und Pit Gottschalk (Chefredakteur Funke Sport) diskutierten in Frankfurt am Main.[/imgbox]

Wie soll das aussehen?
Grindel: Ich möchte da nicht vorgreifen. Dies soll zunächst wie gesagt mit allen Regionalliga-Trägern und mit allen Klubs besprochen werden. Ich betone dabei, dass es sich nur um eines von mehreren Modellen handelt, über die gemeinsam und offen diskutiert werden soll. Dazu gehören auch eine modifizierte Aufstiegsrunde oder eine Erhöhung der 3. Liga auf 22 Klubs bei fünf Absteigern. Es muss sich dann zeigen, welche Lösung die größte Zustimmung erfährt. Mir persönlich erscheint momentan die erstgenannte Variante, also vier von fünf, viele Vorteile zu bieten.

Wenn es vier Regionalliga-Aufsteiger geben soll, müssten aus der 3. Liga statt drei auch vier Mannschaften absteigen. Glauben Sie, dass sie die betroffenen Klubs überzeugen können, einen Absteiger mehr zu akzeptieren?
Grindel: Ich denke es gäbe gute Argumente, es überzeugend vermitteln zu können. Wir glauben auch, dass die Vertreter der 3. Liga wissen, dass wir dringend etwas ändern müssen. Ich hoffe, dass sie sich vor diesem Hintergrund solidarisch zeigen. Es wäre ein wichtiges Signal an die gesamte Fußballfamilie.

[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/080/275-81343_preview.jpeg RWE-Fußball-Boss Michael Welling[/imgbox]

Herr Welling, wären Sie mit vier aus fünf zufrieden?
Welling: Das Modell ist auf jeden Fall besser als das bisherige. Ich finde gut, dass für Klubs, die Meister werden wollen, eine höhere Chance besteht, tatsächlich auch aufzusteigen. Ich bin aber gespannt, wie die Drittligisten auf diesen Vorschlag reagieren. Die wären nämlich die Verlierer – eine Veränderung ohne Nachteile gibt es aber nicht.
Grindel: Man kann natürlich immer etwas finden, das einem nicht gefällt. Aber vielleicht sollte man auch einmal sagen: Der DFB macht sich ernsthaft Gedanken und will das Problem lösen.

Herr Hartmann, wie gefällt Ihnen das Modell?
Hartmann: Die Aufstiegsregelung, wie wir sie jetzt kennen, findet niemand gut. Es kann nicht sein, dass Waldhof Mannheim im Relegationsspiel in Meppen einen Elfmeter an den Pfosten schießt und deshalb nicht aufsteigt. Alles andere ist deshalb besser.

Herr Grindel, was geschieht, wenn Sie für Ihr favorisiertes Modell keine Mehrheit erhalten? Im Gespräch ist auch eine Aufstiegsrunde.
Grindel: Wir werden auch das Modell einer erweiterten Aufstiegsrunde zur Diskussion vorlegen. Wir gehen ohne Festlegungen ergebnisoffen in die Diskussionen. Aber ich denke, dass das Modell vier aus fünf gute Chancen haben könnte, sich durchzusetzen.

[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/080/274-81342_preview.jpeg Bernhard Hartmann, Geschäftsführer SC Wiedenbrück[/imgbox]

Warum?
Grindel: Weil es eine einfache und gerechte Lösung ist. Der Grundsatz, der Meister muss aufsteigen, wird zwar nicht in Gänze erreicht, aber in den meisten Fällen. Das Modell würde so angelegt sein, dass für die Klubs deutlich mehr Planungssicherheit herrschen würde als im aktuellen Modus.

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Autor: Thomas Gassmann, Pit Gottschalk und Ralf Wilhelm

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