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Trauriges Jubiläum
Wie S04, Duisburg und Co. für RWE-Abstieg sorgten

Foto: dpa

Einer der traurigsten Tage der Bundesliga feiert am 17. April sein 50. Jubiläum. Ein Bestechungsskandal, der den deutschen Fußball nachhaltig traf. Mittendrin: der FC Schalke 04.

Dass ausgerechnet auf einer Gartenparty der wohl größte Skandal der Bundesligageschichte aufgedeckt werden würde, hätte damals wohl kaum jemand gedacht. Aber letztendlich kam es genau so. Horst-Gregorio Canellas, Präsident der abgestiegenen Kickers Offenbach, feierte seinen 50. Geburtstag und lud diverse Funktionäre des deutschen Fußballs sowie die Presse ein. Dann ließ er die Bombe platzen: Canellas spielte ein Tonband mit Bestechungs-Telefonaten zwischen Spielern ab. Entsetzen machte sich breit. Der damalige Bundestrainer Helmut Schön verließ umgehend die Party.

Arminia erkauft sich Sieg auf Schalke

In den darauffolgenden Wochen und Monaten ging es heiß her. Die Ermittlungen des DFB ergaben nämlich, dass im Abstiegskampf der Bundesliga 18 Spiele manipuliert wurden. So auch das Spiel zwischen dem [url=/fussball/1bundesliga-2021-mannschaften-211200411-fc-schalke-04.html]FC Schalke 04[/url] und [url=/fussball/1bundesliga-2021-mannschaften-210500021-arminia-bielefeld.html]Arminia Bielefeld[/url]. Am 28. Spieltag empfing S04 die Ostwestfalen, die im Tabellenkeller Schwierigkeiten hatten. Für 40.000 DM kauften sie sich dann einen Sieg auf Schalke. Pro Spieler gab es für die Königsblauen 2300 DM. Für einen S04-Sieg hätte es nur 300 DM weniger gegeben. Lediglich Torwart Dieter Burdenski wurde nicht eingeweiht.

Für Klaus Fischer war dieses Spiel "das Allerschlimmste", wie er gegenüber der "Deutschen Welle" verriet. Er war zu dem Zeitpunkt 21 Jahre alt und verdiente nicht viel Geld. "Ich war noch so jung, da hat man gar nicht so richtig darüber nachgedacht. Ich hatte damit eigentlich nichts zu tun. Aber ich habe das Geld genommen", erklärte der Schalker Rekordtorschütze.

Bundesweiter Skandal

Insgesamt waren mehr als 60 Personen am Skandal beteiligt. Gleich zehn Bundesligisten waren involviert: Arminia Bielefeld, FC Schalke 04, [url=/fussball/regionalligawest-2021-mannschaften-220100011-rot-weiss-oberhausen.html]Rot-Weiß Oberhausen[/url], Kickers Offenbach, [url=/fussball/1bundesliga-2021-mannschaften-230103011-1-fc-koeln.html]1. FC Köln[/url], Eintracht Frankfurt, Hertha BSC Berlin, Eintracht Braunschweig, VfB Stuttgart und der [url=/fussball/3liga-2021-mannschaften-220090041-msv-duisburg.html]MSV Duisburg[/url].


Der Skandal hatte weitreichende Konsequenzen. Schalke, das "nur" an jenem 17. April eine Rolle spielte, geriet immer tiefer in den Sumpf. Da S04 zunächst nicht im Fokus der Untersuchungen stand, dachten die Akteure, dass sie ungescholten davon kämen. Als dann Arminias Jürgen Neumann von der Schiebung der Partie sprach, verklagten mehrere Schalke-Spieler den Bielefelder wegen Verleumdung. Sie schworen vor Gericht auf Meineid. Die Lüge flog auf und die Knappen wurden zum "FC Meineid". So wurden unter anderem Klaus Fischer, Stan Libuda und Klaus Fichtel langfristig gesperrt. Einige Karrieren wurden durch die Sperren massiv beeinträchtigt oder sogar beendet. Die Spieler hatten Glück, dass sie nicht im Gefängnis landeten.

Rot-Weiss Essen vom DFB übergangen

Am schlimmsten traf es wohl das unbeteiligte Rot-Weiss Essen. RWE ließ sich nichts zu Schulden kommen und stieg dennoch ab. Der DFB wusste, dass die Konkurrenz betrogen hatte, ließ die Spiele allerdings nicht annullieren. Ein Skandal, der seinesgleichen sucht. Arminia Bielefeld wurde 1972 in die Regionalliga strafversetzt.

Die Bundesliga verlor massiv an Ansehen. Erst die Weltmeisterschaft 1974 ließ die Liebe für den Fußball neu entflammen und rettete ein Stück weit auch die Bundesliga. Essen konnte sich davon allerdings nichts kaufen. Canellas, der den Prozess ins Rollen brachte, wurde zunächst lebenslang gesperrt. Erst 1976 wurde er begnadigt.

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